„Gott hat im Chaos den Überblick“

Der Schwelmer Roland Kräme ist evangelischer Pfarrer im Südkreis und für Polizei, Feuerwehr und Notfallseelsorge im Einsatz
Der Schwelmer Roland Kräme ist evangelischer Pfarrer im Südkreis und für Polizei, Feuerwehr und Notfallseelsorge im Einsatz
Foto: Veronika Gregull
Was wir bereits wissen
Schwelmer Pfarrer und Notfallseelsorger Roland Krämer über Halt in Krisensituationen, Gebete am Unfallort und Zweifel.

Schwere Autounfälle, plötzlicher Herztod in den eignen vier Wänden, das Haus steht in Flammen – wenn solche dramatischen Situationen eintreten, sind im Kreis oft Notfallseelsorger vor Ort. So auch der Schwelmer Roland Krämer. Er ist evangelischer Pfarrer im Südkreis und für Polizei, Feuerwehr und Notfallseelsorge im Einsatz.

Wie sieht Ihre Arbeit bei einem Einsatz konkret aus?

Roland Krämer: Über meinen digitalen Einsatzempfänger erfahre ich, wenn ich gebraucht werde. Vor Ort betreue ich dann oft erstmal die Einsatzkräfte selbst, zum Beispiel nach einem Brand. Etwa zwanzig Minuten rede ich dann mit den Feuerwehrleuten. Es geht darum, Abstand von dem Erlebten zu gewinnen und Gegengewicht zu setzen. Oder auch darum, wie man mit Angehörigen umgeht, die nach dem Fall Fragen, der dann schon durch die Medien gegangen ist. Aber ich spreche auch mit Angehörigen und Verletzten.

Hilft Glaube in solchen schweren Lebenssituationen?

Glaube hilft, in chaotischen Situationen den Überblick zu behalten. Und ich glaube, dass Gott den hat. Er hat diese schlimmen Dinge nicht gewollt, aber er kann helfen und darum bitte ich. Mein Glaube gibt mir Kraft und das möchte ich weitergeben.

Sprechen Sie mit den Angehörigen auch über ihren Glaube?

Über den Glauben spreche ich nur mit Menschen, die damit von sich aus auf mich zugehen. Viele fragen dann, ‘warum ich’? Aber es gibt Wahrheiten, die nicht trösten. Gott hat uns den freien Willen gegeben, das hat auch negative Folgen. Und es betrifft dann auch Menschen, die damit nichts zu tun haben. Das ist hart und man kann da schon ins Zweifeln kommen. Manchmal beten wir aber auch noch an der Unfallstelle. Und jeden Abend bete ich für die Menschen, die ich betreue. Das dauert oft ganz schön lang.