Kandidatinnen treten für starke Ortsteile ein

Etliche Menschen kamen zu der Podiumsdiskussion im Freistaat Oberbauer.
Etliche Menschen kamen zu der Podiumsdiskussion im Freistaat Oberbauer.
Foto: WP

Ennepetal..  Nach einer Stunde – so war es gewollt – gingen die Akteurinnen auf dem Podium, die Bürgermeisterkandidatinnen Anita Schöneberg und Imke Heymann, mit den Besuchern zum gemeinsamen Grillen über. Zuvor hatte Moderator Waldemar Guderian die Diskussion als eine schöne Veranstaltung bezeichnet und sagte wohl augenzwinkernd: „Es war eine Welturaufführung“. Denn zum ersten Male fand so eine Veranstaltung zur anstehenden Bürgermeisterwahl in einem Außenbezirk statt. Die Dorfgemeinschaft „Freistaat Oberbauer“ hatte auch hier einen großen Besucherandrang.

Unterschiede bei Thema Einzelhandel

Gleich wer von den Kandidatinnen nach dem 13. September das Bürgermeisteramt ausüben wird, die Stadtteile sollen nicht vernachlässigt werden und Oberbauer mit seiner aktiven Bürgerschaft schon gar nicht, vernahmen die Besucher. Imke Heymann, die bei der Wahl für CDU, Grüne, FDP und Freie Wähler antritt, würdigte den Zusammenhalt der Menschen in Oberbauer und sprach sich generell für eine Stärkung der Ortsteile aus. „Ich möchte mit den Bürgern in den Ortsteilen immer im Gespräch bleiben und mit ihnen gemeinsam Lösungen suchen.“

Die Sozialdemokratin Anita Schöneberg, die nach ihren Worten einen großen Teil ihrer Kindheit und Jugend bei Verwandten in Oberbauer verlebte, nahm die Aussage von Bürgermeister Wiggenhagen auf, dass in der Schule Oberbauer auch bei Belegung durch Flüchtlinge Veranstaltungen durchgeführt werden können. „Dafür trete ich auch ein“, sagte sie. Die Menschen sollten in den Ortsteilen „Heimatglück“ finden können.

In den vom „Freistaat“ vorgelegten Fragen ging es auch um Voerde, „damit es nicht zu den gleichen strukturellen Auswüchsen (Leerstände) wie in Milspe kommt.“ Imke Heymann sieht Chancen für Voerde. Man müsse auch neue Wege gehen. Sie brachte eine Internet-Plattform ins Gespräch, auf der Geschäfte sich präsentieren könnten. Einkaufen per Internet, sich die Waren bringen lassen oder im Geschäft abholen. Der Online-Handel sei als zweites Standbein für den Handel zu betrachten. „Voerde hat ein besonderes Flair“, sagte sie.

Anita Schöneberg sieht das etwas skeptisch. „Voerde ist nicht ganz tot.“ Nach ihrer Beobachtung sei der Montag der Einkaufstag in Voerde. Es gelte zu stärken, was da ist, auch die Gastronomie. „Dabei ist jeder von uns gefordert“, so Anita Schöneberg.

Der „Freistaat“ sorgt sich um die älter gewordenen Menschen, die als Rentner die Steuerlast für ihr mühsam erspartes Häuschen verkaufen müssten. Konkrete Antworten konnten die Kandidatinnen hier nicht geben, wohl anmerken, dass die von der Stadt erhobenen Steuern im Gegensatz zu anderen Städten niedrig seien. Die Gründe, Häuser zu verkaufen, seien vielschichtig.

Bürger hatten schriftlich und anonym dem „Freistaat“ Fragen übermittelt, so auch zur Zukunft von jungen Leuten in Ennepetal. Imke Heymann möchte mit Firmen einen „Ausbildungspakt“ ins Leben rufen. Die Unternehmen sollten auch zeigen, welche Berufe sie in ihren Mauern haben. „Das ist vielfach unbekannt.“ Anita Schöneberg möchte junge Familien stärken und sagte auch: „Wir haben gute Kindergärten, gute Schulen, interessante Unternehmen.“

Ein Thema, das immer wieder hochkommt: „Ennepetaler reden gerne ihre Stadt schlecht.“ Ein unbekannter Fragesteller meinte damit auch unsere Zeitung, die anders als in Nachbarstädten, zu kritisch sei. Für die Stadt werben, in Online und Print, möchte Imke Heymann. Das erfreute Anita Schöneberg, die ja auch Verkehrsvereins-Vorsitzende ist und so mit der Problematik vertraut ist. Eine Gemeinsamkeit.

Persönliche Fragen gestellt

Eine ganz persönliche Frage an die Kandidatinnen nach Sohn beziehungsweise Ehemann im Rat der Stadt wurde auch vorgetragen. So gehört Nico Schöneberg der SPD-Fraktion im Rat an, und der Ehemann von Imke Heymann ist der CDU-Fraktionsvorsitzende Daniel Heymann. Beide Frauen sehen dabei jeweils keine Interessenskonflikte bei Ausübung des Bürgermeisteramtes. Imke Heymann nutzte die Frage und sprach von „ihrer Liebe zum Daniel“. Anita Schöneberg wies daraufhin, dass ihr Sohn von den Bürgern direkt in den Rat der Stadt gewählt worden sei und eigenständig, somit nicht mit in ihrem Haushalt lebe.