Freunde berichten über „schreckliche Angst“

Die 46 Jahre alte Rüggebergerin wurde in ihrer Wohnung getötet.
Die 46 Jahre alte Rüggebergerin wurde in ihrer Wohnung getötet.
Foto: WP

Ennepetal..  Dass die getötete Rüggebergerin schreckliche Angst vor ihrem Noch-Ehemann hatte, haben einige Zeugen und Familienangehörige in den letzten Prozesstagen schon berichtet. Aber gestern hat ein befreundetes Ehepaar mit seinen Zeugenaussagen konkret von der Bedrohungslage berichtet, in der sich ihre Freundin befand, bevor ihr geständiger Ehemann sie niedergestochen hat.

Traurige Erinnerungen

Die beiden Freunde sprachen liebevoll von der Toten. Sie beschrieben sie als herzensgute Frau, die immer für alle da war und ein großes Herz für andere Menschen und deren Nöte hatte. Als sie die letzte Geburtstagsfeier ihrer Freundin schilderten, konnte man die wehmütige Stimmung im Gerichtssaal mit Händen greifen. „Sie hatte gekocht. Als Dankeschön für alle, die immer zu ihr gestanden hatten“, erinnerte sich ihre Freundin. Das war im August nur wenige Wochen vor ihrem Tod.

Alle anderen Erinnerungen, die die Frau vor dem Schwurgericht berichtete, waren jedoch traurig und erschütternd. Das Leben der Getöteten war demnach nicht nur von ständiger Angst geprägt, sondern auch von extremer Vorsicht. Sehr anschaulich schilderte die Frau, wie ihre Freundin sich lange scheute, das Nachrichtenprogramm „Whats-App“ auf ihr Handy zu laden, weil ihr Mann so hätte sehen können, wann sie online ist.

Auch sei sie zum Einkaufen manchmal extra nach Radevormwald gefahren. Eine Vorsichtsmaßnahme, wie die Verstorbene ihr gegenüber zugegeben habe, damit ihr Mann sie nicht sieht oder damit andere sie nicht sehen, die es ihm hätten erzählen können. „Ich weiß, diese Angst kann man nicht verstehen. Wenn man die Hintergründe nicht kennt, denkt man, sie will einfach nicht. Man glaubt ja nicht, dass ihr eigener Mann es ihr verbietet“, erklärte die Frau. Später einmal hat die Verstorbene zu ihrer Freundin verbittert gesagt: „Ihr kennt ihn nur als den Lustigen. Aber ich kenne auch seine andere Seite.“

Zuflucht zum christlichen Glauben

Aus den Erzählungen der Zeugin wurde klar, wie schwer die Situation für die Freunde war, die helfen wollten. Wenn sie sie auf eine Feier eingeladen hätten, hätte sie zunächst Ausreden erfunden. „Später hat sie mir erzählt, dass sie sich nicht traut, denn er möchte das nicht. Er würde schnell aufbrausend. Sie hätte Angst, dass er wütend wird“, so die Freundin. Und wütend wurde er laut der Zeugin.

Da habe er seiner Frau mit einem Schlag das Nasenbein gebrochen. „Diesen Schlag konnte sie ihm nicht verzeihen“, so die Zeugin. Der Mann der Ennepetalerin hatte der Verletzten angeboten, mit ihr zur Polizei zu gehen, aber das lehnte die ab. Machten sich die Freunde auch zu anderen Gelegenheiten um die Frau Sorgen, etwa als er sehr wütend wegen eines ausgetauschten Schlosses gewesen sei, habe sie stets gesagt: „Da oben ist einer, der passt auf mich auf.“ In den letzten Wochen ihres Lebens hatte sie mehr und mehr Zuflucht zum christlichen Glauben gesucht.

Freund aus Jugendzeiten

Der Ennepetaler, der den Angeklagten aus Jugendzeiten kennt, hatte auch versucht, das Wort mit seinem alten Freund zu suchen, als die Beziehung am Ende war. „Ich sagte zu ihm, er soll das akzeptieren. Es gibt ja auch andere Frauen. Da sagte er zu mir: ‚Für mich gibt es keine andere Frau!‘ Das Gesicht, das er dabei machte, gefiel mir nicht.“

Beide berichteten dem Gericht übereinstimmend auch von einer weiteren Drohung, die der Angeklagte mehrfach gegen seine Frau ausgestoßen habe: „Wenn ich dich nicht kriege, soll dich auch kein anderer haben. Eines Tages bring ich dich um!“ So habe es die Rüggebergerin beiden erzählt.