Jeco in Gevelsberg schließt - 160 Arbeitnehmer betroffen

Der Vorstand der Gruppe informierte die Belegschaft über die Jeco-Schließung in Gevelsberg.
Der Vorstand der Gruppe informierte die Belegschaft über die Jeco-Schließung in Gevelsberg.
Foto: WP
Das Unternehmen Jeco Jellinghaus in Gevelsberg wird bis spätestens zum Herbst dieses Jahres dicht gemacht. Eine 125 Jahre lange Industriegeschichte geht damit unrühmlich zu Ende. 160 Arbeitnehmer sind betroffen.

Gevelsberg.. Böse Überraschung für 160 Arbeitnehmer: Das Unternehmen Jeco Jellinghaus in Gevelsberg wird spätestens zum Herbst seine Tore schleißen. Eine 125 Jahre lange Industriegeschichte geht damit unrühmlich zu Ende.

Hiobsbotschaft bei Betriebsversammlung

Der Aufsichtsrat der Mahrindra Forgings Europe AG in Aalen hatte den Beschluss am Donnerstag gefasst. Am Freitagmorgen wurde der Betriebsrat von Burkhard Rausch, Mitglied des Vorstands der Gruppe, unterrichtet. Um 13 Uhr gab es dann eine schnell einberufene Belegschaftsversammlung, in der Rausch den Arbeitnehmern die Nachricht von der Schließung überbrachte.

„Das ist natürlich eine Nachricht, die den Menschen die Füße weghaut. Gewisse Agressionen kann ich durchaus begreifen“, beschreibt der Manager die Stimmung. „Wir können in diesen Standort investieren, was wir wollen, wir haben hier keine Chance“, glaubt Rausch. Durch die Nähe an die Wohnbebauung sei nur ein Betrieb in zwei Schichten möglich: „Bei den hohen Investitionen für Maschinen in einer Schmiede lohnt sich aber nur ein Betrieb rund um die Uhr.“

Wirtschaft Außerdem habe das Unternehmen in dem Wohngebiet keine Möglichkeit, sich auszudehnen. Hinzu komme ein hoher Investitionsbedarf. „Bei zwei der vier Hämmer haben wir enorme technische Probleme“, so das Vorstandsmitglied. Der Ersatz durch moderne Pressen hätte Investitionen zwischen acht bis zehn Millionen Euro bedeutet. Gegengerechnet hätte Jeko seit 2009 Verluste in Höhe von 5,5 Millionen Euro für den Konzern eingefahren.

„Wir glauben, dass wir zwischen 40 und 50 Mitarbeiter aus Gevelsberg an unseren anderen Standorten unterbringen können“, verspricht Rausch. Zu Mahindra Forgings gehören zum Beispiel noch Schöneweiss & Co. in Hagen sowie Falkenroth in Schalksmühle. Auch die Auszubildenden sollen dort zumindest bis zum Abschluss weiterbeschäftigt werden.

Sozialplan und Gründung einer Beschäftigungsgesellschaft

Für den Rest der Belegschaft kündigt Rausch Abfindungen auf Basis eines Sozialplans und die Gründung einer Beschäftigungsgesellschaft an, um vor allen Dingen ältere Mitarbeiter zu qualifizieren, damit sie auf dem Arbeitsmarkt eine Chance haben: „Einige sind 20, 25 und 30 Jahre bei uns. Die haben lange keine Bewerbung mehr geschrieben.“

Personalabbau Schritt für Schritt soll ab sofort die Produktion aus Gevelsberg in die anderen Werke der Gruppe verlagert werden. Mit den ersten Kündigungen sei je nach Verlauf dieser Arbeiten - etwa in zwei Monaten - zu rechnen.

„Wir werden diesen Standort nicht kampflos aufgeben. Wir werden alles tun, um ihn zu erhalten“, verspricht Clarissa Bader, Erste Bevollmächtigte der IG Metall in Gevelsberg, die von der Nachricht sichtlich betroffen war. Bader sieht den Betriebsrat und die Belegschaft hinter sich: „Die Stimmung ist natürlich schrecklich - aber auch kämpferisch“, sagt sie