Kandidatinnen liefern mehr Konkretes

Die Bürgermeisterkandidatinnen im Gespräch: Imke Heymann (links) und Anita Schöneberg stellten sich im Industriemuseum den Fragen von WDR-Moderator Marc Schulte.
Die Bürgermeisterkandidatinnen im Gespräch: Imke Heymann (links) und Anita Schöneberg stellten sich im Industriemuseum den Fragen von WDR-Moderator Marc Schulte.
Foto: WP

Ennepetal..  Wer hätte das gedacht? Im Industriemuseum mussten im großen Saal noch zusätzliche Stühle herbeigeschleppt werden, so viele Besucher wollten erfahren, was die Bürgermeisterkandidatinnen Anita Schöneberg und Imke Heymann zu bieten haben.

Im zweiten direkten Zusammentreffen der beiden war diesmal mehr zu hören als eine Beschreibung der Vorzüge Ennepetals. Einmal gab es sogar eine höchst politische Zustandsbeschreibung, als der Vorsitzende der FDP-Fraktion, Michael Haas, aus dem Zuhörerraum direkt die Sozialdemokratin Anita Schöneberg fragte, wie sie denn überhaupt ihre Vorstellungen verwirklichen wolle, wenn sie doch im Rat der Stadt keine Mehrheit habe. Haas spielte auf die Kooperation von CDU, Grünen, Freien Wählern und FDP an. Die Antwort Schönebergs: „Ich kann mir nicht vorstellen, lieber Herr Haas, dass Sie sich verweigern, die Stadt nach vorne zu bringen und eine Blockadepolitik betreiben. Wir müssen nach der Wahl – gleich wie sie ausgeht – in wichtigen Dingen zusammenarbeiten zum Wohle der Bürger.“ So appellierte indirekt Anita Schöneberg an alle Parteien, und der Beifall war ihr sicher.

Haus Ennepetal bewegt die Gemüter

Mitbewerberin Imke Heymann (CDU), die auch für Grüne, Freie Wähler und FDP antritt, sieht in der Stadt große Potenziale, stellt als vor drei Jahren Zugezogene ihre „Sicht von außen“ als Vorteil dar und argumentiert: „Ich bin keinem verpflichtet.“ Sie wolle zuhören und bei wichtigen Entscheidungen die Bürger mit ins Boot holen. Eine „große Sache“ sei das Bürgerbegehren gegen die geplante Verlegung der Katholische Grundschule gewesen, was auch Anita Schöneberg bestätigte und zugab: „Ich hatte mit dem großen Erfolg nicht gerechnet.“

Ihre Formulierungen sind fast gleich, wenn beide das ehrenamtliche Engagement vieler Ennepetaler beschreiben. Anita Schöneberg benutzte wieder die Bezeichnung „Heimatglück“. In Sachen Fußgängerzone in Milspe gibt es keine neuen Ideen. Imke Heymann verwies auf den Beschluss des Rates der Stadt, keine Öffnung vorzunehmen. „Dabei soll es auch erstmal bleiben“, sagte sie. Und Anita Schöneberg setzt auf positive Effekte durch die Berlet-Ansiedlung am Haus Ennepetal. Dieses soll übrigens ein richtiges Bürger- und Kulturzentrum werden. „Der bauliche Zustand lässt das zu“, teilte die derzeitige Erste Bürgermeisterstellvertreterin mit. Imke Heymann, deren Partei, die CDU, einen Abriss zu prüfen in die Diskussion brachte, erhielt einige Buhrufe, als sie zum Haus Ennepetal sprach. Wenig später gab es auch Beifall, als sie erläuterte: „Es geht doch nur um das Gebäude, um die Hülle. Man muss doch mal nachdenken können, ob man nicht Neues baut und sogar dann noch mehr anbieten kann.“ Sie werde als Bürgermeisterin Sachen hinterfragen und prüfen, auch neue Ideen.

Ennepestrand und die Finanzen

Moderator Marc Schulte präsentierte auch Fragen und Ideen aus Facebook: Ein Ennepestrand wie in Gevelsberg? Imke Heymann: „Wir sind nun mal eine Stadt mit Fluss.“ Vorstellen kann sich das auch Anita Schönberg, riet aber, immer genau zu prüfen, wofür das Geld der Bürger ausgegeben werden soll. „Wir müssen Prioritäten setzen.“ Peter Schnurbusch, Ehrenvorsitzender der Ennepetaler SPD, der Jahrzehnte im Rat der Stadt wirkte, gab aus dem Publikum heraus einen wichtigen Hinweis an die Akteurinnen: „Schaut mal im Rathaus in die Schubladen. Dort sind viele Pläne zu entdecken.“

Beim Thema Finanzen setzt Imke Heymann auf Gespräche mit der Wirtschaft: „Wir müssen Planungssicherheit bekommen.“ Anita Schöneberg will für städtische Vorhaben auch an die Fördertöpfe kommen und sagte dazu: „Ich war jüngst bei der EU in Brüssel und habe gehört, was möglich ist.“

INFO:

Die zweite Diskussionsrunde mit den beiden Bewerberinnen für das Bürgermeisteramt wurde vom Heimatverein Milspe veranstaltet.

Dessen Vorsitzender Theo Bicking überreichte am Ende der Veranstaltung Blumen an Imke Heymann und Anita Schöneberg und ein Präsent an den Moderator Marc Schulte.

Für einen schönen Einstieg in die Diskussion im Industriemuseum sorgte Hausherr Prof. Dr. Reinhard Döpp, indem er ein Bonmot vom ersten Bundespräsidenten erzählte. Als Theodor Heuss einmal vor der Bundeswehr redete, habe er gesagt: „Nun siegt mal schön.“ Das wollen auch die Kandidatinnen am Wahlsonntag, 13. September 2015.