Haben Schüler Ahnung von Steuern und Miete?

Ennepetal..  „Mit ihrem Tweet: ,Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ‘ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.’ (Naina,17 aus Köln) hat sie einen Nerv getroffen, was auch die Anzahl ihrer Retweets zeigt“, sagt de Direktor des Ennepetaler Reichenbach-Gymnasiums, Dr. Stefan Krüger, als wir ihn auf den Tweet ansprechen. In einem Gespräch wollen wir herausfinden, wie das RGE Schüler auf das Leben vorbereitet.

Dr. Stefan Krüger erklärte uns, dass es primäre Aufgabe sei, die Fachhochschulreife zu ermöglichen und auf das Studium vorzubereiten. Deswegen könne die Schule nicht noch mehr auf die fachlichen Interessen der Schüler eingehen, weil es sonst für sie unmöglich wäre, sich später noch umzuentscheiden.

Freiwilliger Kursus denkbar

Bei Themen wie Mietverträgen, Steuern und Ähnlichem sollten aber Eltern und Schule zusammenarbeiten. Dabei lehrt die Schule die nötigen Handelskompetenzen, mit denen es möglich ist, selbstständig beispielsweise ein Formular auszufüllen und Bewerbungen zu schreiben. Aber auch Werte wie Pünktlichkeit und Disziplin werden beigebracht. Eltern sollen ihren Kindern dabei helfen, Kompetenzen zu entwickeln, die außerhalb des Berufs gebraucht werden.

Das Reichenbach-Gymnasium hat ein kulturelles Angebot und Europaorientierung in Form von Austauschen und mehr. Außerdem wird in der neunten Klasse die Mädchen- und Jungenförderung, bei der Mädchen selbstbewusstes Auftreten und Jungen friedliche Konfliktlösung vermittelt bekommen, unterrichtet. Zur Überlegung, einen Projektkursus „Leben“ anzubieten, zeigte sich Dr. Krüger diskussionsbereit. In diesem Kursus könnten Schüler praktische Dinge lernen, wie mit Mietverträgen und Steuern umzugehen. Damit dieser nicht als zusätzliche Belastung sondern als eine nützliche Chance angesehen wird, müsste er auf freiwilliger Basis stattfinden. Denn klar sei, dass dieser Kursus keinen Platz mehr im Lehrplan fände. Aber auch in diesem Kursus könnte nicht alles thematisiert werden, „denn das Leben“, so Dr. Krüger „ist ein bunter Blumenstrauß.“

Berufs- und Studienwahl

Besondere Aufmerksamkeit schenkt die Schule der Hilfe bei der Berufs- und Studienwahl. Dazu wurden uns zwei Systeme von der Beratungslehrerin für Berufsorientierung, Ursula Röhder-Zang, vorgestellt. Das schuleigene System „Berufs- und Studienorientierung“ (BuS) bietet von der fünften Klasse bis zum Abitur Informationsveranstaltungen, ein Eltern-Praktikum und vieles mehr. Begleitend dazu bekommt jeder Schüler eine Sammelmappe für Erfahrungen mit der Berufsorientierung.

Das zweite System wurde von der Landesregierung entwickelt und nennt sich: Kein Abschluss ohne Anschluss (KAoA). Das RGE ist eine der ersten Schulen, die dieses System nutzt. Bis 2017 soll jede Schule an diesem System teilnehmen. Das beginnt bei der Potenzial-Analyse in der achten Klasse über zwei Berufserkundungstage bis hin zu einem zweiwöchigen Praktikum in der neunten Klasse, wofür die Schule in enger Kooperation mit verschiedenen Unternehmen steht.

Zusammen sollen die Systeme, BuS und KAoA, von Anfang an Interesse an Berufsorientierung wecken und einen Denkanschub zu der Frage geben: „Was will ich später mal werden?“