Flüchtlinge beschäftigen Kinderschutzbund

Petra Backhoff, Maren Heidemann und Sabine Spruth im „Bärti“.
Petra Backhoff, Maren Heidemann und Sabine Spruth im „Bärti“.
Foto: WP

Ennepetal..  Seit etwas mehr als einem Jahr ist der Kinderschutzbund mit seinem „Bärti“ nun im ehemaligen Ladenlokal der Buchhandlung Bäcker an der Voerder Straße 58 beheimatet. Und so, wie sich die Institution räumlich vergrößert hat, so wuchsen auch die Aufgabenfelder während der vergangenen Monate rasant. Vor allem die Betreuung von Flüchtlingen nimmt mittlerweile viel ehrenamtliche Arbeitszeit in Anspruch. Doch auch alle anderen Aufgaben müssen weiterhin uneingeschränkt bewältigt werden.

„Wir sind schon wie eine kleine Behörde“, meint Petra Backhoff vom Vorstandsteam des Kinderschutzbunds. Umso glücklicher ist sie, dass sie gerade mit Maren Heidemann eine neue Kraft begrüßen konnte. Die junge Mutter, die in Rüggeberg wohnt, ist seit gut einem Monat dabei und wird Petra Backhoff administrative Unterstützung liefern. „Wir freuen uns über Spenden“, sagt Petra Backhoff. „Aber wir freuen uns auch über Unterstützung bei der Arbeit“, fährt das Vorstandsmitglied fort.

Herzstück des Kinderschutzbunds ist das „Bärti“. Die Räume sind nicht nur der Umschlagplatz für Kinderkleidung, Spiele und Spielsachen, Kinderbücher und Zubehör wie Kinderwagen sowie „Verwaltungssitz“, sondern werden auch für die vielfältigen Angebote wie Familienhilfe und -beratung, Gesprächsreihen und Vorträge, Schul- und Lernhilfe, Kinderfeste und -aktionen oder Elternkurse genutzt. „Der Umzug war fabelhaft“, resümiert Petra Backhoff. „Wir sind Margit Bäcker sehr dankbar, insbesondere auch, weil sie uns die tolle Einrichtung überlassen hat. Vorstandskollegin Sabine Spruth pflichtet ihr bei: „In dem großen Schaufenster können wir auch Kleinmöbel und Kinderwagen präsentieren. Und das Platzangebot macht es möglich, ungestört vor dem Bücher- oder Spieleregal zu stehen.“ Die Besucher würden viel mehr Zeit im „Bärti“ verbringen als zuvor im vorherigen, doch sehr beengten Ladenlokal gegenüber. Auch aus den Nachbarstädten habe man viele Kunden. Nicht zuletzt mache der benachbarte Spielplatz den Standort ideal.

Aktuell sind Spielsachen gefragt

„Das ,Bärti’ soll ja auch eine Drehscheibe für Informationen sein“, sagt Petra Backhoff – „ein niederschwelliges Angebot.“ Und das gelte auch im Wortsinne, denn auch mit Kinderwagen könne man den Laden problemlos betreten und habe genug Platz darin.

Petra Backhoff betont, dass jeder im „Bärti“ kaufen dürfe. „Davon lebt das ganze System.“ Schließlich werden so Einnahmen erzielt, die der Arbeit des Kinderschutzbunds zugute kommen. Aktuell fehlen übrigens gut erhaltene Kinderspielsachen. „Da hatten wir früher mehr hochwertige Dinge“, sagt sie und appelliert, Spielzeug zu spenden, statt es in den Sperrmüll zu stellen. Auch Schulbücher, die nicht mehr benötigt werden, können im „Bärti“ abgegeben werden.

Vorübergehend bittet der Kinderschutzbund auch um die Abgabe gut erhaltener Herren- und Damenbekleidung im „Bärti“. Man wolle „Bärta“, den Laden für Erwachsenensachen an der Loher Straße, entlasten, so Petra Backhoff. Der platzt nämlich zurzeit aus allen Nähten. Die Kleiderspenden sollen an Flüchtlinge weiter gegeben werden.

Ein neues Projekt ist derzeit in Planung: ein Tauschschrank. Dieser soll vor dem „Bärti“ aufgestellt werden. „So gut wie alles, nicht nur Kindersachen“ könne dann dort getauscht werden, erklärt Petra Backhoff.

Nicht annehmen kann der Kinderschutzbund Hausrat. „Wir bekommen immer wieder etwas angeboten“, so Backhoff. Man habe aber keinen Transporter, keine Mitarbeiter dafür und auch kein Lager. „Wir denken derzeit aber darüber nach, das Problem zu lösen. Dafür müssen wir aber andere mit ins Boot holen.“ Der Bedarf sei jedenfalls vorhanden, und das nicht nur für Flüchtlinge. „Wir haben gerade erst eine Familie mit Matratzen versorgt, deren Kinder bis dahin auf dem Boden geschlafen hatten“, erklärt Petra Backhoff. Zwar sei die Betreuung und Unterstützung von Flüchtlingen derzeit ein Riesenthema, „das heißt aber nicht, dass wir uns nicht mehr um andere kümmern, die Unterstützung brauchen.“ Nicht zuletzt sei man seit eineinhalb Jahren auch in Breckerfeld aktiv.

30 Flüchtlingspaten ausgebildet

Mehr als 80 ehrenamtliche Mitarbeiter hat der Kinderschutzbund derzeit. Viele davon kamen über das Flüchtlingspatenprojekt hinzu. In bisher zwei Kursen wurden in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum mehr als 30 Paten ausgebildet, die sich um die Betreuung von Flüchtlingen in den Unterkünften an der Heimstraße und nun auch in Hasperbach kümmern. Für die Menschen, die voraussichtlich ab Herbst in der Albert-Schweitzer-Schule in Oberbauer untergebracht werden sollen, geht Petra Backhoff davon aus, dass Paten über andere Institutionen aktiv würden. Sie betont, dass der Kinderschutzbund dabei auch an seine Grenzen stoße, denn auch die Begleitung der Paten müsse gewährleistet sein.

INFO:

Der Kinderschutzbund Ennepetal freut sich über aktive Helfer, Mitglieder und Spenden.

Kontakt: Deutscher Kinderschutzbund e.V., Ortsverband Ennepetal, Voerder Straße 58, 58256 Ennepetal, Tel. 02333/8384838, E-Mail: info@kinderschutzbund-ennepetal.de.

Die Öffnungszeiten des „Bärti“ an der Voerder Straße 58: montags bis samstags jeweils von 10 bis 13 Uhr sowie dienstags, donnerstags und freitags zusätzlich von 15 bis 18 Uhr.

Spendenkonto: Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld, BIC: WELADED1ENE, IBAN: DE 59 4545 1060 0000 0643 03.