Kein Platz für die Bienenvölker

Gevelsberg..  „Summ, summ, summ, Bienchen summ herum.“ Bei Ottmar Roswora (60) summt allerdings kaum noch etwas. Knapp 35 Jahre hatte er auf einem Grundstück hinter seinem Haus in Silschede stets mindestens vier Völker beheimatet, die im Sommer auch mal mehrere Hunderttausend Bienen zählten. Streit mit dem Nachbarn hat dafür gesorgt, dass Ottmar Roswora seine Bienen nicht mehr halten kann.

Normalerweise eine rein private Angelegenheit, hätte Roswora nicht ein ganz besonderes Amt inne. Er ist Bienensachverständiger und Schulungsreferent des Landesverbands Westfälischer und Lippischer Imker. „Ich mache die Ableger für neue Imker von meinen Völkern“, sagt Ottmar Roswora. Heißt: Hat jemand Interesse, mit der Imkerei zu beginnen, fängt dieser nicht sofort mit einem riesigen Volk an. Ottmar Roswora stellt – vereinfacht gesagt – ein kleines Volk zusammen, das dann den Grundstock für das neue Hobby ist und sich sukzessive vergrößert.

Zwei Völker auf Sporthallendach

Dazu komme, dass gerade im Imkerverein Ennepe-Ruhr, dem neun städtische Vereine angehören, keinerlei Nachwuchssorgen bestünden, wie Roswora betont. „Ganz im Gegenteil, dadurch dass mit Dr. Gerhard Liebig und Dr. Pia Aumeyer national anerkannte Fachleute bei uns tätig sind, haben wir einen regen Zulauf“, sagt Ottmar Roswora.

Die Situation hinter seinem Haus ist zerfahren. Um auf das Grundstück, dass ihm der Eigentümer seit 1980 unter anderem für seine Imkerei zur Verfügung stellte, zu gelangen, muss er einen etwa zweieinhalb Meter breiten Streifen eines anderen Nachbarn überqueren. Das hat dieser ihm nun untersagt, einen Zaun gezogen und ein Tor, das andere Nachbarn passieren dürfen, für Ottmar Roswora mit „Betreten verboten“-Schildern bestückt. Das Aus für die Imkerei in einem Gebiet, das laut des Experten „perfekt für einen ganz speziellen Honig ist“, wie Roswora betont.

Und nun? „Die Stadt Gevelsberg hat mir erlaubt, zwei Völker auf das Dach der Sporthalle West zu stellen, außerdem haben wir welche hinter dem Gymnasium stehen“, sagt er. Es sei jedoch nicht möglich gewesen sämtliche Völker, die zuvor in Silschede standen, dort zu platzieren. „Ich musste welche abgeben. Kollegen aus dem Verein haben mir aus der Patsche geholfen.“

Hoffnung auf Besserung

Zudem sei der Standort auf dem Dach der Sporthalle gerade für Ausbildungszwecke nicht optimal. „Treppe rauf, Treppe runter, immer darauf achten, dass niemandem etwas passiert. Da ist eine Schulung kaum möglich“, sagt Ottmar Roswora. „Ständig die Schlepperei, ständig die Fahrerei – ich schaffe das auch nicht mehr so mit meinen 60 Jahren, die Situation ist sehr unbefriedigend“, sagt der Silscheder Imker.

Die Kommunikation mit dem Nachbarn läuft zwar ausschließlich über Anwälte, dennoch gibt er die Hoffnung nicht auf, dass sich doch noch alles einrenkt und er irgendwann wieder seine Bienen am alten Platz halten kann.