Hildegard Melcher gestorben

Hildegard Melcher bei ihrer Ernennung zur Ehrenvorsitzenden
Hildegard Melcher bei ihrer Ernennung zur Ehrenvorsitzenden
Foto: WR

Gevelsberg..  Hildegard Melcher ist tot. „Sie war das Gesicht der Arbeiterwohlfahrt und als ich hier angefangen sicherlich eine der prägenden Gestalten der Organisation am Ort“, sagt Frank Winter, heute Geschäftsführer der AWo im Ennepe-Ruhr-Kreis. Für den Einsatz für Menschen, die sich nicht mehr alleine helfen konnten, wurde Hildegard Melcher unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Hildegard Melcher ist 86 Jahre alt geworden.

„Hör mal, das muss Du machen“, hatte der damalige Bürgermeister Helmut vom Schemm, selbst stark in der Arbeiterwohlfahrt engagiert, zu ihr gesagt. Hildegard Melcher war damals bei der Gevelsberger Stadtverwaltung beschäftigt und der Posten eines AWo-Vorsitzenden am Ort war zu vergeben. Man schrieb das Jahr 1970. Hildegard Melcher war damals schon fünf Jahre Mitglied in der Organisation. „Es gab den Reichtum von heute noch nicht. Besonders Familien mit vielen Kindern waren in materieller Not. Ich war ja auch beim Sozialamt der Stadt beschäftigt. Da habe ich natürlich viele Einblicke in die Familien gehabt.“

Mit der AWo verheiratet

Von 1970 aus führte Hildegard Melcher 30 Jahre lang die heimische Arbeiterwohlfahrt. Später wurde die gebürtige Gevelsbergerin auch noch zur stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisverbandes Ennepe-Ruhr gewählt. Nachdem sie ihre Ämter aus Altersgründen abgegeben hatte, ernannte sie die AWo zu ihrer Ehrenvorsitzenden und schlug sie einstimmig für das Bundesverdienstkreuz vor.

Hildegard Melcher hat immer behauptet, nicht nur mit ihrem Mann, der 1991 nach jahrelanger Krankheit verstorben war, sondern auch mit der Arbeiterwohlfahrt verheiratet zu sein. Was ihr am meisten am Herzen gelegen hat ist ein Problem, dass noch immer nicht befriedigend gelöst wird und gerade in diesen Zeiten wieder brandaktuell ist. Die Integration von Behinderten ins Alltagsleben. Sie sagte einmal: „Am meisten Freude habe ich an dem Integrationskindergarten. Der wurde damals von einigen Mitgliedern sehr skeptisch gesehen: Kann man denn Behinderte und nicht Behinderte einfach zusammenführen? Damals hielt man behinderte Kinder eher zurück. Jedenfalls: Ich fand die Idee damals gut und hoffte darauf, dass das Konzept eines Professors aus München funktioniert.“

Ehrenamtlich arbeitete die örtliche AWo-Vorsitzende als Trägervertreterin in den Kindertageseinrichtungen in der Schultenstraße, in Asbeck, Silschede und in der Körnerstraße. Sie saß aber auch im Kuratorium des Seniorenzentrums in der Kampstraße. Überall dort, wo die drei Buchstaben AWo zu erblicken waren, konnte man auch Hildegard Melcher finden. Sie organisierte Freizeiten für Flüchtlingskinder und half bei der Einrichtung von Wohngemeinschaften von Behinderten – mit einem großen Herzen und einem bestimmenden Wesen, ohne dass sie nicht weitergekommen wäre, um den Menschen helfen zu können. Auf AWo-Bezirksebene war Hildegard Melcher Mitglied im Fachbeirat „Verbandspolitik“ und ehrenamtliche Revisorin. Die Arbeiterwohlfahrt selbst hat ihr für die aufopfernde ehrenamtliche Arbeit die Marie-Juchacz-Plakette verliehen.