IG Metall: Arbeitsplatz geht vor Abfindung

Foto: www.blossey.eu

Gevelsberg..  Die Nachricht traf die Stadt wie ein Schock. Nichts, so versichert Clarissa Bader von der IG Metall, habe darauf hingedeutet, dass die Firma Jeco geschlossen werden sollte. Bürgermeister Claus Jacobi wurde von der Hiobsbotschaft durch einen Anruf unserer Zeitung informiert. „Nachdem unser Aufsichtsrat die Entscheidung am Donnerstag getroffen hat, wollten wir so ehrlich sein und sie sofort an die Mitarbeiter weitergeben“, erläutert Burkhard Rausch, Vorstandsmitglied der Mahindra-Gruppe, dem Eigentürmer des Unternehmens, den Ablauf.

Die Entscheidung über das Schicksal der 160 Menschen, die bei Jeco beschäftigt sind, wird aber wohl nicht in Deutschland, sondern in Spanien gefallen sein. Dort sitzt die Gesellschaft, die hinter dem internationalen Firmengeflecht steckt. Und für die ist eine Stadt im Ennepe-Ruhr-Kreis nicht mal ein winziger Punkt auf einer Weltkarte.

Ein schwerer Gegner also für Clarissa Bader und Bürgermeister Claus Jacobi, wenn sie um den Erhalt der Arbeitsplätze kämpfen wollen. „Gut, es gab den Strukturwandel auch in Gevelsberg. In den letzten Jahren sind wir aber von solchen Geschichten verschont worden“, sagt die Gewerkschaftlerin. Mit solchen Geschichten meint sie, dass einer der größten Arbeitgeber von dem einen auf den anderen Tag eine Schließung ankündigt.

„Wir werden nach alternativen Konzepten suchen, wie der Standort erhalten und was hier produziert werden kann“, sagt Bader „Wenn wir untergehen, dann mit fliegenden Fahnen“, zeigt sich auch der Betriebsratsvorsitzende Michael Jaenecke gestern kämpferisch. Schon sein Vater hat bei Jeco die Interessen der Arbeitnehmer vertreten. Das zeigt, wie eng das Unternehmen mit den Menschen, die bei ihm arbeiten, verwurzelt sind.

Gestern machte man sich gegenseitig Mut, trotzdem war die Schockstarre unter den Betroffenen spürbar. Die Nachricht hatte sich wie ein Lauffeuer in der Stadt verbreitet. „Noch stehen sie“, sagt ein Passant in der Feverstraße mit Blick auf die Fabrikationshallen des Fahrzeug-Zulieferers. Und da sollen sie auch stehen bleiben, wenn es nach den Vorstellungen der IG Metall gibt, auch wenn der eine oder andere direkte Anwohner vielleicht froh wäre, wenn er nicht mehr von dem Industrielärm belästigt wird. „Früher waren die Menschen froh, wenn sie nahe am Arbeitsplatz gewohnt haben. Heute hat sich das grundlegend geändert. Wir haben einen Haufen von Beschwerden über die Lärmbelästigung bekommen“, sagt Vorstandsmitglied Rausch.

Erst wenn die Suche nach neuen Produktionsmöglichkeiten zu keinem Ergebnis führe, dann sei die Zeit gekommen, über einen Sozialplan nachzudenken, meint Bader: „Aber, so weit sind wir lange noch nicht.“ Am Wochenende müsse sich die schlechte Nachricht erst einmal setzen, dann könnten in der kommenden Woche mit dem Betriebsrat erste Pläne geschmiedet werden.

Management hat sichere Jobs

Die Führungskräfte bei Jeco brauchen sich übrigens nicht auf die Suche nach neuen Jobs machen. Vorstandsmitglied Burkhard Rausch ist zugleich vierfacher Geschäftsführer von unterschiedlichen Unternehmen der Gruppe. Rolf Wirfler, der das operative Geschäft in Gevelsberg für den Konzern führt, ist auch noch zugleich Geschäftsführer der Falkenroth Umformtechnik GmbH in Schalksmühle. „Wir sind im Unternehmen schlank aufgestellt, um Kosten in einem Wettbewerb zu senken, in dem wir jedes Jahr mit Preisreduzierungen kämpfen müssen“, begründet Rausch das Mehrfachengagement. Trotzdem: Wohl dem, der mehrere Stellen hat. Da spürt man es nicht so, wenn eine wegfällt. Bei der überwiegenden Zahl der Jeco-Mitarbeiter wird das nicht der Fall sein.