Evangelische Kirche steht vor einem Umbruch

Ennepetal/Schwelm..  Die Zeiten werden hart für die evangelische Kirche. „Die Gemeinden und damit der Kirchenkreis befinden sich in einem Schrumpfungsprozess großen Ausmaßes“, analysierte Superintendent Hans Schmitt in seinem Jahresbericht. „Der Trend, dass wir jährlich etwa 1000 Gemeindeglieder verlieren, setzt sich ungebrochen fort. In Prozent: Zurzeit verlieren wir 2,49 Prozent der Gemeindeglieder pro Jahr.“

Im Mai habe der Kirchenkreis noch 42 361Gemeindeglieder gehabt, erklärte der Superintendent. Das sei ein Rückgang von 1080 Menschen im Vergleich zum Vorjahr. Er wolle mit diesen Zahlen keine trübe Stimmung und Resignation erzeugen, lenkte Schmitt die Blicke auf die sechs Handlungsfelder, die laut EKvW (Evangelische Kirche von Westfalen) einen handlungsfähigen Kirchenkreis ausmachen:
Gottesdienst, Kirchenmusik und Kultur.
Seelsorge und Beratung.
Diakonie und gesellschaftliche Verantwortung.
Mission und Ökumene.
Bildung und Erziehung.
Leitung (einschließlich Öffentlichkeitsarbeit) und Verwaltung.

„Ich muss nicht lange erläutern, dass unser Kirchenkreis alle sechs Handlungsfelder gut ausgestaltet hat – zum Teil schon seit Jahren in Kooperation mit den Nachbarn. So sind wir zurzeit noch funktionsfähig“, sagte Schmitt. Aber der Kirchenkreis und seine Gemeinden müssten sich den Entwicklungen stellen und bei schwindenden Ressourcen frühzeitig Konzepte entwickeln, wie die Gemeinden und der Kirchenkreis in Zukunft aussehen sollen und welche Aufgaben sie angehen wollen, stellte Superintendent Hans Schmitt in seinem Jahresbericht fest.

Im Anschluss an den Bericht vertieften die Synodalen in Arbeitsgruppen das Thema „Zukunft des Kirchenkreises“ und beschlossen, dass die Gemeinden im Kirchenkreis gebeten werden, bis März nächsten Jahres unter anderem zu folgenden Fragen Stellung zu nehmen: Ist das haupt- und nebenamtliche Personal vor dem Hintergrund schrumpfender Ressourcen gut eingesetzt? Wie sieht es mit der Gewinnung und Betreuung der Ehrenamtlichen aus? lnwieweit kann der Kirchenkreis die Gemeinden bei ihren Aufgaben (besser) unterstützen?

Außerdem beschloss die Synode einstimmig, in Zukunft bei einer Neubesetzung einer vollen Pfarrstelle die Richtzahl 2850 Gemeindeglieder anzusetzen. Auch für die Gemeindepädagogenstellen in den Gemeinden wurde eine Richtzahl festgesetzt: Auf 8000 Gemeindeglieder soll eine Stelle kommen. Auf der Sommersynode 2016 soll dann das Thema weiter vertieft und diskutiert werden.

Auf Antrag der Evangelischen Kirchengemeinde Haßlinghausen-Herzkamp-Silschede beschloss die Synode, den Kreissynodalvorstand damit zu beauftragen, mit den Landtagsabgeordneten des EN-Kreises in Gespräche zu treten, um auf das Problem der weit verbreiteten strukturellen Unterfinanzierung der Kindertagesstätten nach dem im Landtag beschlossenen Kinderbildungsgesetz (Kibiz) hinzuweisen. Ziel solle sein, auf eine ausreichende und verlässliche Finanzierung hinzuwirken.

Die nächste Sitzung der Kreissynode findet am 4. Dezember statt. Dann werden sich die Synodalen in erster Linie mit der Haushaltsplanung für 2016 beschäftigen.