Keine Angst vor den Flüchtlingen

Auftritt der tamilischen Mädchen-Tanzgruppe.
Auftritt der tamilischen Mädchen-Tanzgruppe.
Foto: WP

Gevelsberg..  Zu einem imponierenden Appell, keine Angst vor der zunehmenden Zahl der Flüchtlingen zu haben, sondern diese Menschen als Chance für die Entwicklung zu sehen, wurde gestern der Neujahrsempfang der Stadt Gevelsberg im Zentrum für Kirche und Kultur.

„Diese Gesellschaft ist zu mehr in der Lage als wir glauben“, hat der Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck als Ehrengast und Hauptredner den Anwesenden zugerufen. Gevelsberg will genau das beweisen. Deshalb wurde auf dem Empfang nicht nur geredet, sondern auch vorgestellt, wie gehandelt wird.


Im Rathaus hat ein „Büro für Vielfalt und Zukunftschancen“ die Arbeit aufgenommen, das sich um die Menschen kümmert, die ihre alte Heimat verlassen mussten.


Mit intensiven Sprachkursen bei der Volkshochschule soll den Menschen, die zu uns kommen, so schnell wie möglich die deutsche Sprache beigebracht und ein Einblick in die deutsche Gesellschaft gegeben werden. Diese Kurse gehen weit über die gesetzlichen Gegebenheiten hinaus. Sie kosten jeweils 3000 Euro für 18 Teilnehmer. Die Unternehmerfamilien Vollmann, Heinz und die Firma Gebauer haben zugesagt, Kosten für Kurse zu unternehmen. Auf dem Empfang selbst sagte auch Doris Entrup spontan zu, ein Seminar zu finanzieren. Somit sind bereits viereinhalb Kurse sichergestellt.


Gevelsberger Familien werden aufgerufen, die Patenschaft über Menschen zu übernehmen, die vor Kriegen, Angst und Terror fliehen mussten. „Sie können mit diesen Menschen ihre Freizeit teilen. Man kann nicht nur mit dem Scheckbuch helfen“, schlug Bürgermeister Claus Jacobi vor. „Patenschaften sind das Wichtigste, was man machen kann. Ich kann ihnen dazu nur gratulieren“, lobte der Ehrengast Neudeck

„Wir hoffen, dass die Flüchtlinge sich bald als Bürger unserer Stadt fühlen“, sagte Jacobi. Er warnte vor Angst und Sorge davor, in „die menschliche Unordnung“ mit hin­eingezogen zu werden, die durch die zurzeit 50 Millionen Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, entstanden sei: „Das bringt uns nicht weiter. Das lähmt nur unsere Energie.“

Dass die Energie da ist, um den Flüchtlingen zu helfen, hat Rupert Neudeck vor seinem Vortrag im Gespräch mit unserer Zeitung betont: „Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass die Menschen es tun, wenn man ihnen konkret sagt, wie sie helfen können.“

Eindrucksvoll wendete sich Seyfullah Köse vom Integrationsrat der Stadt an die Menschen im Saal. „Die ist ein guten Land. In ihm leben gute Menschen. Lassen Sie sich nichts anderes einreden“, rief er den Anwesenden aus einer Talkrunde hinaus zu. Natürlich sei auch er, der Wurzeln im Ausland habe, in Deutschland schon einmal diskriminiert worden. Aber einer schlechten Erfahrung stünden tausend gute gegenüber. So sieht es auch Merhawi Michael Teklu, der vor drei Jahren aus Eritrea nach Deutschland gekommen ist. „Gevelsberg ist jetzt meine Heimat“, versichert der Bauingenieur.