Freispruch für „Vofife“-Türsteher

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Schwelm..  Es sollte eine ausgelassene Party werden, doch die „Vorfinanzierungsfete“ des letzten Abiturjahrgangs des Märkischen Gymnasiums in der Eventhalle Schwelm endete in blankem Chaos. Der Veranstalter „Day & Night Events“ hatte 1200 Eintrittskarten verkaufen lassen. Der Hallenbetreiber hatte aber lediglich 900 Gäste zugelassen und ließ durch den Geschäftsführer den Einlass gegen 22.30 Uhr sperren.

Das sorgte zu Recht für Unmut bei mehreren hundert Jugendlichen, die schon teils über eine Stunde mit im Vorkauf erworbenen Karten draußen in der Schlange standen. Auch Ordnungsamt und Polizei mussten eingreifen.

Zwei Vorfälle dieses vergangenen 17. März beschäftigten nun das Schwelmer Jugendschöffengericht. Dort mussten sich wegen gemeinschaftlicher, gefährlicher Körperverletzung zwei Mitarbeiter (21 und 31 Jahre alt) des Wuppertaler Sicherheits-Dienstes, der für Ordnung sorgen sollte, verantworten. Sie bestritten jegliche Tatbeteiligungen.

Fall 1: Der 21-jährige Türsteher sollte einem 18-Jährigen gegen 22.45 Uhr an einem Nebeneingang mehrfach ins Gesicht und in die Rippen geschlagen haben, während zwei andere Security-Mitarbeiter, darunter der 31-Jährige, ihn festgehalten hätten. Der Verletzte war mit Freunden nach stundenlangem Anstehen dort aufgetaucht, um einen Verantwortlichen zu finden, der ihnen das Geld zurückzahlen sollte.

Bei der Polizei meinte der Schwelmer später bei der Vorlage der Portraits aller eingesetzten Securities, den 21-Jährigen als mutmaßlichen Schläger zu erkennen. Vor Gericht ihm gegenübergestellt, revidierte er. „Nein, der ist viel zu jung und viel zu groß.“

Auch ein Begleiter (17) und eine Begleiterin (18) konnten die Angeklagten nicht als Täter identifizieren. Völlig klar für Staatsanwaltschaft und die Richter: Freispruch für beide Beschuldigten.

Fall 2 sollte sich gegen 3 Uhr ereignet haben. Dort sollten unter anderem beide Angeklagten einem betrunkenen Heranwachsenden, der kurz vor der Halle war und wieder Einlass begehrte, um seine Jacke von der Garderobe abzuholen, kurzerhand den Arm auf den Rücken gedreht und ihn am Boden fixiert haben.

Der geschädigte Belastungszeuge war gar nicht erst zum Gerichtstermin erschienen. Vermutlich hätte die Vernehmung auch nicht viel gebracht. Der Vorsitzende Richter Arnulf Arentz erörterte anhand der Ermittlungsakte, dass der Anzeigenerstatter zunächst sogar zwei Polizisten verdächtigt hatte. Erst als er Polizeiuniformjacke und Security-Jacke im Vergleich gezeigt bekam, entschied er sich für den Sicherdienst.

Bislang unbescholten

Mit Einverständnis der Verteidigung wurde dieser Anklagepunkt daher ohne weitere Auflagen eingestellt. Die bislang unbescholtenen Türsteher verließen also ebenso unbescholten den Gerichtssaal.

Arentz beendete die Verhandlung beinahe schon philosophisch: „Ein allgemeines Wort am Rande: Der Aufwand solcher Veranstaltungen für das Abitur, die so genannte Reifeprüfung, steht in keinem Verhältnis der zu erlangenden Reife.“