Fantastische Mini-Welten des Manfred May

Der ehemalige Stadtplaner von Gevelsberg, Manfred May, baut sogenannte Dioramen, bei denen auf einer begrenzten Fläche bestimmte Situationen im Modell dargestellt werden. Zahlreiche seiner Werke sind ausgezeichnet worden.
Der ehemalige Stadtplaner von Gevelsberg, Manfred May, baut sogenannte Dioramen, bei denen auf einer begrenzten Fläche bestimmte Situationen im Modell dargestellt werden. Zahlreiche seiner Werke sind ausgezeichnet worden.
Foto: WP

Gevelsberg..  Marvin, der Enkel von Manfred May ist zu beneiden. Wenn der Siebenjährige seinen Opa besucht, dann kommt er in eine fantastische Welt. Nicht nur die Modelleisenbahn lässt Kinderherzen höher schlagen. Der pensionierte Gevelsberger Stadtplaner entwirft und baut traumhafte Welten im Modellformat von 1:87.

An den Wänden in seiner Hagener Wohnung hängen die Urkunden, die seine Erfolge dokumentieren. Dioramabau nennt sich die Kunst, auf einer beim Wettbewerb vorbestimmten Fläche ein Thema mit einem Modell auszudrücken. Veranstalter der kreativen und handwerklichen Vergleichskämpfe zwischen den Modellbauern sind Fachzeitschriften wie das Eisenbahn- oder das Märklin-Magazin.

Thema wird vorgegeben

„Der Märklin-Wettbewerb findet zum Beispiel alle zwei Jahre statt. Es wird ein Thema vorgegeben. Zuletzt zum Beispiel Freizeit. Die Grundfläche muss 38 mal 38 Zentimeter sein. Natürlich muss bei Märklin immer ein Zug oder ein Waggon dabei sein.“, erklärt der 75-Jährige. Die strengen Juroren wollen dann erst einmal einen Entwurf sehen. Manfred May reichte eine Winterlandschaft ein: „Zu jedem Wettbewerb gibt es immer so um die hundert Teilnehmer. Sie kommen aus ganz Europa und sogar aus Übersee.“ 20 Bewerber können dann ihre Entwürfe als Modell verwirklichen. Die Hälfte davon durfte das Ergebnis auf der Internationalen Modellbahn-Ausstellung in Göppingen den strengsten Juroren, die es überhaupt gibt, präsentieren: Den Messebesuchern. Rund 61 200 Menschen besuchten die Ausstellung und durften über den Sieger des Wettbewerbs abstimmen.

Zwei Monate lang hatte Manfred May an seiner Schneelandschaft gearbeitet. Normalerweise ist er auf den ersten und zweiten Platz abonniert. Diesmal langte es „nur“ zu Platz 5. Der Städtebauer, der 32 Jahre für und in der Stadt Gevelsberg gearbeitet hat, glaubt auch den Grund zu kennen: „Die Menschen haben nicht kapiert, dass man die Grundfläche auch drehen kann.“ Dann kommt zum Beispiel eine beleuchtete Tropfsteinhöhle zum Vorschein.

„Beleuchtung und Elektronik sind ganz wichtig, um in einem Wettbewerb weiter zu kommen“, verrät der Bastler. Und auch, gute Ideen zu haben. Da kann es schon einmal sein, dass Opa seinem Enkel Marvin ein Figürchen aus dem Überraschungsei abschwatzt, „weil ich es gut gebrauchen kann.“ Eine alte Briefmarke aus der DDR verwandelt sich in seinen Modellen zu einem großen Plakat. Grafiken müssen in einem Kopiershop dramatisch verkleinert werden, um in die Modellwelt zu passen.

Bei einem Wettbewerb des Eisenbahn-Magazins ging es um stillgelegte Bahnstrecken. Hier durften die Modelle nur die Grüße eines Schuhkartons, also 30 mal 15 Zentimeter, haben. Manfred May lies sich ein Motiv einfallen, wie es in Gevelsberg vielleicht bald in Originalgröße zur Attraktion werden könnte: Einen Fuß und Radweg über ein historisches Viadukt. Daneben steht ein Wirtshaus. May gewährt dem Publikum Einblicke. Es gibt eine Menge zu entdecken. Der Wirt an der Theke, die Gäste davor. Eine Frau sitzt auf der Toilette. Selbst, dass sie den Schlüpfer bis an die Waden herunter gezogen hat, ist zu erkennen. „Die Kunst ist auch, sich Situationen auszudenken und sie nachzustellen“, erklärt May.

Und weil ihm das Spaß macht, hat Manfred May das Mini-Diorama erfunden. Es ist so groß wie ein Bierdeckel. Als Kuppel nimmt der Bastler den Einsatz eines runden Teeglases. Diese Werke sind dazu gedacht, anderen Menschen eine Freude zu machen: „Da werden Situationen aus dem Leben eines Beschenkten nachgestellt.“

Das kann zum Beispiel eine Hochzeit sein. Ein Geburtstagskind, das gerne angelt, freut sich aber sicherlich auch über eine Darstellung von sich selbst an einem rauschenden Bach. 55 dieser Mini-Dioramen hat Manfred May bereits geschaffen. 40 davon sind inzwischen aus freudigen Anlässen in der ganzen Welt verteilt worden. In dieser Beziehung ist der 75-Jährige zu beneiden: Er braucht nicht groß darüber nachzudenken, was er schenken soll.

Und was rät er nun denjenigen, die vielleicht mit dem Basteln beginnen wollen? „Nie unter Zeitdruck arbeiten und immer die Ruhe bewahren. Ich habe damit erst begonnen, als ich in den Ruhestand gegangen bin. Neben dem Beruf hätte ich das nicht geschafft.“