„Herr Lintl, das bin ja ich?!?“

Auch das Bild des Handelshofs zeigte Günter Lintl in seinem Vortrag „Gevelsberg in Bildern von 1900 bis heute“.
Auch das Bild des Handelshofs zeigte Günter Lintl in seinem Vortrag „Gevelsberg in Bildern von 1900 bis heute“.
Foto: WP

Gevelsberg..  Streng genommen war die Veranstaltung nur eine Diashow mit den alten Bildern der Fotografenfamilie Lintl. Doch diese Beschreibung wird ihr nicht gerecht, denn es war eine ausgesprochen beliebte Diashow. „Wir mussten über 30 Leute wieder nach Hause schicken, weil sie keine Eintrittskarten hatten“, sagte Klaus Fiukowski vom Filmriss-Kino. Es mussten sogar mehr Stühle in den Saal gehievt werden. Kein einziger Platz blieb unbesetzt.

Und so etwas habe selbst Bürgermeister Claus Jacobi noch nie erlebt, der die zahlreich erschienenen Gäste kurz begrüßte – mit einer erfreulichen Nachricht: Das Filmriss-Kino bleibe erhalten. Klaus Fiukowski stellte bereits einen Antrag auf Fördermittel bei der Bezirksregierung.

„Auch der Rat der Stadt hat einen Beschluss gefasst“, sagte Claus Jacobi. „Gevelsberg wird seinen Obolus dazu tun, damit das Kino mit digitaler, moderner Technik ausgestattet werden kann.“ Denn die Umstellung auf Digitaltechnik ist dringend nötig, damit das Filmriss-Kino fortbestehen kann.

Doch zurück zu den gezeigten Bildern: Günter Lintl, der durch die Veranstaltung führte und einige interessante Anekdoten zu den Bildern, die allesamt von seinem Großvater Anton Lintl, seinem Vater Hans Günter Lintl und von ihm selbst stammen, hatte sich für den Einstieg in seine Vorführung gleich zwei Kleinigkeiten überlegt.

Nach einigen alten Werbe-Dias, die früher vor jeder Filmvorführung über die Leinwand liefen, gab es das: Gruppenfoto. Dafür baute er ein ganz altes Schätzchen auf, eine Laufbodenkamera für die Reise. Zusammengeklappt ist sie nur etwa so groß wie eine Handtasche. Lintl legte auf sein Publikum an. Ein Bild im Hintergrund, per Beamer an die Kinoleinwand geworfen, entsprach in etwa dem, was Lintl auf der Mattscheibe gesehen hätte.

Doch nicht nur die Kamera stammt aus längs vergangenen Zeiten. Das galt auch für das Motiv. Es zeigte eine Aufnahme des Saalbaus Buschmann. Denn damals schauten die Gevelsberger im Gebäude an der Rosendahler 18 nicht etwa Filme. Sie tanzten und feierten.

Weiter ging es auf eine fotografische Reise, angefangen am Nirgena und die Mittelstraße hoch. „Viele der Fotografien sind Auftragsarbeiten“, sagte Günter Lintl.

Er zeigte ein paar alte Porträts aus der Zeit. „Sehen sie“, sagte er und zeigte mit einem Laserpointer auf eine leicht unscharfe Person. „Die konnte nicht stillhalten!“ Denn damals galt der Satz: Geduld ist eine Tugend des Fotografen. Und der galt nicht nur für Fotografen.

Belichtungszeiten zwischen einer bis hoch zu zehn Sekunden waren keine Seltenheit, damit das Foto auf den Negativen landete – die früher fast so groß waren, wie heutige Urlaubsfotos.

Dann ging es an die Retusche, noch auf dem Negativ, mit einem Bleistift. „Das war eine wahnsinnig zeitintensive Arbeit.“ Doch damals wie heute lautete der Arbeitsauftrag an die Fotografen: Mache Sie mich schön!

Als dann die ersten alten Gebäude über die Leinwand flimmerten, stellte sich ein Grundgemurmel beim Publikum ein. „Ist das nicht dieses oder jenes Gebäude?“, war zu hören. Die Besucher flüsterten sich Erinnerungen zu und bei einer Luftaufnahme – die ausnahmsweise keiner der drei Lintls fotografiert hatte – schnellten die ersten Finger in die Höhe, zeigte gen Leinwand, fuhren auf die Entfernung alte Straßen ab.

Die Besucher rätselten und versuchten sich zu erinnerten, wo was stand und wie es damals war. Bis sich plötzlich eine Besucherin auf einem der Bilder wiedererkannt: „Herr Lintl, das bin ja ich?!?“