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Für einen Tag auf den Chefsessel

19.02.2010 | 17:22 Uhr
Für einen Tag auf den Chefsessel

Der Chefsessel vom Ennepetaler Schraubenspezialisten Spax International wird im Juli neu besetzt – von einem Schüler der Jahrgangsstufe 11 des Reichenbach-Gymnasiums (RGE). Jedenfalls für einen Tag.

Das RGE und Spax starteten gestern ein gemeinsames Projekt, an deren Ende ein Schüler für einen Tag die Geschicke des Unternehmens leiten soll.

„Ihr könnt einen Tag lang Chef spielen. Ich mache das jeden Tag. Ich sage euch, das macht richtig Spaß”, erklärte Spax-Geschäftsführer Michael Thomas. Die Schüler des Sozialwissenschafts-Kurses (SoWi) der Jahrgangsstufe 11 grinsen breit. Schon nach den Auftaktsätzen von Thomas richten sich die Schüler langsam in ihren Stühlen auf, kaum einer, der noch halb auf dem Tisch liegt. „Ihr feilt am besten schon einmal an euren Englisch- und Französisch-Kenntnissen. Schließlich haben wir Fabriken in aller Welt. Da kann es schon mal sein, dass ein Anruf aus den USA oder aus der Türkei kommt”, erklärt Thomas den 20 staunenden SoWi-Schülern.

Die soziale Marktwirtschaft steht als Thema auf dem Lehrplan der Schüler in diesem Halbjahr. Es geht um die klassischen Themen wie das Prinzip von Angebot und Nachfrage sowie die Rolle des Staates. „Das ist ein sehr großes und theoretisches Feld. Ich hoffe, dass wir durch die Stunden mit Spax das theoretische Wissen eher praktisch anwenden können”, sagt die 16-jährige Inga Küpper. Ihre Mitschülerin Judith Rittberg ergänzt: „Wir bekommen so sicher auch interessante Einblicke in das Berufsleben.” Genau diese Hoffnung hegt auch Schulleiter Stefan Krüger.

Schüler wollen Einblicke in das Berufsleben

Die Aufgabe der Gymnasien habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert, betont der Direktor. „Es gibt nicht mehr den klassischen Weg Abitur-Studium-Job. Viele Abiturienten möchten eine Ausbildung machen. Sie verlangen früh, Einblicke in die Wirtschaft zu bekommen”, erklärt Krüger. Deshalb sucht das Ennepetaler Gymnasium verstärkt nach Kooperationen mit Unternehmen, vor allem direkt vor Ort.

Die SoWi-Schüler werden in den kommenden Wochen Wirtschafts-Vokabeln pauken und Fragen vorbereiten. Damit geht es dann im April in das Unternehmen an der Kölner Straße. Leitende Angestellte von Spax stehen den Schülern dann Rede und Antwort. „Wir freuen uns auch besonders auf untypische Fragen. Wir wollen natürlich wissen, was den Schülern bei uns im Unternehmen auffällt”, sagt Geschäftsführer Michael Thomas. „Vielleicht bemerken die Jugendlichen etwas, was uns als ,Betriebsblinde' bislang entgangen ist.” Und sei es solch eine scheinbar banale Sache, dass etwa ein Cola-Automat fehlt, hofft Thomas auf den einen oder anderen brauchbaren Hinweis der Schülerschaft.

Wer sich fachlich am kompetentesten präsentiert, Interesse zeigt und ein sicheres Auftreten beweist, darf im Juli auf dem Chefsessel von Spax Platz nehmen. Zumindest für einen Tag.

Tim Rahmann

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