Ennepetal

Industriemuseum startet wieder neu durch

Formensprache deutscher Vergangenheit: Ein auf Hochglanz polierter Borgward neben Nierentisch mit transportablem Plattenspieler im Industriemuseum Ennepetal.
Formensprache deutscher Vergangenheit: Ein auf Hochglanz polierter Borgward neben Nierentisch mit transportablem Plattenspieler im Industriemuseum Ennepetal.
Foto: WP

Ennepetal. . Das war doch sonnenklar: Wenn die engagierten Menschen vom Industriemuseum rufen, verschwinden die Regenwolken. Klaus Pohl aus Gevelsberg, der eigentlich zum Skifahren mit seinem Trabbi nach Winterberg wollte, meinte grinsend: „So ein Glück. Ich habe die Abfahrt verpasst und bin im Industriemuseum gelandet.“

Ein volles Programm erwartete die Besucher am Tag der offenen Tür des Industriemuseums am Ostersonntag zur Eröffnung der neuen Saison. Mehr geht nicht: Ausstellung zugunsten des Tierschutzes, Oldtimer, Dampfmaschinenmodelle, historische Maschinen, Carrerabahn der „Museumsschleife“, Metall- und Holzprodukte der Gebal, Formen mit Kindern und Magenfüller vor und im Schieferhaus, wofür die Frauen des Förderkreises Industriekultur mit 25 Torten sowie 300 Grillwürstchen und die Landbäckerei Kritzler mit ofenfrischen Broten gesorgt hatten.

Mehr als 1000 Besucher

Kalli Bernhard blühte nach der Winterpause so richtig auf. „Der ist wieder in seinem Element“, schmunzelten noch netter als die präsentierten Osterhasen dessen Museums-Kollegen. „Heute ist wieder Industriemuseumswetter“, freuten sich die Mitorganisatoren Manfred Henning und Horst Berens über den strahlend blauen Himmel.

Es wird also neu durchgestartet. Mehr als tausend Besucher waren zum Industriemuseum an der Neustraße gekommen.

Ein besonderes Ereignis war die Ausstellung der Galerie Villa Hühn aus Gevelsberg in der alten Fabrikhalle, die die Erste Bürgermeisterstellvertreterin Anita Schöneberg eröffnete. Zur Ausstellung „Artemiss und ihre Freunde“, die der Tierschutzorganisation Animals’ Angels zugute kommt, hatte der Chef des Industriemuseums, Prof. Dr. Reinhard Döpp, die Besucher begrüßt, wozu auch die Bürgermeisterkandidatin Imke Heymann und Ehemann Daniel zählten. Allerdings hätten sich ruhig ein paar mehr Interessierte zur offiziellen Eröffnung sehen lassen können.

Galeristin Jutta Hühn betonte in ihren Begrüßungsworten, dass Tierschutz schon immer ein Anliegen ihrer Galerie gewesen sei. „So lag es nahe, die Idee meiner Freundin, der Künstlerin Artemiss, die anonym bleiben möchte, aufzugreifen, eine Ausstellung zu bestreiten, deren Erlös den Tieren zugute kommen soll.“ Mit einer Spende von mehr als 25 Bildern hatte Artemiss selbst den Anfang gemacht. Gleichgesinnte Künstler hatten sich angeschlossen. Jutta Hühn dankte allen Spendern, aber auch Anita Schöneberg, die sich bereit erklärt hatte, die Ausstellung einzuleiten. Sie dankte im Namen der Stadt den Künstlern für die Mitwirkung an diesem Projekt, sagte auch Jutta Hühn danke, die dieses initiiert hatte. Schöneberg sprach über den Tierschutz, über die Organisation Animals’ Angels, erinnerte an das Motto des Welttierschutztags 2005, „Mein Weg in den Tod ist die Hölle“, der damit zu Protesten gegen diese unsägliche Qual aufrief.

„Oberstes Anliegen der Animals’ Angels-Mitarbeiter ist es, die Würde der Tiere zu wahren. Diese können nicht selbst die Stimme erheben, dazu brauchen sie uns, dazu brauchen sie Organisationen wie Animals’ Angels.“ Daher, so Anita Schöneberg, sei sie begeistert, dass sich die Gevelsberger Galeristin Jutta Hühn gemeinsam mit der Künstlerin Artemiss und ihren Freunden für Animals’ Angels engagiert, die mit der Spende der Bilder den Grundstein zur Ausstellung gelegt haben.

So ist eine Sammlung von Bildern zusammen gekommen, die die Vielfalt gegenwärtigen Kunstschaffens aufgreifen, beispielsweise abstrakte Blumen und Landschaften in expressionistischen Farben oder minimalistische Kompositionen mit reduzierter Farbgebung. Es sind Bilder, deren Schaffensprozess keinem vorgefertigten Plan folgt. Alle Bilder konnten direkt vor Ort erworben werden. Das Werk „Florales Erwachen“ begeisterte Besucher Hans-Gerd Bangert, Anita Schöneberg selbst zeigte sich fasziniert vom Werk mit dem Titel „Tiefseewärts“. Und Gartenfreunde verweilten vor dem „Grünen Apfel“ und hatten wohl die Apfelernte im Oktober im Sinn. Prof. Dr. Döpp informierte, dass die Ausstellung im Mai, zum nächsten Tag der offenen Tür, wieder geöffnet sein werde.

Auf dem Gelände des Industriemuseums herrschte Hochbetrieb. Mehr als 190 Oldtimer waren gekommen, dazu etwa 80 Motorräder. Diesmal waren Oldtimer „quer Beet“ zu bewundern wie Borgward, Rolls Royce, VW Käfer, Jaguar und die niedliche BMW Isetta, leuchtend blau wie ein Osterei. Übrigens wurden mehr als 100 Ostereier an Groß und Klein verschenkt. Doppelte Freude: Auch der Teckel fährt seit Sonntag wieder.

Die Gebal hatte Hübsches für Ostern und darüber hinaus präsentiert wie Osterhasen und Steinvögel. Diese Kunstprodukte konnten auch als Bestellung in Auftrag gegeben werden.

Die Mitarbeiter des Förderkreises Industriekultur informierten über Gießerei und Formerei. In der Winterpause sei an der neuen Transmissionswelle eine Drehbank angeschlossen worden, woran nun gearbeitet werden könne, so Horst Berens.

Die Mitorganisatoren des Tags, Kalli Bernhard, Manfred Henning, Horst Berens, Walter Hahn und Gerhard Preuß, die zum „harten Kern“ gehören, freuten sich über die gut besuchte erste Veranstaltung im neuen Jahr.