Kapitän verlässt das Gemeindeschiff

Pastor Eginhard Voigt wurde nach acht Jahren Dienst in der Freien Evangelischen Gemeinde Ennepetal verabschiedet. An seiner Seite Ehefrau
Pastor Eginhard Voigt wurde nach acht Jahren Dienst in der Freien Evangelischen Gemeinde Ennepetal verabschiedet. An seiner Seite Ehefrau
Foto: Andreas Reinshagen

Ennepetal..  „Don`t wake me up“, hallt es durch die Kirche während der Eröffnung des Abschiedsgottesdienstes von Pastor Eginhard Voigt. Eine große Anteilnahme auch im vollen Gemeindesaal, denn so richtig glauben wollten viele Gläubige in Ennepetal noch nicht wirklich, dass der Theologe nun nach achtjähriger Amtszeit die Gemeinde verlässt und in die Nachbargemeinde nach Remscheid-Lennep wechselt.

Sein Weg zum Glauben und dem Beruf des Theologen führt Voigt aber erst einmal über Wuppertal Ronsdorf. Hier wächst er auf, hat in dem Stadtteil den Zugang zu Gott gefunden. „Hier habe ich alles gefunden, was ich zum Leben brauche“, sagt Voigt überzeugt. Er meint damit den Glauben, seine jetzige Ehefrau und die heutige starke Verbundenheit zum Pastorendienst. Doch bevor seine theologische Karriere beginnen kann, absolviert der zielorientierte junge Mann erst einmal eine Ausbildung zum Gartenbauer. Es läuft alles nach Plan, ein Studium zum Gartenarchitekt soll seine beruflichen Ziele perfekt machen.

Kein geradliniger Lebenslauf

Doch den ersehnten Studienplatz bekommt Eginhard Voigt nicht, seine Beziehung geht in die Brüche. Der junge Geselle ist irritiert, steckt in einer kleinen Lebenskrise. Seine damalige Gemeinde in Ronsdorf gibt ihm in dieser Zeit den Halt, nachdem er händeringend sucht. Mehrere Gemeindemitglieder sprechen ihn auf ein anderes Berufsziel an. „Willst du nicht etwas anderes machen, denk doch mal in die Richtung Pastor zu werden“, sagt Voigt im Gespräch mit unserer Zeitung. Der junge Erwachsene legt wortwörtlich alle Schalter um, wechselt zur Theologischen Hochschule ins hessische Ewersbach. Fünf Jahre folgen in der theologischen Kaderschmiede. In den 90er Jahren tritt er dann sein neues christliche Berufsleben an, wird 18 Jahre aktiv im Pastorendienst eine neue Gemeinde in Baden-Württemberg aufbauen. Fünf Jahre davon in Donaueschingen, 13 Jahre in Heilbronn. Seine Missionstätigkeit ist geprägt von der Gründung neuer freikirchlicher Gemeinden. „Hier war ich sehr unternehmerisch tätig“, sagt Voigt rückblickend.

Im Jahr 2008 wechselt der erfahrene Pastor dann in die Klutertstadt nach Ennepetal. Es ist eine seit 1897 bestehende Traditionsgemeinde. Voigt stellt hier schnell fest: Das Bestehende ist fest in der Gemeinde verankert. Moderne trifft auf Tradition. Die Ennepetaler Gemeinde hat über die mehr als 100-jährige Geschichte eine gewisse Prägung erhalten. Böse Zungen würden behaupten, dass ein Veränderer auf Verharrer getroffen ist. Voigt beschreibt seine Situation damals als Kapitän eines alten Schiffkahns, der schwer zu steuern war und für jedes Manöver die entsprechende Zeit benötigte. „Er musste sich in Geduld üben, nicht zu schnell modernisieren, alle Gemeindemitglieder mitnehmen“, erklärt Ehefrau Conny Voigt, die ihren Mann als sehr dynamisch, teilweise sogar ungeduldig charakterisiert. Kleine Schritte plante der neue Ennepetaler Pastor im Bereich der Kinder und Jugendarbeit. Führte ein Abenteuerland ein, eine Art Kindesgottesdienst, der schnell Akzeptanz bei den kleinen Gottesdienstbesuchern findet. So ging es mit diversen Maßnahmen weiter.

Seine Pläne waren groß: Er wollte auch die Gemeinde fit machen für den religiösen Markt, den Gottesdienst zeitgemäß gestalten. Die Besucher sollten gerne kommen und auch bleiben. Moderne Musik war nur eine von vielen Ideen. „Das lief auch nicht ohne Konflikte. Veränderungsprozesse sind auch schmerzhaft.“ Zwanzig der insgesamt 190 Mitglieder wechselten die Gemeinde. „Mit Voigt geht jetzt ein sehr guter Teamplayer“, sagt Matthias Rettberg, Mitglied der Gemeindeleitung in Ennepetal.

Bibel erlebbar gemacht

Er habe zudem, das was in der Bibel steht, für die Gemeinde erlebbar gemacht. Auch Björn Söhndel blickt mit Wehmut auf den Wechsel. Pastor Voigt half nämlich privat vielen Gemeindemitgliedern auch im heimischen Garten, nutzte hier seine Kenntnisse durch seine Berufsausbildung als Gärtner, führte dort zusätzlich inspirierende Gespräche. „Er hat einfach mit den vorhandenen Mitteln, die wir hatten eine Gartenmauer gebaut, die ohne Einsatz von Zement bis heute steht“, sagt Söhndel. Mit den vorhandenen Mitteln wird Theologe Voigt wohl sicherlich auch seine Arbeit seiner neuen Gemeinde in Remscheid-Lennep prägend gestalten werden.