Jeder sollte seinen Teil beitragen

Philippe Marie, Eigentümer vom Juwelierladen Haarhaus, erklärt sich solidarisch.
Philippe Marie, Eigentümer vom Juwelierladen Haarhaus, erklärt sich solidarisch.
Foto: WP

Gevelsberg..  „Die Politik kann einen brüderlichen Umgang der Menschen miteinander nicht per Gesetz verordnen“, sagt Philippe Marie und betont, wie wichtig es deshalb ist, selbst seinen Teil dazu beizutragen. „In seinem Umfeld, quasi vor seiner eigenen Tür.“ Im Fall des Gevelsbergers an der Eingangstür zu seinem Juwelierladen Haarhaus an der Mittelstraße. „Je suis Charlie“ steht dort geschrieben. Nicht nur weil er Franzose ist, sondern weil er ein Zeichen setzen will: Für Menschlichkeit, gegen Fremdenhass.

Er ist selbst Ausländer, wie er sagt, ein Franzose in Deutschland, der aber länger in diesem Land lebe, als er es je in seiner Heimat getan habe. Er studierte hier, arbeitet seit 1999 in dieser Stadt und hat bei seiner Arbeit viel mit Menschen aller Nationen zu tun.

Sein Nachbar ist Marokkaner. Das spielt eigentlich keine Rolle, aber irgendwie dann doch. Denn er war der erste, der zu ihm kam, ihm im Laden sein Mitgefühl und Bedauern aussprach. Der einzige Lichtblick an diesem Tag. Bis zu diesem Moment hatte Philippe Marie noch gar nicht mitbekommen, was in Paris geschehen ist. Dass Maskierte in die Räume der Satirezeitschrift Charlie Hebdo eingedrungen sind, Menschen töteten, mit einer Brutalität vorgingen, die ihn noch immer erschüttert. Für ihn sei es so gewesen, als ob ein Familienmitglied in diesem Moment gestorben sei. Noch immer denke er viel daran, und auch deshalb hat er eine Solidaritätsbekundung dort platziert, wo sie jeder sehen kann.

Seit der Jugend hätten ihn die Namen der Ermordeten begleitet. „Sie seien so präsent gewesen. In vielen Zeitschriften und Zeitungen waren ihre Karikaturen zu sehen.“ In jedem Franzosen stecke ein Rebell, sagt Philippe Marie, Karikaturen spielten deshalb schon immer eine große Rolle in den Medien.

Schockwelle in die Welt

Die große Frage sei jetzt, wie man mit den Geschehnissen umgehe. Frankreich habe viele Probleme, die Gesellschaft sei sehr gespalten. „Doch in schlimmen Zeiten halten die Menschen zusammen.“ Und das Positive sei, dass die Stimmung in Frankreich kippe. Mehr noch: Das rechte Lager habe sich in den vergangenen Tagen durch sein Verhalten ins Abseits geschossen. Es seien viele Franzosen seit der grausamen Tat auf die Straße gegangen und verteidigen die Grundwerte. Darüber freut sich Philippe Marie, denn in Frankreich sei es anders als hier. „In Deutschland wird Demokratie gelebt“, mit Fremdenhass habe man hier nicht viel zu tun.

Für Grundwerte kämpfen

Oft habe man ihn bisher aber noch nicht auf das Plakat an seiner Tür angesprochen. Das sei schade, er hätte sich mehr Gespräche gewünscht. Das soll jetzt kein Vorwurf sein. „Das Plakat soll die Menschen einfach nur anregen, über das Geschehene nachzudenken“, sagt er, damit es immer in den Köpfen bleibt – als Wegbereiter für noch mehr Toleranz. Der Anschlag habe eine „Schockwelle in die Welt gesetzt“, sagt er. Und die ist auch in Gevelsberg angekommen.