Grüner Polo bleibt eine potenzielle Gefahr

Einmal hat es schon gekracht und die Stelle birgt erhebliches Gefahrenpotenzial, doch der grüne Polo steht nicht verkehrswidrig und soll vorerst bleiben, wo er ist.
Einmal hat es schon gekracht und die Stelle birgt erhebliches Gefahrenpotenzial, doch der grüne Polo steht nicht verkehrswidrig und soll vorerst bleiben, wo er ist.
Foto: WP

Gevelsberg..  Der grüne Polo, der seit bald drei Wochen verlassen am Strückerberg steht, bewegt und erhitzt die Gemüter. Nach unserer Berichterstattung meldeten sich zahlreiche Leser in der Redaktion. Drei grundsätzliche Fragen häuften sich: Warum ist der Heckschaden der Polizei nicht bekannt, wenn es Zeugen dafür gibt, dass Beamte diesen Unfall aufgenommen haben? Warum ist es nicht möglich, das Auto aus dem potenziellen Gefahrenbereich zu schaffen? Und: Warum haben die Beamten, die den ersten Unfall aufgenommen haben, ihn überhaupt an dieser Stelle stillgelegt?

Kein Versicherungsschutz

Kurz zur Erinnerung: Am Samstag, 14. März, fuhr der Besitzer des Wagens, ein 24-jähriger Plettenberger, bergab Richtung Gevelsberg. Am kleinen Abzweig nach Linderhausen wollte die Fahrerin eines Golf links abbiegen, der Plettenberger konnte weder bremsen noch ausweichen, fuhr dem Pkw der 74-jährigen Gevelsbergerin leicht ins Heck. Die Polizei stellte fest, dass der Polo keinen Versicherungsschutz mehr hatte, entsiegelte die Kennzeichen, legte das Fahrzeug an Ort und Stelle still. Seitdem steht der grüne Volkswagen unmittelbar hinter dem Scheitelpunkt der Kurve, die Autofahrer gern schneiden. Kurz darauf hatte der Polo plötzlich einen Heckschaden – deutlich gravierender als die Kratzer an der vorderen Stoßstange vom vorherigen Auffahrunfall.

Polizei nahm zweiten Unfall auf

Polizeipressesprecher Dietmar Trust hatte auf Nachfrage dieser Zeitung mitgeteilt, dass der Polizei dieser Unfall nicht bekannt sei. Nun meldete sich ein Leser in der Redaktion, der sagt: „Ich habe tagsüber gesehen, wie Polizisten diesen zweiten Unfall aufgenommen haben. Ein anderer Wagen, in dem zwei junge Männer saßen, war – wie auch immer das gelungen ist – rückwärts in den Polo gekracht.“ Erneute Nachfrage bei der Kreispolizeibehörde. „Der Unfall ist nicht bei der Pressestelle gelandet, weil dort nichts Anzeigepflichtiges passiert ist“, revidiert Polizeisprecherin Birte Boenisch. „Es war lediglich ein Unfall mit Sachschaden, wir haben ihn lediglich aufgenommen und dem Verursacher die Papiere für die Versicherung ausgehändigt.“ Ob der Besitzer überhaupt davon weiß, dass sein Wagen nun arg am Heck zermatscht ist? Nichts Genaues weiß man nicht.

Aber warum haben die Beamten – sowohl jene, die den ersten Unfall aufgenommen haben, als auch jene, die beim zweiten Crash vor Ort waren – den Wagen an dieser ausgesprochen gefährlichen Stelle stehen lassen? „Weil der Pkw hier nicht verkehrswidrig abgestellt ist“, sagt Boenisch und ergänzt. „Rechtlich ist es auch gar nicht erlaubt, dass das Auto in dem Moment, als wir erkannt hatten, dass der Versicherungsschutz erloschen ist, noch hätte bewegt werden dürfen. Die Beamten hätten sich – egal ob als Eskorte oder selbst am Steuer – sofort strafbar gemacht.“

Abschleppen ist zu teuer

Die einzige Möglichkeit wäre es gewesen, dass dieser Wagen abgeschleppt und sichergestellt worden wäre. Doch die „600 bis 800 Euro Kosten dafür“, so Birte Boenisch, habe die Behörde nicht, vor allem weil es ausgesprochen ungewiss sei, ob man sich das Geld von dem Halter überhaupt zurückholen könne. Lässt der den Wagen allerdings weiter dort stehen, wo er ist – nämlich unversichert im öffentlichen Verkehrsraum – rückt der Abschleppwagen ohnehin nach Ablauf einer Karenzzeit an. Dann allerdings auf Kosten der Stadt Gevelsberg, denn die Sache liegt nun in den Händen des dortigen Ordnungsamts.

Hier geht heute die so genannte „Ordnungsverfügung mit Androhung der Ersatzvornahme“ mit der Post an den Halter. Heißt: Ist Wagen nicht bald verschwunden, schleppt die Stadt Gevelsberg ihn ab. Doch noch gibt es Hoffnung bei den Ordnungshütern auf ein Einsehen des Plettenbergers: „Die Nummernschilder sind seit Ostern abmontiert. Vielleicht hat er ja seine Schuld beglichen, meldet den Wagen neu an und fährt ihn bald ganz legal nach Hause“, sagt Peter Buder.

Viele Nachfragen bei der Polizei

Derweil sorgt der grüne Polo trotzdem für erhebliche Arbeit bei der Polizei, weil sich seit Wochen die Bürger auf den Wachen – vor allem am Büttenberg in Ennepetal – melden. „Aber“, so Birte Boenisch, „aktuell sind uns die Hände gebunden.“ Stellt sich vielen Bürgern die Frage, ab wann der Wagen häppchenweise vielleicht sowieso von allein verschwindet, wenn die ersten illegalen Ersatzteiljäger an dem Polo Hand anlegen und die brauchbaren Teile abmontieren.