„Es war immer die Angst im Hintergrund, dass was passiert“

Ennepetal..  Landgericht Hagen – Mordprozess gegen den Mann (48), der im September in Rüggeberg seine Ex-Frau durch vier Stiche in den Brustkorb umgebracht haben soll. Im Zeugenstand sitzt der Bruder (42) der Getöteten.

„Wie war die Beziehung zwischen Ihrer Schwester und dem Angeklagten?“, will Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen von ihm wissen. „Es hat sich“, erwidert der Friseur mit eigenem Salon, „in den Jahren immer mehr verschlechtert.“

2006, kurz nach der Fußballweltmeisterschaft, ging das los. „Meine Schwester hat sich beschwert. Sie war sehr unzufrieden mit der Ehe.“

„Den Schmerz kriegt ihr alle wieder“

Zu dem Zeitpunkt habe sie auch erstmals über eine Trennung nachgedacht. Der Zeuge schluckt: „Sie war nicht mehr glücklich.“ Doch es gab da ein Hindernis – der gemeinsame Sohn (18). „Sie wollte dem Jungen unbedingt eine Familie erhalten.“

Dann der Tag im Jahr 2008, als ein heftiger Faustschlag des Angeklagten seiner Schwester das Nasenbein brach. Zuvor hatte sie ihm gesagt, dass sie sich von ihm trennen wolle. „Es gibt keine Trennung!“, hätte er geantwortet und zugeschlagen.

„An dem Morgen, wo das passiert ist“, erinnert sich der Bruder mit brüchiger Stimme, „da sah ich ihr Gesicht in allen Farben.“

Erst 2011 habe sich seine Schwester endgültig vom Angeklagten getrennt. Der habe danach gedroht: „Den Schmerz, den ich gekriegt habe, den kriegt ihr alle noch wieder.“

Angeklagter macht sich Notizen

Seine Schwester lebte in der Folgezeit in ständiger Angst vor dem aggressiven Mann, der sie einfach nicht in Ruhe lassen wollte und immer wieder vor der Tür stand, „über zwei Jahre. Sie hat immer gesagt: Irgendwann muss das doch mal aufhören. Es war immer die Angst im Hintergrund, dass irgendwas passiert.“

Der Angeklagte, bullig korpulent, mit kurz geschorenem Haar. Er wirkt während der Aussage seines ehemaligen Schwagers geradezu gelangweilt, macht sich eifrig Notizen.

Derweil erinnert sich der Zeuge unter Schluchzen, wann er seine Schwester das allerletzte Mal sah: „Am Tattag, mittags um halb eins. Sie verabschiedete sich von mir mit den Worten: Bis gleich, Brüderchen.“