Gegenseitige Besuche und gemeinsame Aktionen intensivieren

Schwelm..  Zwischen den radikalen Randgruppen der islamistischen und den rechten Extremisten zeigt die überwältigende Mehrheit der Schwelmer, dass sie zusammensteht. Gestern kamen prompt neue Ideen auf den Tisch.

Direkt nach der Stellungnahme der Schwelmer Muslime sagten Pfarrer Uwe Rahn und Propst Norbert Dudek zu, diese vollumfänglich in den evangelischen beziehungsweise katholischen Gemeindebriefen abzudrucken, Bürgermeister Jochen Stobbe will sie auf die Internetseite der Stadt stellen. Dabei steht fest: Hier treffen sich keine gänzlich Unbekannten. Der Kontakt innerhalb der Stadt ist bisher schon rege.

Stellungnahme übernehmen

Bereits am Friedensgebet in der Schwelmer Innenstadt beteiligten sich zahlreiche Muslime. Ebenso wäre der Flashmob für Europa ohne sie nicht zu einem solch großartigen Erfolg geworden. Gestern sagten Mehmet Konduoglu und seine Mitstreiter auch die Teilnahme am nächsten Friedensgebet zu.

Pfarrer Uwe Rahn möchte gern mit seinen Konfirmanden die Moschee besuchen. Ebenso hat Propst Dudek seinen Besuch angekündigt und auf den Tag der offenen Moschee freuen sich bereits alle.

Ebenso stehen alle zusammen, wenn es darum geht, Pegida und Co. aus Schwelm fern zu halten. Bürgermeister Stobbe: „Wir hatten ein NPD-Ratsmitglied und sind froh, dass diese Zeiten vorbei sind. Ich möchte ganz klar betonen, dass unsere Gemeinsamkeit Tradition hat.“ Doch, da sind sich alle einig – gerade vor der Pegida-Welle, die über das Land schwappt: Niemand darf sich zurücklehnen. Landrat Dr. Arnim Brux: „Wir haben die gemeinsame Verantwortung, Extremisten keine Chance zu geben.“

Mehmet und Svetlana auf Streife

Denn eines, da stimmten alle zu, sei auch klar: Die Gesellschaft werde eher noch bunter. Das untermauert Sven Flügge, der Kontaktbeamte der Kreispolizeibehörde zu den muslimischen Institutionen: „Wenn wir in die Zukunft blicken – und die Entwicklung ist bereits jetzt deutlich zu sehen – werden bald nicht mehr Markus und Sabine sondern Mehmet und Svetlana Streifendienst bei der Polizei versehen.“

Er betont, dass in Deutschland lediglich fünf Prozent der Opfer extremistischer Straftaten Christen seien, der Rest seinen Muslime. In Schwelm und dem Ennepe-Ruhr-Kreis sei die Lage aktuell aus beiden Richtungen verhältnismäßig ruhig. „Dazu tragen auch unserer Kooperationsvereinbarungen und viele muslimische Kollegen bei“, so Flügge.

Z Ich weiß, dass Sie Frieden und ein demokratisches Zusammenleben haben wollen. Sie haben deutliche Worte für die Freiheit gefunden.

Z Wir schützen unsere Gemeinde vor der Gehirnwäsche der Radikalen. So etwas hat bei uns in der Moschee keinen Platz.

Z Unser Prophet Mohammed war stets darauf bedacht, dass alle Menschen in Frieden zusammen leben – egal welcher Religion sie angehören.

Z Wir haben ein offenes Haus. Jeder ist bei uns stets willkommen. Wir sind ein Teil Schwelms und geben schädlichen Strömungen keine Chance.

Z Ihre Worte zur Barmherzigkeit haben mich sehr an die Bergpredigt erinnert. Das zeigt, dass der Islam eine friedliebende Religion ist.

Z Ich hoffe, dass wir enger zusammenrücken, uns aber aus solch einem traurigen Anlass nicht noch einmal zusammenfinden werden.

Z Ich begrüße ausdrücklich, dass Sie den Weg in die Öffentlichkeit suchen, um Aufklärung zu betreiben und Ängste zu bekämpfen.

Z Ich unterstreiche Ihre Worte und habe eine Bitte: Legen Sie weiterhin einen sehr großen Wert auf ihre Jugendarbeit.

Z Wir müssen der Fremdenangst solidarisch begegnen. Vieles von dem, was Sie gesagt haben, gilt auch für unsere Religion.

Z Es ist wunderbar, dass wir so offen miteinander reden, aus dem Bösen noch etwas Fruchtbares ziehen können und so enger zusammenrücken.