Faustschlag tötet 17-jähriges Opfer

Gevelsberg..  Gerichtsmedizinische Gutachten haben am Donnerstag ergeben: Der junge Mann, der nach einer Schlägerei auf dem Vendômer Platz in Gevelsberg zusammengebrochen war, starb unmittelbar an den Folgen eines Faustschlages.

Es ist eine der seltensten Verletzungen, die überhaupt möglich sind. Dem 17-jährigen Gevelsberger wurde sie im März bei einer Schlägerei mit dem damals 20-jährigen Angeklagten zum Verhängnis. Die beiden jungen Männer hatten sich heftig gestritten. Ob es um Mädchen ging oder um Drogen, ist unklar. Klar ist nur, dass der Angeklagte dem jungen Mann einen Faustschlag gegen die untere Gesichtshälfte versetzte. Und dieser Schlag löste eine heftige und unnatürliche Drehung des Kopfes aus. Zu diesem Schluss kam der Experte Dr. Volkmar Hans des Universitätsklinikums Essen. Er hatte das Gehirn des Verstorbenen von dem Pathologen Dr. Ralf Zweihoff, der die Obduktion vornahm, zur gesonderten Untersuchung erhalten.

Infolge der heftigen und vor allem schnellen Drehung kam es dazu, dass eine wichtige Arterie im Hirnstamm riss. Der Riss blutete sofort in das Gehirngewebe ein und der Blutdruck fiel stark ab. Der junge Mann brach zusammen. „Solche Verletzungen entstehen normalerweise durch angeborene Anomalien oder Arterienverkalkung. Deshalb sollte ich das Gehirn gesondert auf solche Anomalien untersuchen. Aber ich konnte beides ausschließen“, so Dr. Hans.

Unglückliche Verquickung

Der Experte führte weiter aus, dass solche Hirnverletzungen extrem selten sind. „Wären sie die Regel, müssten sämtliche Boxwettkämpfe verboten werden. Es war eine unglückliche Verquickung mechanischer Vorgänge.“

Das bedeutet aber auch: Als der 17-Jährige zusammenbrach und mit dem Kopf auf dem Betonpoller aufschlug, war sein Schicksal bereits besiegelt. „Solch eine Verletzung führt ganz schnell zum Tode. Im Hirnstamm kann nicht mehr operiert werden“, so das Fazit des Gutachters.

Eine Notärztin (36) bestätigte im Zeugenstand: Als sie eintraf, kam für den 17-jährigen Gevelsberger jede Hilfe zu spät.

Der Angeklagte hatte damals den Ernst der Verletzung offenbar völlig verkannt. Er war sofort von der Bildfläche verschwunden. Polizeibeamte griffen ihn etwas später auf dem Weg nach Hause auf. Ein Polizeibeamter beschrieb die Szene wie folgt: „Er telefonierte gerade. Als er uns sah, war er wie erstarrt.“ Aber ihm sei sofort klar gewesen, weshalb die Beamten da waren und habe trotz Belehrung über sein Schweigerecht viel über den Streit geredet und auch geweint.

Als er erfuhr, welche schrecklichen Folgen der eine Schlag hatte, den er bereits durch seinen Verteidiger Dieter Kaufmann vor Gericht zugegeben hat, war er emotional sehr mitgenommen. „Ich glaube, es war ein Schock für ihn. Er konnte es nicht glauben“, berichtete eine Polizeibeamtin (45) am Donnerstag im Zeugenstand.

Wie sich der Angeklagte momentan fühlt, ist schwer aus seiner versteinerten Miene herauszulesen. Aber Dieter Kaufmann kündigte gestern an, dass sein Mandant heute über den Vorfall sprechen will. „Es ist für ihn nicht so einfach“, erklärte Kaufmann. Und der junge Mann seufzte schwer.