Erstklassiges Konzert macht Vielfalt von Bach zum Hörgenuss

„Nicht alle Musiker glauben an Gott, aber alle glauben an Bach“: Thomas Günther  spielte am Samstag unter anderem das Italienische Konzert.
„Nicht alle Musiker glauben an Gott, aber alle glauben an Bach“: Thomas Günther spielte am Samstag unter anderem das Italienische Konzert.
Foto: WP

Schwelm..  Eigentlich sollten zweitägige Meisterkurse mit dem Konzert des Pianisten und dem der Kursteilnehmer eine große Bach-Einheit bilden. „Leider haben sich nur wenige Teilnehmer für den Kurs gemeldet“, bedauerte Organisator Roland Hornig von der Kulturfabrik. Aber was nicht ist, kann wachsen.

Spielerisch-leicht, fast übermütig

Dazu trug jedenfalls das erstklassige Konzert von Thomas Günther am Samstagabend bei. „Nicht alle Musiker glauben an Gott, aber alle glauben an Bach“ - so zitierte der Pianist Mauricio Kagel zu Beginn. Und er präsentierte ein äußerst abwechslungsreiches Programm, das die vielfältigen Kompositions-Facetten des Barock-Genies zeigte.

Das „Italienische Konzert“ (BWV 971) und die „Französische Ouvertüre“ (BWV 831) aus dem 2. Teil der Klavierübung bilden die Rahmenpunkte: Spielerisch-leicht, fast übermütig klingen die Ecksätze im italienischen Stil, kontrastiert von der empfindsamen Kantilene im langsamen Mittelsatz. Günther spielt sehr klar, fast sachlich, lässt keine romantisierenden Ausbrüche zu und wird damit der Musik im hohen Maße gerecht.

Kein Gegner der Pedal-Benutzung

„Ich bin kein puristischer Gegner der Pedal-Benutzung“, sagte er eingangs, „nur darf man es nicht hören.“ Dem trägt er auch in der Suiten-Folge von Tanzsäten im französischen Stil Rechnung: In der fließenden Courante mit eigentümlich verschatteter Stimmung, der gewichtig schreitenden Gavotte oder der munter hüpfenden Gigue. Die zentrale, grüblerische Sarabande nimmt Günther mit großem Ernst. Von den 24 Stücken des zweiten Bandes „Das Wohltemperierte Clavier“ stellt der Pianist fünf Satzpaare „Präludium und Fuge“ vor. Bach hält trotz der gleichmachenden „neuen“ Stimmung an der Tonarten-Charakteristik fest: Jubelnd-festliches D-Dur, melodisch-ausdrucksvolles fis-Moll oder freundlich-strahlendes A-Dur arbeitet Günther mit uneitlem Spiel heraus. Die drei- vierstimmigen nicht einfachen Fugen spielt er mit äußerster Präzision. Kein Wunder, dass so viel Meisterschaft zur Zugabe führt: Das zauberhafte Siciliano aus der g-Moll Flötensonate in der Transkription von Wilhelm Kempff – jetzt auch mit romantischen Touch – entlässt die begeisterten Zuhörer.