Für die Flüchtlinge ist kein Geld mehr da

Bei der Handwerkskammer gab es für die Flüchtlinge Grundlagenseminare.
Bei der Handwerkskammer gab es für die Flüchtlinge Grundlagenseminare.
Foto: AWo
Was wir bereits wissen
Es klingt eigentlich absurd: Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, explodiert. Und nun muss ein vom Ennepe-Ruhr-Kreis aus koordiniertes Projekt zu Grabe getragen werden, mit dem die Menschen mit Wurzeln im Ausland für den Beruf fit gemacht werden sollen.

Gevelsberg.. Die Bundesregierung hat dafür kein Geld mehr. So zogen die Beteiligten in der Zentrale der Arbeiterwohlfahrt (AWo) in Gevelsberg mit einem Kloß im Hals und wohl auch mit Wut im Bauch Bilanz.

Das „Netzwerk Zukunftsperspektiven“ ging im September 2008 mit dem Projekt „Xenos“ an den Start, am 30. Juni dieses Jahres wurde der Schlussstrich gezogen. Es gibt zwar ein Nachfolgeprojekt, um Flüchtlinge den Einstieg ins deutsche Berufsleben zu erleichtern, das hat nur einen Nachteil. 41 Projekte hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales als förderungswürdig anerkannt – darunter auch das Gevelsberger, das den Bereich des Ennepe-Ruhr-Kreises und Bochum sowie Herne geografisch abdeckt. Nachdem die Mittel für 28 Projekte bewilligt wurden, waren aber die Kassen in Berlin leer. Der AWo im Ennepe-Ruhr-Kreis wurde buchstäblich die lange Nase gezeigt.

1088 Menschen beraten

Und dabei waren die Beteiligten stolz darauf, wie gut ihr Netzwerk funktioniert hat. Das kann man ganz menschlich sehen. Agron Tafa erzählt, dass seine Großfamilie mit 30 Mitgliedern nach Deutschland gekommen war. Er ist auf eins stolz: „Alle haben jetzt eine Arbeit.“ Selbst die, die im Leben zuvor noch keine Schule von innen gesehen haben. Ohne den Einsatz des „Netzwerks Zukunftsperspektiven“ sei das nicht möglich gewesen.

Wer will, kann den Erfolg aber auch nüchtern in der Statistik ablesen. Seit 2010 wurden von den Mitarbeitern des Netzwerks 1088 Bleibeberechtigte und Flüchtlinge beraten. Davon konnten 462 Menschen auf den Arbeitsmarkt vermittelt werden. Einige bekamen nur Mini-Jobs, andere Teilzeitbeschäftigungen, aber immerhin auch 93 Flüchtlinge einen sozialversicherungspflichtigen Vollzeitjob.

Opfer der „Schwarzen Null“

René Röspel, SPD-Bundestagsabgeordneter und AWo-Chef im Ennepe-Ruhr-Kreis versuchte den Beteiligten das Problem zu erläutern: „Alle Welt findet die Schwarze Null gut. Das bedeutet aber auch, dass die Haushalte knapper gefahren wird.“ Es fehle die Einsicht, heute Geld in solche Projekte zu stecken, wenn sich das erst in vier oder fünf Jahren rechnen würde.

Sein Kollege Ralf Kapschack, sozialdemokratischer Bundestagsabgeordneter aus Witten, sieht noch einen anderen Grund für die leeren Kassen: „Als die Summen bewilligt wurden, hat keiner damit gerechnet, dass eine zu große Zahl von Flüchtlingen auf die Bundesrepublik zukommen wird.“

Die Arbeiterwohlfahrt im Ennepe-Ruhr-Kreis und ihre Partner können sich nur noch an einen Strohhalm klammern. Das Arbeits- und Sozialministerium in Berlin versucht noch Fördermittel zusammen zu kratzen, um weitere Projekte zu unterstützen. Vielleicht könnte „Xenos“ mit der Zentrale in Gevelsberg dann doch noch eine Chance haben. Die Entscheidung müsste dann aber schnell kommen. Sonst würden die ganzen Verbindungen, die das „Netzwerk Zukunftsperspektiven“ geknüpft hat, nicht mehr bestehen.

Denn, es geht eigentlich darum, was ein Flüchtling bei der Abschlussbesprechung genauso plastisch wie treffend ausgedrückt hat: „Wir wollen nicht den Fisch in die Hand gedrückt bekommen, wir wollen das Angeln erlernen.“