Im Tanzlokal „funkte“ es

Schwelm..  Dieses Fest zu feiern ist nicht vielen Menschen vergönnt: Karlheinz und Helga Ehlich aus der Holthausstraße 22 traten vor genau 65 Jahren in der Notkirche im alten Gemeindehaus Südstraße vor den Traualtar und gaben sich dort das Ja-Wort. Die Christuskirche war nach dem Zweiten Weltkrieg noch nicht wieder aufgebaut. Gestern konnte das Jubelpaar im Kreise der Familie, Freunde und Nachbarn das seltene Fest der Eisernen Hochzeit miteinander feiern. Dazu gab’s auch die besten Grüße von Rat und Verwaltung – überbracht von der stellvertretenden Bürgermeisterin der Stadt Schwelm, Dr. Frauke Hortolani.

Aus Angst ein Jahr älter gemacht

Jugendzentren und Discos gab es damals noch nicht. Freund oder Freundin und in diesem Fall auch die Frau bzw. den Mann fürs Leben traf man damals eben in einem Tanzlokal. Bei Karlheinz und Helga war es das Tanzlokal Flockenhaus in der Heide, dort, wo heute das Flugzeug „parkt“. „Ich war 16, er 21 Jahre alt. Ich habe aber gesagt, dass ich 17 bin, denn ich hatte Angst, sonst nimmt er mich nicht“, erinnert sich die Jubelhochzeiterin mit einem Schmunzeln. Die zweite Bewährungsprobe folgte rund zwei Wochen später – auf der Heimatfestkirmes. Die Fahrt mit dem Kettelkarussell hat sie bis heute nicht vergessen. „Ich wollte angeben und habe gesagt, dass mir die Karussellfahrt nichts ausmacht“, so Helga Ehlich. Die Wahrheit sah allerdings ganz anders aus. „Bis heute war ich nie wieder auf einem Karussell“, lacht die 84-Jährige, die in Schee (heute Sprockhövel) geboren wurde, heute noch über ihre Albernheiten.

Karlheinz Ehlich ist ein waschechter Schwelmer Junge. Den Beruf des Werkzeugmachers erlernte er beim Schwelmer Eisenwerk, zuletzt als Mitarbeiter in der Entwicklungsabteilung für Zapfsäulen. Zwischendurch wurde er dem Eisenwerk einmal untreu, arbeitete bei der Bundesbahn in Vohwinkel im Stellwerkbereich.

Das Eiserne Hochzeitspaar ist nicht nur sich treu, sondern auch seit 65 Jahren seinem Vermieter – der Schwelmer Wohnungsgenossenschaft. Zunächst wohnten sie in einer Wohnung an der Tobienstraße, bis der Genossenschaftsbau an der Holthausstraße fertiggestellt worden war und sie als Erstmieter 1965 einziehen konnten. Das Ehepaar bewies auch als Kleingärtner Langzeitqualitäten, bewirtschaftete 51 Jahre lang eine Parzelle in der Anlage des Vereins der Kleingärtner an der Graslake. Karlheinz Ehlich war in jüngeren Jahren aktiver Schwimmer beim Schwelmer Schwimmverein.

Zum Ehejubiläum gratulieren Sohn Reiner, Tochter Margrit, die Enkel Tina, Tobi, Lias und Anna und die beiden Urenkel Zia und Jonathan. Besonders freuen sich Karlheinz und Helga Ehlich aber auf weiteren Familienzuwachs. Das dritte Urenkelkind hat sich für Juni angesagt.