Im Notfall muss der Notarzt laufen

Alfred Wagner wünscht sich in der Gartenanlage Graslake offene Tore für den Rettungsdienst, seitdem er dort einen Herzinfarkt erlitten hat.
Alfred Wagner wünscht sich in der Gartenanlage Graslake offene Tore für den Rettungsdienst, seitdem er dort einen Herzinfarkt erlitten hat.
Foto: Bernd Richter
Was wir bereits wissen
  • Der Hobby-Gärtner Alfred Wagner hat in seinem Garten einen Herzinfarkt erlitten
  • Dank eines eigenen Schlüssels konnten Notarzt und Rettungsdienst bis vor die Parzelle fahren
  • Jetzt bemüht sich der 77-Jährige um eine Lösung für die bisher verschlossenen Zufahrten

Schwelm..  Alfred Wagner hat den Tod ins Auge geschaut. Der 77-Jährige hat in der Gartenanlage Graslake einen Herzinfarkt erlitten. Die Einsatzkräfte mussten ihn dreimal Wiederbeleben. Einmal in der Gartenanlage. Dann noch zwei weitere Male im Krankenhaus. Alfred Wagner hatte Glück. Er hat überlebt. Jetzt ist er ein Aspirant auf einen Herzschrittmacher.

Doch man sollte das Glück kein zweites Mal herausfordern, meint der Hobby-Gärtner und will deshalb eine Lösung für die vorhandenen Zufahrten zur Gartenanlage. Denn die Tore an der Blücherstraße und der Graslake sind mit einem Vorhängeschloss gesichert, so dass auch der Rettungswagen nicht direkt auf das Gelände und zu Notfallpatienten fahren kann.

Abgeschlossene Zufahrten

Seit seinem Herzinfarkt am 5. Juni weiß Alfred Wagner, wie nötig das schnelle Eintreffen eines Notarztes ist. Jede Minute zählt. Wäre der Rettungsdienst in seinem Fall nicht so schnell vor Ort gewesen, hätte er diesen Tag im Sommer nicht überlebt. Deshalb kann er auch nicht so einfach wieder zur Tagesordnung übergehen. Er hat das Privileg, dass er einen Schlüssel für das Zugangstor zur Schrebergartenanlage besitzt. Seine Frau Christel konnte damals einem Gartenfreund den Schlüssel in die Hand drücken, der Rettungswagen somit zur Parzelle vorfahren.

Genau um diese abgeschlossenen Zufahrten zur Gartenanlage geht es Alfred Wagner jetzt. „So ein Notfall kann immer wieder passieren. Deshalb muss eine Regel gefunden werden, damit der Notarzt mit seinem Fahrzeug in die Anlage fahren kann“, bringt es der Schwelmer auf den Punkt. Das müsste auch im Interesse der übrigen Kleingärtner sein, sagt er.

Doch mit seinem Anliegen ist der Senior beim Vorstand der Gartenfreunde nicht gerade auf offene Ohren gestoßen. Das sind doch nur 100 Meter, die kann der Notarzt auch laufen, habe er als Antwort erhalten. Dabei liegt für Alfred Wagner die Lösung auf der Hand: Ein abgeschlossenes Kästchen mit einer Glasscheibe an den Toren angebracht, hinter der ein Schlüssel aufgehängt wird. Im Notfall könnte dann einfach die Scheibe eingeschlagen werden.

Roland Bald, Vorsitzender des Vereins der Gartenfreunde, sieht keinen akuten Handlungsbedarf. Er kenne keine Schrebergartenanlage, in die man mit dem Auto reinfahren könne. Auf den Fall angesprochen, sagt Bald: „Das ist bei uns im Verein im Moment kein Thema. Wenn eine offizielle Anfrage an uns herangetragen wird, wird sich der Vorstand mit dem Vorgang beschäftigen." Zwar zeigt der Vorsitzende durchaus Verständnis für Alfred Wagner – man könne ja morgen schon selbst betroffen sein – aber, „wenn man alle Eventualitäten abdecken möchte, müssten wir auch einen Laien-Defibrillator anschaffen“.

Roland Bald begründet die abgeschlossenen Zufahrten mit der „enormen Zunahme des Fahrzeug-Tourismus“ durch die Mitglieder. Die Lösung durch den Schlüssel hinter Glas, ähnlich wie beim Feuermelder, birgt in seinen Augen zu viele Risiken. „Die Gefahr ist groß, dass jemand sich so einen Schlüssel aneignet. Die Schlösser sind eingetragen, Schlüssel können nur mit Genehmigung nachgemacht werden. Ein Austausch wäre teuer“, so Roland Bald.

Für Matthias Jansen, Chef der Feuerwehr Schwelm, die auch in Sachen Rettungsdienst unterwegs ist, sind abgesperrte Zufahrten nicht das vordringlichste Problem bei einem Einsatz. „Das Auto ist zwar wichtig, aber noch wichtiger ist vor allen Dingen, das Equipment zur Erstversorgung an den Patienten zu bringen. Dafür haben wir einen Rücksack. Bei verschlossenem Tor muss halt gelaufen werden.“ Und weiter: „Schlüssel für die Gartenanlagen haben wir nicht, lehnen wir auch ab“, sagt Jansen. Die Schlüssellösung sei nicht praktikabel: „Auf welchem Auto sollen wir den Schlüssel denn platzieren? Und wenn der Notarzt aus Wuppertal kommt?“