Im Filmriss startet das Digitalzeitalter

Klaus Fiukowski (rechts) zeigt Hubertus Kramer und Bürgermeister Claus Jacobi die neue Technik im Filmriss in Gevelsberg.
Klaus Fiukowski (rechts) zeigt Hubertus Kramer und Bürgermeister Claus Jacobi die neue Technik im Filmriss in Gevelsberg.
Foto: WP

Gevelsberg..  Im Filmriss-Kino startet morgen, punkt 19.30 Uhr, das digitale Zeitalter. „Mr. Turner - Meister des Lichts“ hätte nicht in Gevelsberg gezeigt werden können, wenn nicht stolze 55 000 Euro in die Technik des Lichtspielhauses investiert worden wäre.

„Im Jahr 2011 haben wir schon Schwierigkeiten bekommen, Filme im 35-Millimeter-Format für die Projektoren zu bekommen. Ein Jahr später war das ganz vorbei“, sagt Klaus Fiukowski, Besitzer des vielfach ausgezeichneten Programmkinos. Dann habe man sich mit DVDs und Blue-Rays beholfen. „Das war die klassische Beamer-Technik“, erklärt Filmriss-Mitarbeiter Basir Najimi. Einen Preis für herausragende Bild- und Tonqualität gab es dafür nicht. Und: Oft musste gewartet werden, dass die Filme als Silberlinge in den Handel kommen, bevor sie in Gevelsberg gezeigt werden können.

Heute, so Najimi, werden die Kinofilme auf einer Art Festplatte angeliefert, eingelesen und mit einem Code für eine vereinbarte Zeit freigeschaltet. Die Qualität der Projektion ist mit der eines Beamers gar nicht zu vergleichen. Aber, die moderne Technik kostet Geld. Geld, das das Filmriss-Kino nicht einspielen konnte. SPD-Landtagsabgeordneter Hubertus Kramer machte dann aber auf ein europäisches Programm zur Umrüstung von Kinos aufmerksam, dessen Gelder in Düsseldorf verteilt wurden. Der Nachteil: Zuschüsse gab es nur, wenn die Kommune, also die Stadt, 50 Prozent des Anschaffungspreises übernehmen würde.

Woher nehmen bei leeren Kassen? Bürgermeister Claus Jacobi wollte eigentlich Sponsoren gewinnen. Das hätte aber einen Nachteil: „Die Spenden würden auf den Anteil des Landes angerechnet und nicht den Zuschuss der Stadt verringern.“ Allerdings gab es im Haushalt einen Posten von 25 000 Euro für das Filmriss-Kino. Mit 20 000 Euro sollte die Veranstaltungen zur „Woche der Zivilcourage“ im Filmriss unterstützt werden. „Wir haben uns dann aber entschlossen das Geld für die Investition für die Technik zu nehmen“, meint Jacobi.

Kinoangebot gefragt

Für eine Stadt in der Größenordnung wie Gevelsberg sei es nicht selbstverständlich ein eigenes Kino zu haben: „Schwelm ist da eine Ausnahme.“ 1990 hatte das Central-Theater in der Mittelstraße, das auch schon durch ein kommunales Programm unterstützt wurde, endgültig dich gemacht. Bis zum 1. Dezember 2003 dauerte es, dass im Filmriss - dem ehemaligen Saalbau Buschmann - der erste Film wieder über die Leinwand flimmerte.

Mit dem Flimmern ist es jetzt wegen der digitalen Technik vorbei. Jacobi glaubt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Die Stadt investiert 22 000 Euro, das Land weitere 30 Prozent der Investitionskosten und das Filmriss-Kino selbst die restlichen 20 Prozent. Fiukowski selbst hatte schon laut überlegt, den Betrieb zu schließen.

Nun sei aber die Zukunft der Einrichtung gesichert, die laut Wahlprogramm der Sozialdemokraten zu einem Quartiersmanagement vergleichbar dem Bürgerzentrum Alte Johanneskirche ausgebaut werden soll, so Kramer. Und der Bürgermeister fügt hinzu: „Wir wollen das haushaltsneutral schaffen. Aber eins ist klar. Wenn uns das gelingt, wird das Filmriss das mediale Schwerpunktzentrum für Gevelsberg bleiben.“ Und als solches unterstütze es schon heute Schulen, Vereine, Kirchen und andere Organisationen, wenn zum Beispiel Anliegen von Amnesty International oder Naturschützern mit Filmvorführungen unterstützt würden.

Die zwischen 6000 bis 7000 Besucher, die jährlich ins Filmriss kommen, wird die Nachricht freuen. Und die „Woche der Zivilcourage“ soll auch bleiben. „Wir hoffen, dass die Organisationen, die sich gegen Rechts engagieren, mit kreativen Ideen reagieren und der eine oder andere Unternehmer, der die Umrüstung des Filmriss unterstützt hätte, sich jetzt für die Aktion stark macht“, meint Jacobi. In der Sportalm hatten sie schon die erste Sammelbüchse zur Rettung des Kinos aufgestellt. „Auch das zeigt, dass die Menschen ein Kino haben wollen“, so Hubertus Kramer.