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Imke Heymann

Innenstadt, Haus Ennepetal, Thema Flüchtlinge

30.12.2015 | 21:30 Uhr
Innenstadt, Haus Ennepetal, Thema Flüchtlinge
Imke Heymann (Mitte) bei ihrer Amtseinführung im Stadtrat am 21. Oktober mit ihren beiden Stellvertretern Anita Schöneberg und Manfred Drabent.Foto: Hartmut Breyer

Ennepetal. Auf Ennepetal warten im kommenden Jahr einige Herausforderungen. Im zweiten Teil unseres Gesprächs gibt Bürgermeisterin Imke Heymann einen Ausblick auf wichtige Vorhaben. Außerdem berichtet sie von ihren ersten Erfahrungen als Repräsentantin der Stadt.

Auf dem Gebiet der Politik erzielte Imke Heymann bereits einen ersten Erfolg: Der Haushalt wurde einstimmig verabschiedet. Sie werte das als Vertrauensvorschuss, es sei für sie aber auch die Frage damit verbunden gewesen, ob die Politik hinter der Verwaltung stehe, wenn die gute Arbeit leiste, erklärt sie. Insofern fiel die Antwort positiv aus. Dass der Rat am Ende geschlossen dem Entwurf zustimmte, schreibe sie sich aber nicht auf die Fahne, auch wenn sie natürlich selbst viele Gespräche geführt habe. Die breite Zustimmung sei insbesondere der Arbeit des Kämmerers und seiner Mitarbeiter zu verdanken. Nicht zuletzt ist der Haushaltsplan für das kommende Jahr durch Sondereffekte in Millionenhöhe ausgeglichen – was natürlich das Konfliktpotenzial minimierte.

Eine besondere Herausforderung habe während der ersten Tage ihrer Amtszeit auch der Umgang mit dem Thema Flüchtlinge bedeutet. Die Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten, der Anspruch, die Menschen möglichst schnell zu integrieren, sei eine große Aufgabe. Sie habe gesehen, wie es in anderen Städten laufe, meint Imke Heymann. „Da sind wir in Ennepetal auf einem richtig guten Weg.“ Sie betont zugleich, dass das ohne das große ehrenamtliche Engagement nicht zu schaffen gewesen wäre. Wenn es nicht „die Verrücktheit manchen Vereins“ gegeben hätte, der immer wieder angetrieben hätte, wäre man in der Stadt und bei der Verwaltung nicht so weit, wie man jetzt ist. „Das ist nicht üblich, dass es beim Umgang mit Flüchtlingen so läuft. Da können wir auch mal kurz inne halten und sagen, dass wir stolz darauf sind.“

Keine Notlösung als Citymanager

Im kommenden Jahr steht Ennepetal vor einigen Herausforderungen. „Das Integrierte Handlungskonzept wird ein großes Thema“, sagt Imke Heymann. In den nächsten Jahren werde das Stadtbild durch die Umsetzung der von der Politik beschlossenen Maßnahmen erheblich verändert. Das sei nicht zuletzt vor dem Hintergrund des großen Engagements für die Flüchtlinge wichtig, um den Bürgern zu zeigen, dass auch etwas für sie getan werde. „Dafür werden 2016 die ersten Steine gesetzt, denn die Bürger müssen sehen, dass sich etwas bewegt“, so die Bürgermeisterin. Dabei gehe es nicht darum, blindlings ein Zeichen zu setzen, „aber wenn Gelder bewilligt werden, dann will ich auch etwas tun.“ In den Haushalt wurde Geld eingestellt, für erste Maßnahmen wurden zudem bereits Fördergelder beantragt.

In diesem Zusammenhang ist auch das Thema Stadtmarketing zu sehen. Im März solle dies intensiv angegangen werden, erklärt Imke Heymann. Der vielfach geäußerten Kritik, dass man den Schwung der Berlet-Eröffnung mit begleitenden Maßnahmen hätte mitnehmen müssen, widerspricht sie nicht. „Auf die Schnelle geht das aber jetzt nicht, die verlorene Zeit kann ich nicht aufholen“, sagt sie. Sie habe schon Gespräche mit Unternehmen und Einzelhändlern geführt. Klar sei, dass es einen Citymanager geben müsse, der „einen gewissen neutralen Blick“ haben sollte. Sie garantiere dabei, dass es keine Notlösung sein werde.

Zudem brauche man jemanden, der länger da bleibe, um etwas zu entwickeln. Klar sei aber auch, dass nicht eine Person allein die Lösung für den gesamten Bereich Tourismus, Stadtmarketing und Veranstaltungsmanagement sein könne. Gefragt sei „der Blick von außen, gepaart mit dem Verstand von innen.“

Ein weiteres großes Thema wird das Haus Ennepetal. „Es ist wichtig, zu wissen, was wir vorhaben.“ Der Planungsprozess müsse begonnen und Fördermittelanträge auf den Weg gebracht werden.“ Das gesamte Projekt werde viel Zeit in Anspruch nehmen, das gehe nicht von heute auf morgen. Nicht zuletzt sei es Geldverschwendung, wenn man jetzt noch größere Reparaturen vornehme und am Ende entscheide, das Haus grundlegend umzugestalten oder etwas ganz Neues zu bauen. „Wir müssen auf jeden Fall versuchen, dass Innenleben, mit Bücherei, mit Mehrgenerationenhaus und Leo-Theater aufrecht zu erhalten, auch wenn wir an der Hülle etwas machen.“

Eine wichtige und zukunftsweisende Entscheidung, die der Rat mit großer Mehrheit getroffen hat, ist in den Augen der Bürgermeisterin der Standortsicherungspakt. Heimische Unternehmer garantieren demnach eine Spende in Millionenhöhe – für 2016 sind es 3,5 Millionen Euro – für Ausgaben im Bereich Jugend, Kultur und Sport. Dafür verzichtet die Stadt im Gegenzug auf eine Erhöhung des Gewerbesteuerhebesatzes. „Ich brauche die Unterstützung der Unternehmen vor Ort“, erklärt Imke Heymann. In dem Maße, wie diese in Ennepetal gegeben werde, sei das nicht üblich. Wichtig sei eine gute, transparente Zusammenarbeit. „Ich kann mich nicht darauf verlassen, dass Unternehmen immer hier bleiben, nur weil sie schon so lange da sind.“ Man müsse also mit Sinn und Verstand investieren, um Ennepetal attraktiv zu halten. Auf der anderen Seite heiße das aber nicht, den Unternehmen alle Wünsche zu erfüllen. „Es muss ein Geben und Nehmen sein.“

Einen weiteren wichtigen Punkt für die kommenden Jahre sieht Imke Heymann in der interkommunalen Zusammenarbeit. Es sei zu fragen, in welcher Stadt es welche Einrichtungen und Angebote gebe, die nicht gut laufen. Dann müsse man gemeinsam überlegen, ob nicht der, bei dem etwas gut funktioniert, das Angebot abdeckt, ein anderer dafür etwas anderes. Auch hier sei ein Geben und Nehmen gefragt. Man müsse dann aber auch einmal sagen: „So, jetzt gewinne ich mal zwei, drei Jahre keine Freunde“, wenn es um die Durchsetzung unpopulärer Maßnahmen gehe.

Spaß an Begegnungen mit Menschen

Jenseits der Verwaltungsleitung und der politischen Arbeit gehört zum Bürgermeisteramt zu einem Gutteil auch das Repräsentieren. „Es ist schwierig, die Flut an Terminen zu handhaben“, meint Imke Heymann. Es falle ihr aber leicht, auf die Menschen zuzugehen. „Und ich habe wirklich Spaß daran, beim Kaninchenzuchtverein zu sein und die Chance zu nutzen, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.“ Es sei ja eine Form der Wertschätzung, so viele Vereine und Verbände wie möglich zu besuchen. Und wenn sie einmal einen zugesagten Besuch aus wichtigem Grund habe absagen müssen, schreibe sie einen Brief. Angesichts der vielen Termine könne sie es natürlich nicht allen recht machen, mit Anita Schöneberg und Manfred Drabent habe sie aber zwei engagierte Stellvertreter, die ihre Aufgabe sehr gut ausfüllten.

Die belgische Partnerstadt Vilvoorde kennt Imke Heymann noch nicht, für das Frühjahr ist aber schon der für das Stadtoberhaupt obligatorische Besuch der dortigen Landwirtschaftsausstellung fest eingeplant.

Hartmut Breyer

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