Keine Pause im Zusammenprall der Charaktere

Das Leo Theater im Haus Ennepetal feierte am Freitag, 13. Februar 2015, Premiere des Stücks " Der Gott des Gemetzels " von Yasmin Reza. Es spielten Thorsten Hamer, Christiane Breucker, Carola Schmidt und Aaron Heiß.
Das Leo Theater im Haus Ennepetal feierte am Freitag, 13. Februar 2015, Premiere des Stücks " Der Gott des Gemetzels " von Yasmin Reza. Es spielten Thorsten Hamer, Christiane Breucker, Carola Schmidt und Aaron Heiß.
Foto: WP

Ennepetal..  Das Leo-Theater im Haus Ennepetal wagt es und führt die sehr anspruchsvolle Komödie „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza auf. Nach der Premiere kann man getrost sagen: Das Ensemble kam an. Ja, die Premierenbesucher waren begeistert, der Mut der Leo-Menschen mit Recht belohnt. Zwei Ehepaare treffen sich, kultiviert-bürgerlich bei Streuselkuchen und Kaffee. Besprochen werden sollte ein Geschehnis auf dem Schulhof. Lukas hatte dem Bruno mit einem Stock geschlagen. Das Opfer verlor zwei Schneidezähne.

Bürgerliche Fassade zerbricht

Doch kaum sitzen die Eltern beisammen, da nimmt die Tragödie ihren Lauf. Der Zuschauer fröstelt und lacht zugleich, denn jedes Wort löst lawinenartig eine neue Situation aus. Die pointierten Dialoge sitzen, jede Bewegung und jedes Mienenspiel reißt einen Riss in die bürgerliche Fassade. Da ist der Anwalt, der nur widerwillig am Gespräch teilnimmt und laufend telefoniert, da ist der Vater des Opfers Bruno, der sich schon fast kumpelhaft anbiedert zu einer Art von Männerfreundschaft und da sind zwei Frauen, deren Welten sehr verschieden ticken. Die Dialoge werden zu Wortgefechten.

Es gibt in den 90minütigem Zusammenprall der Charaktere keine Pause. Macht nichts, der Theaterbesucher ist gebannt. Sie würde auch nur stören. Auch wer das Buch von Yasmina Reza nicht kennt, spürt, dass noch etwa kommt. Der Zustand der Ehen der Eltern wird deutlich, man wird Zeuge, wie sie zu wütenden Hyänen werden und die bürgerliche Fassade mehr und mehr zerbricht. Thorsten Hamer hat als Regisseur Platz gelassen für Lacher in einer bitterbösen Komödie, moralisiert nicht und lässt beim Spiel alle Akteure gleichwertig sein. Es spielen Christiane Breucker, Carola Schmidt, Aaron Heiß und Thosten Hamer selbst, ein tolles Ensemble, das in einem hohen Tempo spielt und am Ende sogar die Fetzen fliegen lässt. Doch Klamauk ist weit entfernt, aber der Gott des Gemetzels ist gegenwärtig.

Langer Beifall. Das Ensemble holte auch Gaby Hammer auf die Bühne. Sie schuf die Kostüme. Dann gingen die Theaterleute und die Zuschauer ins benachbarte Cafe, das den schönen Namen „Nie wieder allein“ trägt. Die Premierenfeier hatte man sich verdient.