Hilfe für Flüchtlinge angelaufen

Vertreter der Großspender, der Stadtverwaltung und der Taubenväter informierten sich in der VHS in Gevelsberg über die neuen Sprach- und Integrationskurse für Flüchtlinge.
Vertreter der Großspender, der Stadtverwaltung und der Taubenväter informierten sich in der VHS in Gevelsberg über die neuen Sprach- und Integrationskurse für Flüchtlinge.
Foto: WP

Gevelsberg..  Es ist auch eine Methode, den Menschen eine für sie fremde Sprache beizubringen: Mit Händen und Füßen, mit dem gesamten Körper. Im Volkshochschul-Kurs von Christoph Borninkhof sitzen 15 Schüler aus zehn unterschiedlichen Nationen. Er spricht ihre Muttersprechen nicht – sie, die Schüler, seine nicht. Sie können sich noch nicht einmal in Englisch oder Französisch verständlich machen. Es sind Flüchtlinge, die hoffen, in Gevelsberg eine neue, aber vor allen Dingen sichere Heimat gefunden zu haben.

Ein hilfreiches Netzwerk

Die Besucher gestern bei der VHS-Zentrale sind zufrieden, vielleicht auch stolz. Und das können sie auch sein. „Bei dem Neujahrsempfang am 18. Januar haben wir erklärt, wir würden diese Sprach- und Integrationskurse für die Flüchtlinge anbieten und über Spenden finanzieren. Und nach nicht einmal einem Monat war es schon soweit“, lobt auch Bürgermeister Claus Jacobi das Netzwerk aus Wirtschaft, Lehre, Politik, Verwaltung und der lokalen Hilfsorganisation „Taubenväter“. Am 17. Februar haben die ersten 30 Flüchtlinge im Alter zwischen 17 und 62 Jahren damit begonnen, wieder bei der Volkshochschule (VHS) Ennepe-Ruhr-Süd die Schulbank zu drücken.

Hoch motiviert

Borninkhof lobt seine Schützlinge. Sie seien hoch motiviert, hätten sich in nur sechs Schultagen einen Wortschatz von hundert Begriffen angeeignet. Bettina Meyer, die den zweiten Kurs leitet, hat es mit Menschen zu tun, die schon etwas weiter sind: „Sie haben sich ein paar deutsche Worte untereinander angeeignet. Auch das Internet spielt dabei eine Rolle. Sie können schon zwischen Du und Sie unterscheiden, sprechen Englisch oder Französisch, weil sie das zum Beispiel durch den Kontakt mit amerikanischen Soldaten gelernt haben.“

VHS-Fachbereichsleiterin Melanie Beinert erklärt: „Zu Beginn der Arbeit haben wir erst einmal alle in Gevelsberg lebenden Flüchtlinge zu uns eingeladen, um zu schauen, wo sie stehen. Wir können schließlich keinen Akademiker mit einem Analphabeten in einen Kurs stecken, das macht keinen Sinn.“

Für Einbürgerungs- und Sprachkurse wie sie jetzt die Stadt Gevelsberg bei der VHS durchführen lässt, stellt die Bundesregierung kein Geld zur Verfügung. „Die meisten Bürger glauben, es setzt sich eine ganze Maschinerie in Gang, wenn ein Flüchtling nach Deutschland kommt. Die Wahrheit ist: Während des Asylverfahrens tut sich nichts, gar nichts. Die Menschen müssen abgammeln und rumhängen. Da ist es kein Wunder, wenn ein Teil von ihnen auf die schiefe Bahn gerät“, schimpft Bürgermeister Jacobi.

Unternehmer wie Axel Vollmann, Klaus Heinz und Stefan Biederbick als Geschäftsführer von Gebauer fordern auch, dass die Flüchtlinge die Möglichkeit erhalten, einen Job annehmen zu dürfen, damit sie einen Sinn darin sehen, zu lernen. Sie haben die Kurse mit ihren Spenden finanziert. „Uns bleibt doch auch nicht anderes übrig“, zuckt Vollmann die Schultern und wünscht sich eine Wende in der deutschen Flüchtlingspolitik. Bis es soweit ist, wird er aber wohl weiter vor Ort handeln.