Gute Vorsätze für die Fastenzeit

Die evangelische Kirche schlägt vor, in der Fastenzeit aufs Lästern zu verzichten. Eine gute Idee. Ich frage mich allerdings: Warum nur aufs Lästern?

Lästern ist doof und verwerflich. Aber gibt es nicht tausend Dinge, die viel schlimmer sind? Beispielsweise: Üble Nachrede, Jemanden-übers-Ohr-hauen, anderen Leuten das Geld aus der Tasche ziehen (ein weites Feld), Mobbing oder Ausgrenzen...

Es fallen einem so viele Dinge ein, die übler sind als Lästern. Da macht es ja geradezu schon Sinn, über Themenwochen innerhalb der Fastenzeit nachzudenken. Die guten Vorsätzen wollen ja sortiert sein. Oder, auch nicht schlecht, in jedem Jahr ein neues Fastenmotto auszugeben.

Das kennen wir ja auch aus anderen Bereichen. Wenn zum Beispiel der Kuckuck Vogel des Jahres 2016 wird, dann verzichten wir im nächsten Jahr zwischen Aschermittwoch und Karfreitag darauf, anderen Leuten etwas in die Schuhe zu schieben. Und wenn es die Krähe wird, dann hacken wir sechs Wochen lang mal nicht auf anderen rum.

Natürlich können wir auch zum ganz großen Wurf ausholen und die Parole rausgeben: Bis Ostern verzichten wir einfach mal auf alles Böse und Verwerfliche. Ich könnte auch sagen: Einfach mal nett zueinander sein.

Schade eigentlich, dass das für viele Mitmenschen nach Verzicht klingt.