Gemeinschaftlicher Einsatz gefragt

Diskutierten über einen Willkommenskultur für Flüchtlinge in Ennepetal (von links): Bürgermeisterkandidatin Imke Heymann, die Geschäftsführerin des Flüchtlingsrates NRW, Birgit Naujoks, Versammlungsleiter Prof. Dr. Kurt Bienert (Grüne) und Petra Backhoff (Grünen-Ratsmitglied und Vorstandsmitglied des Kinderschutzbundes) Stellung nahm.
Diskutierten über einen Willkommenskultur für Flüchtlinge in Ennepetal (von links): Bürgermeisterkandidatin Imke Heymann, die Geschäftsführerin des Flüchtlingsrates NRW, Birgit Naujoks, Versammlungsleiter Prof. Dr. Kurt Bienert (Grüne) und Petra Backhoff (Grünen-Ratsmitglied und Vorstandsmitglied des Kinderschutzbundes) Stellung nahm.
Foto: WP

Ennepetal..  Direkt zu Beginn der gut besuchten Veranstaltung der Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und CDU zur „Willkommenskultur für Flüchtlinge vor Ort“ im Restaurant „Zorbas“ (Haus Ennepetal) wurde deutlich: In der Klutertstadt sollen die Kinder, Frauen und Männer, die vor Krieg und Gewalt Schutz suchen, menschenwürdig untergebracht und auch so aufgenommen werden.

Leitbild und Handlungskonzept

Diskussionsleiter Prof. Dr. Kurt Bienert (Grüne) brachte ein „Leitbild und Handlungskonzept für den Umgang mit Flüchtlingen“ ins Gespräch und fand später Zustimmung, auch bei Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen. Bienert hofft, dass alle Ratsparteien mitmachen. Die Referentin, die Geschäftsführerin des Flüchtlingsrates NRW, Birgit Naujoks, freute sich, dass der Abend von zwei Fraktionen gemeinsam durchgeführt wird.

Bürgermeisterkandidatin Imke Heymann und Grünen-Stadträtin Petra Backhoff hatten die Willkommenskultur für Flüchtlinge zum Thema gemacht. So wurde es auch recht konkret, als Besucherin Monika Schwarz Aussagen zur Begegnung aus dem Vortrag von Birgit Naujoks aufgriff und auf das leerstehende Café neben dem Spielplatz in der Fußgängerzone hinwies. „Dort könnte eine Begegnungsstätte für Flüchtlinge und Ennepetaler entstehen.“ Petra Backhoff griff den Vorschlag auf, als Ratsmitglied und als Vorstandsmitglied des Kinderschutzbundes, und sagte: „Wir haben schon darüber nachgedacht. Aber die uns bekannt gewordenen Mietkosten lassen es nicht zu. Dafür müssten wir eine finanzielle Unterstützung von der Stadt bekommen.“ Der Bürgermeister riet, einen Antrag zu stellen. Er verhehlte seine zustimmende Meinung nicht. Wiggenhagen: „Wir werden in Ennepetal anders sein, als das, was wir jüngst aus dem Fernsehen erfahren mussten.“ Veranstaltungsgast Bruno Hessel ging auf die Unterbringung von Flüchtlingen in Hasperbach ein, wo die Stadt zwei Häuser angemietet hat (wie berichtet) und freute sich, dass auch kleine Gärten dazu gehören. Imke Heymann berichtete daraufhin von der in Hasperbach vom Bürgermeister abgehaltenen Bürgersprechstunde: „Die zur Sprechstunde gekommenen Hasperbacher haben gute und tolle Ideen, die Flüchtlinge in ihre Gemeinschaft aufzunehmen.“

Der stellv. Fachbereichsleiter Michael Schmidt, schilderte die Unterbringung der 170 Flüchtlinge. Er sagte aber auch, dass es nicht gelungen sei, für sie Privatwohnungen anzumieten. So müssten leider immer noch in Gemeinschaftsunterkünften drei Menschen auf 18 Quadratmetern leben.

Der Vorsitzende des Integrationsrates der Stadt, Giuseppe Bianco, Mitglied der SPD-Ratsfraktion, stellte das Internationale Freundschaftsfest vor. „Da kommt es zu Begegnungen mit vielen Menschen aus unterschiedlichen Nationen, natürlich auch mit Flüchtlingen.“ Wie Bianco sagte, habe man auch die mittlerweile weggezogenen Roma einbinden wollen.

Birgit Naujoks habe, wie sie sagte, die Erfahrung gemacht, dass die Behörden bei Entscheidungen über Hilfen für Flüchtlinge einen gewissen Spielraum haben. Die Flüchtlinge seien da dem Zufall ausgeliefert. Zeige eine Behörde Empathie, oder gehe sie besonders streng vor – die oft traumatisierten Flüchtlinge könnten es nicht beeinflussen. Naujoks empfahl den Städten, die Flüchtlinge mit einem „Begrüßungspaket“ (Inhalt u. a. Informationen über Fahrpläne und Beratungsstellen) zu empfangen. Vor allem müsse deutlich werden, dass sie als Menschen geachtet werden.