Familientradition endet nach 112 Jahren

Udo Vaupel, gemeinsam mit seinem Vetter Horst Markus geschäftsführender Gesellschafter der Gebr. Vaupel GmbH Hoch- und Tiefbau aus Ennepetal. Das Unternehmen stellt seinen Betrieb ein, da die Inhaber langfristig keine Möglichkeit sehen, wirtschaftlich und zugleich qualitativ hochwertig zu arbeiten.
Udo Vaupel, gemeinsam mit seinem Vetter Horst Markus geschäftsführender Gesellschafter der Gebr. Vaupel GmbH Hoch- und Tiefbau aus Ennepetal. Das Unternehmen stellt seinen Betrieb ein, da die Inhaber langfristig keine Möglichkeit sehen, wirtschaftlich und zugleich qualitativ hochwertig zu arbeiten.
Foto: WP

Ennepetal..  Nach 112 Jahren in Familienbesitz stellt die Bauunternehmung Gebr. Vaupel GmbH ihr operatives Geschäft ein. Das bedeutet, dass nur noch die bereits begonnenen Maßnahmen fertig gestellt werden, aber keine neuen Aufträge mehr angenommen werden. „Wir ziehen uns bewusst, geplant und strukturiert zurück“, erklärt Udo Vaupel, der gemeinsam mit seinem Vetter Horst Gesellschafter des Unternehmens ist. Alle Mitarbeiter hätten mittlerweile neue Arbeitsstellen gefunden. Die GmbH werde bestehen bleiben, so dass alle Objektfertigstellungen und etwaige Gewährleistungsansprüche erfüllt werden können.

Qualitätsanspruch nicht zu halten

„Es tut weh. Das ist ein Schritt, den keiner gerne macht, gerade wenn ein Unternehmen so eine lange Tradition hat“, sagt Udo Vaupel. „Aber eine wirtschaftliche Durchführung von Baumaßnahmen ist uns nicht mehr möglich, wenn man für sich selbst einen bestimmten Qualitätsanspruch hat.“ Zu viele Unternehmen auf dem Markt würden mit Subunternehmern von irgendwo her arbeiten, die billige Kräfte beschäftigten. Dadurch werde das Preisniveau soweit gedrückt, dass man mit gut ausgebildeten und entsprechend bezahlten Mitarbeitern nicht mithalten könne. „Wir hatten anfangs mal die Idee, wenn alle mit Subunternehmern arbeiten, machen wir das auch“, meint Udo Vaupel. „Aber auf diese Weise kann man nur den Qualitätslevel erreichen, der heute offenbar üblich ist.“

Mitarbeitern neue Stellen vermittelt

Die Gebr. Vaupel GmbH habe zwar einige gute Stammkunden, die bereit seien, etwas mehr zu zahlen, weil sie wüssten, dass am Ende dann auch die Qualität stimmt. Das reiche aber nicht, um dauerhaft wirtschaftlich arbeiten zu können. Man habe schon einige innerbetriebliche Umstrukturierungen durchgeführt, erklärt Udo Vaupel. So stellte das Unternehmen schon vor einigen Jahren den Bereich Tiefbau ein. Letztlich sähen er und sein Vetter aber keine Möglichkeit, das Unternehmen weiter zu führen, ohne Qualitätsabstriche hinzunehmen oder irgendwann in finanzielle Schwierigkeiten zu kommen.

Nachdem Udo und Horst Vaupel gemeinsam den Beschluss gefasst hatten, den Betrieb einzustellen, wurde allen 25 Mitarbeitern gekündigt – überwiegend mit einer Frist von sieben Monaten zu Ende Februar. Das führte naturgemäß zu Unruhe und Verunsicherung. „Wir haben es aber geschafft, dass allen Mitarbeitern unter Wahrung ihres sozialen Besitzstandes eine neue Beschäftigung angeboten wurde“, betont Udo Vaupel. Er und sein Vetter hätten ihre Kontakte genutzt und die meisten Kräfte im Kollegenkreis untergebracht. „Ich wäre ja ein schlechter Chef, wenn ich nicht sagen könnte, dass wir nur gute Leute haben“, meint Udo Vaupel. „Und gute Leute kann man auch gut vermitteln.“

Auch für die beiden Firmeninhaber geht es im Berufsleben weiter. Horst Vaupel (51) arbeitet seit Beginn diesen Monats als Bauleiter für eine Bauunternehmung in Bochum. Udo Vaupel (60) intensiviert die Arbeit in seinem schon lange existierenden Ingenieurbüro. „Ich bin als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger aktiv“, erklärt er. Zudem ist er ehrenamtlich bei der Kreishandwerkerschaft Ruhr, der Baugewerbe-Innung Ruhr, den Bauverbänden Westfalen und dem Zentralverband des Baugewerbes in Berlin tätig.

Vorgehensweise verblüfft Kollegen

Der geordnete Rückzug ihres Bauunternehmens habe für große Verblüffung im Kollegenkreis gesorgt, berichtet Udo Vaupel. Eine solche Art der Geschäftsabwicklung sollte seiner Meinung nach das Normale sein, sei aber leider nicht der Regelfall. Nicht wenige ließen ihre Firma im Zweifel in die Insolvenz gehen. „Wir wollten die Firma so abwickeln, dass wir nirgendwo Schulden hinterlassen“, betont Udo Vaupel. Das sei nicht ganz einfach gewesen und habe Zeit, Nerven und Geld gekostet. „Wir sind noch nicht am Ziel“, erklärt er, „meinen aber nach wie vor, dass dieser Weg für alle Beteiligten der Richtige ist.“