Große Künstler mit kleinem Handicap

Schwelm..  Der Sitzungstrakt des Kreishauses ist nun durch 40 Kunstwerke bereichert worden. Urheber der prächtigen Aquarellgemälde sind Menschen mit Behinderung, die unter dem Motto „Lebensgefühle“ ihrer Kreativität freien Lauf ließen und vielfältige Eindrücke auf die Leinwand brachten. Insgesamt 37 Künstler aus integrativen Einrichtungen waren daran beteiligt.

Malerei braucht Leidenschaft

Zur stimmungsvollen Vernissage waren mehr als 100 Gäste gekommen, zum einen um die Werke zu bestaunen, aber auch, um am Inklusionstag ein Zeichen für ein respektvolles Miteinander zu setzen. Für die musikalische Untermalung des Festakts sorgte die Band „Popcorn“, die behinderte und „weniger behinderte“ Menschen zusammenführt und gemeinschaftlich musikalisch Vollgas gibt.

Noch bis zum Freitag, 22. Mai, sind die Exponate zu bewundern, die nicht nur im Kreishaus, sondern auch in vielen Geschäften der Schwelmer Innenstadt ausgestellt werden. Bis dahin sollen weitere Werke in integrativer Kooperation zwischen den Förderschulen in Hiddinghausen sowie der Wittener Kämpenschule mit den beiden Haßlinghauser Bildungsstätten Mathilde-Anneke-Hauptschule und Wilhelm-Kraft-Gesamtschule entstehen.

Die Idee des integrativen Projekts hatte Kreis-Inklusions-Beauftragte Patricia Riesner, die Künstler, Schulen und Geschäftsleute erfolgreich zusammenführte. „Dieses Projekt zeichnet sich dadurch aus, dass so viele daran beteiligt sind, nicht nur Schulen, Lebenshilfe, Frauenheim Wengern und AWo, sondern auch viele Geschäftsleute, die die Bilder ausstellen“, lobte Landrat Dr. Arnim Brux den Gemeinschaftsprozess des Kunstprojekts. „Dieser Tag soll deutlich machen, dass behinderte Menschen die gleichen Rechte und gleichen Möglichkeiten haben sollten“, erklärte Brux und ergänzte, dass das Kunstprojekt einen wichtigen Beitrag leiste, was auch ein Mensch mit Behinderung zu leisten im Stande sei und welch kreatives Potenzial ein jeder habe.

In diesem Zusammenhang wies der Hausherr darauf hin, dass aktuelle Konzepte zur Inklusion im EN-Kreis noch ausbaufähig seien und man in Zukunft weiter daran arbeiten wolle. „Malerei braucht Leidenschaft“, äußerte sich Lebenshilfe-Vertreter Rainer Bücher und ergänzte, dass jedoch nicht jeder ein begeisterter Maler sei und diese Leidenschaft auch längst nicht in jedem Fall ausgelöst werden könne. So habe man zur Förderung des Kreativprozesses mit regionalen Künstlern zusammengearbeitet. Ferner hob der Lebenshilfe-Geschäftsführer die Leidenschaft in den entstandenen Kunstwerken hervor und wertete die Exponate als gesellschaftlichen Dialog. „Wir sind stolz, dass unsere Bewohner so wunderschön malen können“, äußerte sich Edelgard Spiegelberg vom Frauenheim Wengern und hob den Mut zu einem neuen, bereichernden Lebensabschnitt sowie eine gesteigerte Lebensqualität hervor.

An Grenzen gestoßen

So hätten viele zunächst über Buntstifte und Wasserfarben ihr eigentliches Talent zur Aquarellmalerei gefunden. Die Kreativitätsförderung der AWo-Tageseinrichtung hob indes Jutta Sudek hervor, die neben der Malerei auch Filz- und Holzbearbeitungen sowie die Herstellung von Ketten beinhalte. „An Grenzen stoßen wir jedoch immer dann, wenn wir in die Begegnung mit Nichtbehinderten gehen“, prangerte Sudek an und wünschte sich, dass man diese Begegnungen ausbauen und stärker auf Behinderte zugehen sollte.