Junge Schwelmer auf schiefer Bahn

Schwelm..  Die beiden Schwelmer sind mit 18 und 19 Jahren noch recht jung. Trotzdem können sie auf eine beachtliche kriminelle Karriere zurückblicken. Beide standen mehrfach vor Gericht, haben schon ein Anti-Aggressions-Training hinter sich. Doch saßen sie nun erneut auf der Anklagebank des Schwelmer Jugendschöffengerichts. Der Hauptvorwurf: gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung. Das war allerdings nicht die einzige Anzeige.

In der Nacht zum 9. August sollten die Beiden in der Schwelmer Altstadt einen 21-jährigen Gevelsberger aus nichtigem Grunde zunächst mit Fäusten zu Boden geschlagen und ihm dann Tritte ins Gesicht versetzt haben. Das Opfer kam ins Krankenhaus mit Joch- und Nasenbeinbruch sowie Orbitalbodenfraktur. Der Geschädigte, der zwischenzeitlich ohnmächtig wurde, konnte sich nicht an die Täter erinnern. Wohl aber eine 49-jährige Zeugin, die die Vorwürfe vor Gericht bestätigte. Der 18-jährige dazu: „Notwehr. Der kam aggressiv mit einem Bierkrug auf mich zu.“ Der 19-Jährige: „Ich hab gar nichts gemacht.“ Die Richter sahen deren Aussagen am Ende als Schutzbehauptungen an.

Nicht zu beweisen war eine zweite Anklage gegen ihn: Drogenhandel! Die Polizei durchsuchte nach sachdienlichen Hinweisen sein Zimmer im Elternhaus. Es wurden neun in einem Pokal versteckte Tabletten gefunden. Möglicherweise Amphetamine, ergab ein „Drogenvortest“. Allerdings wurde bedauerlicherweise versäumt, ein LKA-Gutachten einzuholen. Also kein Beweis. Auch gegen den 18-Jährigen indes wurde die nächste Anklage verlesen. Wieder ging es um gefährliche Körperverletzung, diesmal sogar mit Verstoß gegen das Waffengesetz.

Opfer behält Narbe über dem Auge

Während des Schwelmer Heimatfestes sollte er am vergangenen 5. September einen früheren „Freund“ mit einem verbotenen Schlagring niedergestreckt haben, weil jener ihn als „Hurensohn“ bezeichnet habe. Der 17-Jährige musste ins Krankenhaus und hat heute eine vier Zentimeter lange Narbe über dem rechten Auge zurückbehalten. Das bestritt der Angeklagte: „Ein Faustschlag war es, ich hab doch keinen Totschläger in der Tasche.“

Die einzigen Vorwürfe, die tatsächlich ohne Einschränkungen eingeräumt wurden, betrafen ebenfalls den 18-Jährigen. Dreifacher Einbruch. Gemeinsam mit von im nicht genannten Mittätern drang er in die Pestalozzi-Schule ein und klaute im Lehrerzimmer eine Sporttasche. Einige Tage später kam der Versuch, in die Hauptschule Friedenshöhe einzubrechen. Die Alarmanlage schrillte, die Täter suchten das Weite. Ebenso Fall drei: Der Alarm in der Kindertagesstätte an der Märkischen Straße hinderten die Einbrecher Beute zu machen.

„Schädliche Neigungen“ seien offensichtlich urteilte das Jugendschöffengericht. Die Richter verurteilten den 19-Jährigen letztlich zu sechs Monaten Jugendstrafe auf Bewährung, drei Wochen Dauerarrest und 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Der 18-Jährige erntete ein Jahr auf Bewährung und 100 Sozialstunden.