Freundschaftsfest ein Plädoyer für Vielfalt in Ennepetal

„Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern“: Folkloregruppen unterschiedlicher Herkunft führten in schönen Trachten traditionelle Tänze auf.
„Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern“: Folkloregruppen unterschiedlicher Herkunft führten in schönen Trachten traditionelle Tänze auf.
Foto: Angelika Trapp
Was wir bereits wissen
Unter dem Motto „ennepetal.bunt.tolerant“ fand am Sonntag das 29. Internationale Freundschaftsfest in Milspe statt. Wie in den letzten Jahren auch, spielte sich das bunte Treiben in der Fußgängerzone ab.

Ennepetal.. Unter dem Motto „ennepetal.bunt.tolerant“ fand am Sonntag das 29. Internationale Freundschaftsfest in Milspe statt. Wie in den letzten Jahren auch, spielte sich das bunte Treiben in der Fußgängerzone ab.

Die 29. Auflage des Freundschaftsfestes begann traditionell mit einem ökumenischen Gottesdienst, den zahlreiche Menschen besuchten. In seiner Begrüßungsrede sagte Rolf Bärenfänger, dass er sich freue, den norwegischen Gospelchor Misvaer Sangerlag für den Gottesdienst gewonnen zu haben. Christine Steffen-Berg, die vor 26 Jahren von Rüggeberg nach Norwegen umsiedelte, erzählte, dass eine gute Verbindung zum Rüggeberger Good News-Chor, der vor zwei Jahren die Norweger besucht habe, bestehe. Nun sei der Gegenbesuch erfolgt.

„Ennepetal wird immer bunter“

„Ennepetal wird immer bunter, weil mehr Menschen zu uns kommen. Die meisten nicht freiwillig“, so Bärenfänger. Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen sagte nach der von ihm vorgetragenen Schriftlesung, dass das Thema „ausländische Mitbürger“ heute genau so aktuell sei wie damals. Vor einem Jahr seien es die Roma gewesen, wo Ennepetal gefordert war. Heute seien es erneut Asylbewerber. „Was ich in Oberbauer erlebt habe, ist sehr positiv. Ich habe eine große Welle an Hilfsbereitschaft gespürt.“

Willkommenskonzert Und: „Danke für diesen erfrischenden ökumenischen Gottesdienst.“ Diakon Michael Nieder, der die Predigt gehalten hatte, schloss mit den Worten: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“ Vereine, Institutionen und Parteien – sie setzen gemeinsam ihre Kräfte ein, um Menschen zu helfen. Es gelte, ein Klima zu schaffen, damit sich nicht nur die Alteingesessen, sondern auch die Flüchtlinge wohl fühlen.

Michael Schmidt von ACK, der neben Uwe Schumacher das Freundschaftsfest mit Carsten Michel organisiert hatte, führte ein Interview mit zwei Asylbewerbern, wobei zwei unterschiedliche Schicksale geschildert wurden. An der Gestaltung des Gottesdienstes war auch die Gemeindeband aus Oberbauer beteiligt. Die Kollekte, um die beim Open-Air-Gottesdienst gebeten wurde, gehe einmal an den Kinderschutzbund, einmal den ACK, so Pfarrer Andreas Schulte.

Dann lud Michael Schmidt auf die „Flaniermeile“ ein – und internationale Folkloregruppen gaben den Ton an. Die Moderation hatten Carsten Michel und Michael Schmidt übernommen. Und man sah und schmeckte einmal mehr: Nicht nur Liebe, auch Freundschaft geht durch den Magen. Der Kinderschutzbund bot „köstliche Gerichte aus sechs Ländern“ an. Es gab duftende, gegrillten Sardinen, Krabbenfleischbeine und Stockfischbällchen sowie Waffeln.

Flüchtlinge Die ungarische Folkloregruppe Vadrosza zeigte flotte Tänze in schönen Trachten. Die Country-Freunde EN begeisterten ebenso wie Coracao do Minho, eine portugiesische Folkloregruppe. Die polnische Folkloregruppe „Ballerina“ und „Amalia“, die griechische Gruppe, erhielten Applaus. Die jungen Tänzer der Mission Catolica Italiana brachten Stimmung auf die Bühne und der Shanty-Chor lockte am Spätnachmittag noch einmal in die Fußgängerzone. Auch die russische Folkloregruppe aus Wuppertal, „Applaus“, machte ihrem Namen alle Ehre.

Menschenkicker-Turnier

Spaß brachte das Menschkicker-Turnier, organisiert durch den städtischen Sportbereich. Die Siegermannschaft, nämlich der Frauenfußballclub Ennepetal (FFC), heimste den begehrten Bürgermeister-Cup ein. Für die weiteren teilgenommenen Mannschaften, MTV Sixpacks (2. Platz), Stadt Ennepetal/Frauenpower, Bündnis 90/Die Grünen (3. Platz) und Coracao do Minho, gab es neben einer Urkunde Geldpreise sowie kleine Präsente der Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld, die Johannes Dennda überreichte. Moderiert wurde das Turnier von Willi Vering.

Begleitet wurde das Festgeschehen von Aktionen für Jugendliche und Kinder, die vom Mehrgenerationenhaus und dem Kinderschutzbund betreut wurden. Die Milsper Händler hatten teilweise ihre Türen geöffnet, so dass auch am Sonntag eingekauft werden konnte – und zumindest derjenige war darüber froh, dessen Fön am Sonntagmorgen seinen Geist aufgegeben hatte.