Flüchtlingskinder finden in Schwelm Verwandte

Die Unterbringung von unbegleitete Minderjährigen kostet bis zu 200 Euro pro Tag. Das Geld bekommt die Stadt allerdings durch das Land zu 100 Prozent erstattet.
Die Unterbringung von unbegleitete Minderjährigen kostet bis zu 200 Euro pro Tag. Das Geld bekommt die Stadt allerdings durch das Land zu 100 Prozent erstattet.
Foto: WP

Schwelm..  Ihre Eltern und Verwandten sind tot, vermisst oder nicht auffindbar. Sie machten sich allein auf den Weg oder sind plötzlich ohne Angehörigen, weil die auf dem Weg in ein sicheres Land irgendwo verschütt gingen. Unter den Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, sind auch unbegleitete Minderjährige. 20 von ihnen spülte das Schicksal nach Schwelm.

Clearing-Verfahren

Mit der Situation der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Schwelm befasste sich am Montagabend der Jugendhilfeausschuss. Der Stadt zugewiesen wurden bisher 20 Minderjährige. Die meisten davon sind im Alter von 15 bis 18 Jahren, drei allerdings auch zwischen 6 und 10 Jahre alt, wie der bei der Stadt dafür zuständige Fachbereichsleiter Peter Eibert im Gespräch mit unserer Redaktion erklärte. Dabei handelt es sich um drei Geschwister aus Syrien. Sie hatten das Glück, in Schwelm bei ihrer Oma unterzukommen. Ob die Eltern noch leben, wo sie abgeblieben sind und was in Zukunft aus der Familie wird, ist völlig unklar. Der städtische Fachbereich kann sich gerade mal um Unterbringung und Beschulung kümmern. Alles andere ist Sache des Clearing-Verfahrens, „und dafür sind wieder andere zuständig“, berichtete Peter Eibert.

Das Glück, bei Verwandten unterzukommen, teilen sich die drei Geschwister mit fünf weiteren unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die der Stadt Schwelm zugewiesen wurden. Zufall ist das fast nie. Den Minderjährigen ist der Aufenthaltsort ihrer Verwandten oft bekannt. In der Regel sind es die Kommune, in der die unbegleiteten Minderjährigen das erste Mal registriert werden, die sich per Umverteilungsantrag darum kümmern, dass sie bei ihren Verwandten in anderen Städten unterkommen.

Viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kommen ohne Pass. Wie lässt sich dann überhaupt nachweisen, dass sie tatsächlich auch bei Verwandten und nicht bei Fremden untergekommen sind? Die Frage kam am Montag im Jugendhilfeausschuss auf. Ein Nachweis sei tatsächlich problematisch, erklärte der Fachbereich. Man schaue nach, ob die Minderjährigen gut untergebracht sind, wieweit ein vertrautes Verhältnis erkennbar ist und ob sie sich gut aufgehoben fühlen. Die Amtsvormundschaft liege dabei immer bei der Stadt und die entscheide auch letztlich, ob das Kind in der Familie bleiben darf. Eine Unterbringung bei Verwandten ist jedoch immer die bessere Wahl. Nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Stadt. Der Aufwand für die Betreuung wird dadurch naturgemäß geringer.

Von den 20 der Stadt Schwelm bisher zugewiesenen minderjährigen Flüchtlingen leben acht bei Verwandten. Die restlichen zwölf verteilen sich auf Unterbringungseinrichtungen, die auf die Betreuung von jugendlichen Flüchtlingen spezialisiert sind. Eine davon befindet sich in Schwelm. In ihr sind sieben Minderjährige untergebracht. Die übrigen fünf minderjährigen Flüchtlinge sind auf Einrichtungen in anderen Städten verteilt. Da für sie ein besonderer Schutz gilt, dürfen sie nicht in Sammelunterkünften untergebracht werden.

Besondere Fürsorgepflicht

Die besondere Fürsorgepflicht macht eine intensive Betreuung erforderlich, die in den Einrichtungen zu einem Verhältnis von einem Betreuer auf zwei Betreute führt. Die Kosten für Unterbringung und Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen summieren sich dadurch auf 100 bis 200 oder mehr Euro täglich, was deutlich teurer als die Unterbringung und Betreuung erwachsener Flüchtlinge ist. Allerdings, so Fachbereichsleiter Peter Eibert, ist die Finanzierung auch erheblich besser geregelt. Die Stadt bekommt die Kosten bei den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zu 100 Prozent voll erstattet, während die Kosten für erwachsene Flüchtlinge mit einer Kopfpauschale beglichen wird, wobei sich noch zeigen muss, ob das am Ende auch reicht.

Zusammenarbeit der Städte

Wegen der höheren Anforderungen bei Unterbringung und Betreuung und vor dem Hintergrund knappen Wohnraumes, aber auch aufgrund eines eklatanten Fachkräftemangels beim Betreuungspersonal gehen immer mehr Städte Kooperationen ein. So auch im Südkreis, wo Ennepetal, Gevelsberg, Schwelm und Sprockhövel jetzt zusammenarbeiten. Gemeinsam mit der AG 78 Schwelm setzte man sich im Dezember mit rund 30 Einrichtungsträgern an einen Tisch, um über Lösungen zu sprechen. Die Verwaltung sicherte dem Jugendhilfeausschuss am Montag zu, das Gremium regelmäßig über die Situation der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge auf dem Laufenden zu halten.