Flüchtlinge kommen in Hasperbach an

Die Stadt Ennepetal hat die Wohnhäuser Hagener Straße 240 und 242 in Hasperbach für die Unterbringung von Flüchtlingen angemietet.
Die Stadt Ennepetal hat die Wohnhäuser Hagener Straße 240 und 242 in Hasperbach für die Unterbringung von Flüchtlingen angemietet.
Foto: WP

Ennepetal..  Um dem verstärkten Zustrom von Flüchtlingen Herr zu werden, hat die Stadt Ennepetal zwei Mehrfamilienhäuser in Hasperbach angemietet. Insgesamt neun Wohnungen stehen in den beiden Gebäuden zur Verfügung, bis zu 55 Menschen können dort Platz finden. Gestern besuchte Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen gemeinsam mit Vertretern aus Politik und Verwaltung die Häuser, um sich ein Bild von den Gegebenheiten zu machen und die bereits dort eingezogenen Bewohner zu begrüßen.

Derzeit leben in Ennepetal 188 Flüchtlinge – Tendenz stetig steigend. Die Gemeinschaftsunterkünfte an der Heimstraße sind mit mehr als 70 Bewohnern voll belegt. „Wir sind daher sehr froh, dass wir diese Gebäude anmieten konnten. Wenn wir die nicht hätten, stünden wir mit dem Rücken an der Wand“, erklärte Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen, der sich gestern gemeinsam mit CDU-Ratsfrau Gisela Werrn und dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Volker Rauleff die Situation vor Ort ansah. Von den neun Wohnungen sind schon nach wenigen Wochen vier belegt. Ende Juli, Anfang August, so die Prognose, werden beide Häuser voll belegt sein. „Wir sind daher weiterhin auf der Suche nach geeigneten Wohnungen im Stadtgebiet“, erklärte der Bürgermeister.

Vor allem Familien untergebracht

Vor allem Familien werden in Hasperbach untergebracht. Genau wie an der Heimstraße dienen die frisch renovierten Wohnungen, die jeweils von mehreren Familien – insgesamt in der Regel mit sechs oder sieben Personen – belegt werden, als Übergangsunterkünfte. „Unsere Strategie ist es, die Menschen möglichst dezentral unterzubringen“, so Wilhelm Wiggenhagen. Das heißt, dass sie nach einer Zeit der Orientierung möglichst eine eigene Wohnung erhalten, die von der Stadt oder auch im eigenen Namen angmietet wird.

„Es ist nicht möglich, dass jemand sofort eine eigene Wohnung bezieht“, erklärt Michael Schmidt, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Jugend und Soziales. Zum einen seien die Menschen noch nicht orientiert, sowohl räumlich als auch in Bezug auf alltägliche Anforderungen, zum anderen fehlten ihnen die Sprachkenntnisse. In den Gemeinschaftsunterkünften werde auch mit den Bewohnern geklärt, welche Schule Kinder im schulpflichtigen Alter besuchen und wie jüngere Kinder gegebenenfalls betreut werden können. Ist die Zeit der Orientierung erfolgreich abgeschlossen, können sie umziehen.

Zumeist teilen sich zwei Personen ein Zimmer, einige haben auch Einzelzimmer. Die sanitären Einrichtungen setzen die zahlenmäßige Grenze. „Mehr als acht Leute können sich kein Bad teilen“, erklärt Michael Schmidt. Die Wohnungen seien mit einfachen Möbeln aus dem Discounter ausgestattet. In diesem Zusammenhang erklärt Schmidt, dass Spenden, beispielsweise aus Haushaltsauflösungen, von der Stadt nicht angenommen werden können. Zum einen müssten die Bewohner flexibel sein, wenn ein Umzug ansteht. „Dass machen dann unsere Mitarbeiter vom Betriebshof. Die können nicht erst stundenlang Möbel auseinanderbauen oder einen schweren Eichenschrank transportieren.“ Zum anderen sei es auch schwierig, solche Spenden passgenau zu vergeben. Wenn einer einen Fernseher bekomme, sei es anderen nicht zu erklären, warum sie keinen erhalten.

Lob für Willkommenskultur

Beim Besuch in Hasperbach lobten Wilhelm Wiggenhagen und Michael Schmidt gestern die dort herrschende Wilkommenskultur. Es gebe viel Unterstützung aus der Bevölkerung. Volker Rauleff berichtete, dass eine mongolische Familie, die als erste an der Hagener Straße eingezogen war, bereits im TuS Haspetal aktiv sei. Die Frau nehme mit ihrem kleinen Kind am Babyturnen teil, der Vater sei beim Willi-Comin-Lauf am Samstag dabei gewesen. Ein Sommerfest mit den Aktiven des Kinderschutzbunds und des TuS Haspetal ist auch geplant.

„Wenn es Probleme gibt, dann werden schnell Gespräche geführt“, erklärte Volker Rauleff zudem. Dadurch könne das Ausufern von Konflikten vermieden werden. Die Herangehensweise habe sich auch schon beim Zuzug der Roma-Familien im vergangenen Jahr bewährt. Schon bei der Belegung versuchen die städtischen Mitarbeiter um Flüchtlingsbetreuerin Sevinç Yildirim darauf zu achten, dass es menschlich und kulturell in den Wohnungen passt. Momentan leben Menschen aus der Mongolei, Somalia, Sri Lanka, Albanien, Armenien, Georgien, Serbien und dem Kosovo in Hasperbach.

Auch der Kinderschutzbund, der schon lange an der Heimstraße sehr aktiv ist, engagiert sich bereits in Hasperbach. Unter anderem knüpfen die Mitarbeiterinnen Christel Dhar und Anica Bröker Kontakte zu den Familien. Geplant ist, dass Betreuungs- und Freizeitangebote für Kinder und Erwachsene eingerichtet werden. Dafür soll in der ehemaligen Grundschule Haspetal ein Raum genutzt werden. Außerdem möchte der Kinderschutzbund ein Müttercafé einrichten, für das derzeit noch ein geeigneter Ort gesucht wird.

INFO:

Die Stadt Ennepetal benötigt weitere Wohnungen und auch Mehrfamilienhäuser, die für die Unterbringung von Flüchtlingen angemietet werden können.

Gezahlt wird die ortsübliche Miete, zudem werden die Bewohner von städtischen Mitarbeitern, die bei Problemen ansprechbar sind, betreut.

Wer Wohnraum anbieten kann, wird gebeten sich bei Michael Schmidt im Rathaus zu melden: 02333/979-285, E-Mail: mschmidt@ennepetal.de