„Kanalhaie“ in Gevelsberg nutzen Ängste der Hausbesitzer aus

Bis zu einem Durchmesser von 2,60 Meter haben die Abflusskanäle in Gevelsberg, zum Beispiel unter der Rosendahler Straße. Die Stadt warnt vor unseriösen Kanalprüfern.
Bis zu einem Durchmesser von 2,60 Meter haben die Abflusskanäle in Gevelsberg, zum Beispiel unter der Rosendahler Straße. Die Stadt warnt vor unseriösen Kanalprüfern.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
„Kanalhaie“ sind in Gevelsberg aufgetaucht. Die Stadt warnt die Haus- und Grundstückseigentümer vor den unseriösen Kanalprüfern: "Nur keine Angst machen lassen."

Gevelsberg.. In der Gevelsberger Unterwelt sind Haie unterwegs. Gemeint sind die „Kanalhaie“, die Gebäudebesitzern mit überteuerten Prüfungen und überflüssigen Reparaturen das Geld aus der Tasche ziehen. „Nur keine Angst machen lassen. Immer erst in Ruhe Notwendigkeit und Angebote prüfen“, rät Matthias Neumann, sozusagen der „oberste Kanalarbeiter“ bei den Technischen Betrieben der Stadt Gevelsberg.

Keine Häuser in Naturschutzgebieten

Mit der Angst vor Bestrafung als Umweltsünder wollen unseriöse Unternehmen die Hausbesitzer zu unbedachten Aufträgen verleiten. Dabei ist der Grundstückseigentümer gar nicht unter Zugzwang. Gesetzlich überprüft werden müssen nur die Abwasserkanäle von Wohnhäusern in Naturschutzgebieten: „Und die gibt es in Gevelsberg nicht.“ Darüber hinaus besteht nur eine Überprüfungsvorschrift für Gewerbebetriebe, die ihre Abwässer nicht unbehandelt im öffentlichen Kanalnetz entsorgen dürfen, sondern es vorher schon selbst reinigen müssen. „Außerdem“, so Ivo Knezovic, technischer Leiter bei den städtischen Betrieben, „geht es immer nur um die Ableitung von Schmutzwasser, nicht um Niederschlag.“

Kanaluntersuchung Es gebe aber durchaus auch einmal den Anlass, die Abwasserleitungen aus eigenem Antrieb kontrollieren zu lassen. „Wenn das Wasser zum Beispiel nur noch sehr langsam abläuft. Dann können sich zum Beispiel Wurzeln von Bäumen und Sträuchern in die Rohre gebohrt haben“, so Reinhold Lorch, Chef der Technischen Betriebe. Auch die Stadt selbst blickt in ihren Untergrund. „Wenn wir die Hauptkanäle kontrollieren lassen, dann fahren wir auch mit einer Kamera in die Leitungen der Hausanschlüsse. Die sind bis zur Grundstücksgrenze unsere Sache und ab da die des Hausbesitzers“, so Lorch.

Technische Betriebe informieren Eigentümer

Wenn bei den Kontrollen der Kommunen festgestellt wird, dass die Kanäle saniert werden müssen, dann setzen sich die Technischen Betriebe auch mit den Grundstücksbesitzern in Verbindung. „Wenn unser Teil marode ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass auch der weitere Teil bis zum Gebäude saniert werden muss“, erklärt Neumann. Eine gemeinsame Instandsetzung mache Sinn, allein schon aus Kostengründen. Der Hausbesitzer sei aber auf keinen Fall dazu gezwungen. „Er kann auch einfach gar nichts unternehmen“, auch wenn die Folgen dann noch teurer werden könnten.

Dichtheitsprüfung Andersherum gehe es auch. „Wenn ein Hausbesitzer Probleme hat und seinen Kanal kontrollieren lässt, dann kann er sich gern mit den Technischen Betrieben in Verbindung setzen, um gemeinsame Maßnahmen mit uns zu besprechen“, versichert Neumann. Jeder, der kontrollieren lässt, so der Fachmann von den Technischen Betrieben, solle sich auf jeden Fall den Film aushändigen lassen, der von seinen Kanälen gemacht wurde: „Die Aufnahmen kann man auch einem zweiten Sachverständigen vorlegen, der beurteilen wird, ob vielleicht gar nicht saniert werden muss.“

Mitarbeiter der Stadt werden angekündigt

Und auch die Mitarbeiter der Technischen Betriebe freuen sich über eine Kopie der Filme aus der Unterwelt. Sie wird dann der Akte, die für jedes Gebäude in Gevelsberg angelegt wurde, beigelegt, um einen möglichst kompletten Überblick zu erhalten.

Übrigens haben sich die Technischen Betriebe abgewöhnt, öffentlich zu erklären, wann welcher Teil der Kanäle in der Gevelsberger Unterwelt kontrolliert werden. Dann schwimmen nämlich zu viele „Kanalhaie“ im Fahrwasser der Kamerawagen mit. Die klingeln dann unangemeldet, die Mitarbeiter der Stadt werden durch ein Schreiben angekündigt.