Hilfe bei Begleitung bis in den Tod

Begrüßten 100 Interessierte im Christian-Ehlhardt-Haus (von links): Frank Sprock,  Maria Degner und Geschäftsführer Rainer Bücher.
Begrüßten 100 Interessierte im Christian-Ehlhardt-Haus (von links): Frank Sprock, Maria Degner und Geschäftsführer Rainer Bücher.
Foto: WP

Schwelm..  Es wird eine besondere Herausforderung und Aufgabe der nächsten Jahre, Erfahrung damit ist aber noch kaum vorhanden. Sterbebegleitung für Menschen mit Behinderungen wird mehr und mehr zu einem Thema. Die Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen macht sich derzeit auf, ihre Palliativ­arbeit mit Wissen und Können zu füllen – und stößt damit auf großes Interesse. Zur Auftaktveranstaltung des zweijährigen Projektes „Palliativ-Care“ am Mittwoch im Christian-Ehlhardt-Haus kamen 100 Neugierige.

Aufgabe rückt immer mehr in Fokus

Neu ist das Thema Sterbebegleitung nicht. Altenheime und Krankenhäuser richten ihre Arbeit immer mehr auch darauf aus. Neu ist das Thema auch bei der Lebenshilfe EN nicht. Schon immer war es der eigene Anspruch, Menschen mit Behinderungen in jeder Lebenslage zu begleiten. Ob bei schweren Krankheiten oder bis in den Tod.

Doch die Begleitung hochbetagter Behinderte über ihre letzten Monate und Tage stand nie so im Fokus wie in Altenheimen und Krankenhäusern. Sei es, weil Menschen mit Behinderungen früher eine geringere Lebenserwartung hatten. Das hat sich durch den medizinischen Fortschritt deutlich verbessert. Oder, weil es in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland kaum betagte Behinderte gab. Dies ist vor allem eine Folge der systematischen Ermordung in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Nachgeborenen-Generation hat erst vor wenigen Jahren das Rentenalter erreicht.

Sterbebegleitung für betagte Behinderte ist absehbar eine Herausforderung, der sich die Betroffenen stellen müssen. Doch die Erfahrungen damit sind spärlich.

Das Christian-Ehlhardt-Haus an der Lessingstraße existiert seit 17 Jahren, die Bewohner sind im Alter zwischen Ende 20 und Ende 50, und „wir hatten erst einmal den Fall, dass einer unserer Bewohner gestorben ist“, berichtet Heimleiter Frank Sprock. Doch er weiß auch: „In 15 Jahren kann das schon ganz anders aussehen“.

„Wir haben uns gefragt, was wissen wir und wir haben uns gefragt, was können wir“, erzählt Frank Sprock. Es brachte die Erkenntnis: Sterbebegleitung für Behinderte ist ein weites Feld, dass noch weitgehend unbeackert ist. „Es geht nicht darum, den menschlichen Umgang zu lernen, das können wir“, erklärte Sprock. Es gehe bei Sterbebegleitung um spezielles Know-how, um Wissen, um Aufklärung. Es gehe um die Mitnahme von Angehörigen, um Fragen der Seelsorge, um die Einbindung von Ärzten und nicht zuletzt auch von Apothekern. Und so kamen am Mittwoch zum Auftakt des „Palliativ-Care“-Projektes neben Pfleger und Heimmitarbeiter denn auch Kirchenvertreter, Schwelmer Mediziner und Apotheker. Die größte Gruppe bildeten aber die Angehörigen. 40 von ihnen waren vertreten. „Das ist nicht ungewöhnlich. Viele Eltern von Behinderten wollen wissen, wie es ihre Kinder in Zukunft antreffen, wenn sie nicht mehr sind“, erklärte Sprock.

Gemeinsam mit Palliativnetzwerk

Vom Schwelmer „Palliativ-Care“-Projekt sollen nicht nur Bewohner, Betreuer und Angehörige des Christian-Ehlhardt-Hauses, sondern in Zukunft auch die des neuen Chatarina-Rehage-Hauses der Lebenshilfe EN profitieren. Dort entstehen 18 stationäre Betreuungsplätze für ältere geistig behinderte Menschen. Die Fertigstellung ist für Herbst 2015 geplant.

Kooperationspartner beim „Palliativ-Care“-Projekt ist das Palliativnetzwerk Essen. Maria Degner vom Netzwerk informierte die Interessierten am Mittwoch über die nächsten Schritte. Geplant sind Befragungen der Beschäftigten, Informationsveranstaltungen speziell für Angehörige, Schulungen und Fortbildungen für Mitarbeiter sowie Handreichungen und Anweisungen, die bei der Sterbebegleitung hilfreich sind. Ins Projekt miteinbezogen werden Schwelmer Ärzte und Apotheker, aber auch ehrenamtliche Hilfen.