Freispruch: Heimtückischer Hühnermord bleibt ungesühnt

Ennepetal..  Mit Tötungsdelikten hat das Schwelmer Strafgericht eher selten bis gar nicht zu tun. Nun war es soweit. Ein heimtückischer Mord – quasi eine Hinrichtung. Mit nur einem einzigen gezielten Kopfschuss durch ein Luftgewehr verlor sie ihr Leben: Eine fried- und freilebenden Henne in einer Gartenparzelle an der Loher Straße. Der mutmaßliche Täter, der so skrupellos gehandelt haben sollte, musste sich nun vor dem Schwelmer Strafgericht verantworten.

Jener 27-Jährige, ein Gartennachbar des Geflügelbesitzers, indes wies jegliche Schuld von sich. „Was soll ich mir so ein Huhn schießen, wenn ich das im Supermarkt für 5 Euro kriege? Außerdem habe ich gar kein Gewehr. Lächerlich.“

Verstoß gegen das Tierschutzgesetz lautete die eigentliche Anklage. Er habe ein Wirbeltier ohne vernünftigen noch medizinischen Grund getötet.

Verurteilung in anderer Sache

Der geschädigte Geflügelhalter, ein 62-jähriger Ennepetaler, hatte auch nur Verdächtigungen vorzubringen. Er habe sowohl den Angeklagten, als auch dessen Wagen in unmittelbarer Nähe gesehen. Wer da aber geschossen habe, wisse er auch nicht. Die Tötung der Henne wird also für alle Zeit ungesühnt bleiben. Nicht aber ihr Verbleib. „Die haben wir hinterher gekocht“, erklärte der Geschädigte.

Das Gericht sprach den Angeklagten schließlich frei.

Richter Bastian Cardue erklärte anschließend: „So, das Huhn ist gegessen, aber wir haben ja noch einen weiteren Vorwurf.“ Ganz ohne Strafe konnte der 27-Jährige den Gerichtssaal nämlich nicht verlassen. Es gab noch eine zweite Anklage, der zufolge er aus nichtigem Grunde einem guten Bekannten (Zitat: „Er war wie mein kleiner Bruder und wurde plötzlich aufmüpfig!“) mit der Hand ins Gesicht geschlagen hatte. Ein „Reflex“ gab der Angeklagte zu. Dafür wurde er wegen Körperverletzung zu 450 Euro Geldstrafe verurteilt.