Gericht gibt brutalem Schläger eine letzte Chance

Schwelm..  Der Vorsitzende Richter des Schwelmer Jugendschöffengerichts runzelte die Stirn und sagte: „Oh, da ist aber ganz schön was zusammengekommen.“ Gemeint war ein junger Kreisstädter, der sich bereits zum siebten Male als Beschuldigter vor Gericht verantworten musste. Diesmal wurden direkt fünf Anklagen gegen den erst 19-Jährigen verlesen.

Chronologisch vorgegangen: Am 11. Oktober 2013 schlug er auf einem Spielplatz auf seine erst 14-Jährige damalige Freundin ein. Die Minderjährige erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Drei Tage lag sie daraufhin im Krankenhaus.

Am 4. Januar 2014 drang er mit drei weiteren Mittätern mit einem gestohlenen Schlüssel in die Wohnung eines entfernten Bekannten ein. Dort entwendeten sie einen PC, einen Fernseher, eine Spielekonsole und einen Monitor. Nachdem die Polizei den 19-Jährigen stellte, titulierte er die Beamten als „Hurensöhne“. 17.Januar 2014: Das gleiche Spiel. Der Angeklagte wurde alkoholisiert am Hauptbahnhof aufgegriffen, bezeichnete die Beamten mit demselben Schimpfwort und ergänzte „Sieg, Heil“.

10. Juli 2014: Beim Fußball auf einem Spielplatz geriet der 19-Jährige mit einem anderen Jungen aneinander: Mit einem Schirm prügelte er den jüngeren Kontrahenten nieder und schlug dessen Freundin, die dazwischen gehen wollte.

18.August 2014: Schwebebahn-Haltestelle „Adlerbrücke“. Auch da kam dem 19-Jähriger jemand „quer“. Es folgte ein wuchtiger Schlag in dessen Gesicht. Dann trat er auf den am Boden liegenden ein. Resultat: vier Tage Krankenhaus.

An vielen Stellen versuchte der Angeklagte zunächst, alles zu beschönigen. Dann nahm ihn sein Verteidiger Hans-Joachim Konnegen ins Gebet. Es folgte ein komplettes Geständnis. Nur das konnte ihn nämlich vor dem Jugendknast bewahren. Aufgrund von Reifeverzögerungen urteilten die Richter nach Jugendrecht.

Die Strafe: Ein Jahr Jugendeinheitsstrafe unter Einbeziehung der Vorbelastungen auf Bewährung. Zudem wurde dem Schwelmer ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt und er muss 120 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

„Ihre letzte Chance trotz Ihrer bislang ganz besorgniserregenden Entwicklung“, beendete Richter Arnulf Arentz das Verfahren.