Keine Vergewaltigung, aber Körperverletzung und Bedrohung

Ennepetal..  Es sah alles zunächst nach einer brutalen Vergewaltigung aus. Gestern hat aber das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer die Angaben des angeklagten Ennepetalers in weiten Teilen bestätigt.

Der hatte am ersten Verhandlungstag bestritten, seine Ex-Freundin im Oktober vergewaltigt zu haben. Vielmehr habe er mit ihr nach einem Streit eine Art Versöhnung „gefeiert“. Nach der überraschenden Wendung, konnte die 1. Große Strafkammer des Hagener Landgerichts daraufhin ein Urteil sprechen und verurteilte den 34-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung.

Was die Prozessbeteiligten gestern erlebten, kam völlig unerwartet. Ruhig und ohne ersichtliche Angst schilderte das 26-jährige mutmaßliche Vergewaltigungsopfer seine Beziehung zu dem Angeklagten. „Wir waren wie ein Paar. Er arbeitete als Schrottsammler und ich als Prostituierte in einem Club. Er kannte sich in Deutschland aus und hat mir gesagt, wo ich arbeiten kann“, sagte die aus Bulgarien stammende junge Frau. Nach einiger Zeit gab es jedoch Beziehungsprobleme. Er wurde zunehmend eifersüchtig. „Er hat mir auch gesagt, dass er eifersüchtig ist. Ich konnte das nicht nachvollziehen, weil er zuließ, dass ich so einen Job mache“, erzählte die Frau weiter.

Mit Gürtel in den Nachen geschlagen

Am 16. Oktober hatte sich die 26-Jährige, die nach der Trennung in Saarlouis lebte, dazu entschlossen, zu ihrem Ex-Freund aus Ennepetal zu fahren. Beide gingen daraufhin zu einem Freund, tranken dort Alkohol. Irgendwann geriet die Situation außer Kontrolle. „Er hat mir Vorwürfe gemacht, ich hätte Kontakt zu anderen Männern und er hat mich als Drogensüchtige beschimpft. Er war eifersüchtig. Dann hat er mich ins Gesicht geschlagen. Mit einem Gürtel hat er mich in den Nacken geschlagen. Dann zeigte er mir ein Messer und sagte, er würde mich in kleine Stücke schneiden. Ich habe sehr viel Angst gehabt“, so die Frau.

Sie erlitt durch ihren prügelnden Ex-Freund viele Hämatome und Blutergüsse. Trotzdem habe sie nichts weiter gesagt oder getan. Und obwohl sich der Streit noch lange hinzog, ließ sie sich irgendwann mehr oder weniger freiwillig auf sexuelle Handlungen ein. „Ich fand das abstoßend. Ich habe ihm gezeigt, dass ich nicht wollte, aber ich weiß nicht, ob er das verstanden hat. Ich habe das nicht deutlich genug gemacht“, erinnerte sie sich.

Die angeklagte Vergewaltigung konnten die Richter daraufhin nicht mehr feststellen. Was nach der Aussage der 26-Jährigen übrig blieb, war der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung und Bedrohung. Die Kammer ging in ihrem Urteil zwar davon aus, dass die Frau nicht wirklich freiwillig mit ihrem Ex intim wurde. Sie habe ihm das aber nicht deutlich genug gezeigt, wie sie selbst in ihrer Aussage bestätigt habe. Die Richter verurteilten den bisher nicht vorbestraften Mann zu einem Jahr und neun Monaten Haft. Die Strafe setzten die Richter zur Bewährung aus. Das Urteil ist rechtskräftig.