Ihr mutiger Widerstand gegen den Krebs

Emma, Frauke, Michael und Lennart Hahne genießen ihr gemeinsames Familienleben. Die Kinder, sagt Frauke Hahne, seien ihre Motoren gegen die Krankheit.
Emma, Frauke, Michael und Lennart Hahne genießen ihr gemeinsames Familienleben. Die Kinder, sagt Frauke Hahne, seien ihre Motoren gegen die Krankheit.
Foto: WP
„Haaallooo…“ – Lennart (2) hat sich in luftiger Höhe einen Standort in der Gartenlaube erklettert. Seine kleine Schwester Emma möchte am liebsten in den Pool.

Schwelm.. Die Sonne wärmt Salat- und Tomatenpflanzen, die der Opa neben Kartoffeln, Möhren und Rote Beete pflegt. „Sei vorsichtig“, lacht Frauke, Lennarts Mutter. Eine wahre Sommeridylle bei den Hahnes an der Hattinger Straße.

Diagnose vor einem halben Jahr

„Die Familie mit den beiden Kindern ist ein toller Motor, der mir Kraft und Energie gibt“, freut sich Frauke Hahne (32). Und die hat sie dringend nötig. Nach der zweiten Staffel ihrer Chemotherapie durfte sie jetzt eine Pause einlegen, aber sie fühlt sich müde. Sie braucht Kraft. Physisch hat sie der Krebs an ihre Grenzen gebracht. Jetzt, ein halbes Jahr nach der niederschmetternden Diagnose, zeichnet sich ein erster Zwischenerfolg in ihrer ganz persönlichen Auseinandersetzung mit dem Krebs ab. „Ich bin auf dem richtigen Weg!“

Begonnen hat sie ihren in vieler Hinsicht ungewöhnlichen Weg mit einer öffentlichen Kampfansage: „Ich wollte nicht einfach zusehen, wie mir büschelweise die Haare ausfielen. Ich bin doch keine Pusteblume. Da habe ich die Kontaktadressen von Freunden und Bekannten in eine Gruppe gepackt und dem Meistbietenden via App angeboten, mir die Haare abzuschneiden.“ Die Resonanz war überwältigend.

Denn alle hatten verstanden, dass Frauke ein Zeichen setzen wollte. Im heimischen Garten verlor am ersten schönen Frühlingstag unter dem gerade prächtig blühenden Magnolienbaum ihr Haar. Während die Haare fielen, füllte sich dank der Spendenbereitschaft der anwesenden Freunde eine Spardose. 1200 Euro erhielt jetzt der Henri-Thaler-Verein. Der unterstützt krebskranke Kinder und Heranwachsende mit deren Familien.

Unterstützung für viele, die, wie sie, gegen die Krebserkrankung kämpfen, gab sie zudem ins Netz. Chris Dahm, der Bruder ihrer Hebamme, hatte von der ungewöhnlichen Haarschneideaktion ein berührendes Video gedreht und Frauke um ihre Botschaft gebeten: Nicht aufgeben, nicht verzagen, die Herausforderung annehmen und Widerstand gegen die Erkrankung leisten.

Mit Diagnose nicht allein

„Dass andere Betroffene sehen, ich bin nicht allein mit einer solchen Diagnose, dass sie wieder Mut schöpfen – das war mein Anliegen. Sonst hätte ich diesen Weg an die Öffentlichkeit nicht gesucht,“ Frauke Hahne ist immer noch überrascht von der großen Resonanz und den Zuspruch, die sie erfahren durfte.

Ebenso öffentlich ist ihr Bekenntnis zum Glauben. Intensiv hat sie, die evangelische Christin, die Losungen zum Tage gelesen. „Wenn es einen gnädigen Gott gibt, wie ich es dort gelesen habe, dann hilft er mir auch auf meinem Weg“, so beschreibt sie eine weitere Quelle, aus der sie ganz persönlich Kraft schöpft.

„Hilfe und Unterstützung kommen, wenn man darum bittet. Bislang hatte ich immer gemeint, alles allein schaffen zu können. Es fiel mir schwer, Hilfe einzufordern. Doch genau an diesem Punkt musst du einfach umdenken“, so ihre Erfahrung. „Denn bei aller positiven Lebenseinstellung gibt es Momente, da fühlst du dich wörtlich ganz unten. Wenn du nicht weißt, sind die plötzlichen Beschwerden im Magen-Darm-Trakt eine Auswirkung des Krebses oder hast du dir einen Virus eingefangen. Schließlich ist dein Immunsystem ja stark angegriffen“, sagt sie und lacht. Es war ein Virus.

Jetzt ist Erholung angesagt. Bis auf den haarlosen Kopf zeugen Rötungen an Armen und Beinen von der Chemotherapie. Sie habe jetzt ein wenig Zeit für sich, und wieder lacht sie. Eine Haushaltshilfe, die zwischenzeitlich zu einer Freundin geworden ist, und die künftige Betreuung des Nachwuchses im Kindergarten werden eine merkliche Entlastung im Familienalltag der Hahnes sein.

Jeder Tag ein Geschenk

Dabei hatte sie sich mit ihrem Ehemann Michael genau dieses Familienleben so sehr gewünscht. Doch mit dem späten Kinderglück kam die Erkrankung. Eine Verhärtung in der Brust während der Stillzeit war keine Begleiterscheinung der Milchproduktion, sondern, wie sich dann später herausstellen sollte, ein Karzinom in der Brust, das bereits Metastasenbildung an der Leber verursacht hatte.

Lächelnd, aber mit großer Kraft gegen die Krankheit zu kämpfen und jeden Tag als Geschenk zu verstehen und nicht mit diesem Schicksalsschlag zu hadern, das möchte Frauke Hahne gern als ihre Botschaft an viele andere Betroffenen sehen. Sie hat ihre Zuversicht im Glauben gefunden – täglich wartet sie darauf, dass sie mit ihren „Motoren gegen die Krankheit“ im Garten tollen kann und sie gemeinsam viel Zeit verbringen können. In der Gartenlaube oder am Pool. Schließlich und auch dabei lächelt sie gewinnend: „Wir haben nur dieses eine Leben!“