Erinnerungen an den Drehtrommel-Schmelzofen aus Milspe

Vor dem Modell von links: Bürgermeisterstellvertreter Manfred Drabent, der Betriebsleiter der Firma Brackelsberg und Museumsmitarbeiter Rainer Finke, der Stifter des Ofen-Modells, Adam Dörr aus Frankenthal, Dr. Peter Bardenheuer und der Chef des Industriemuseums, Prof. Dr. Reinhard Döpp.
Vor dem Modell von links: Bürgermeisterstellvertreter Manfred Drabent, der Betriebsleiter der Firma Brackelsberg und Museumsmitarbeiter Rainer Finke, der Stifter des Ofen-Modells, Adam Dörr aus Frankenthal, Dr. Peter Bardenheuer und der Chef des Industriemuseums, Prof. Dr. Reinhard Döpp.
Foto: Hans-Jochem Schulte

Ennepetal..  In der Welt der Gießer ist Karl Brackelsberg noch heute ein Begriff, obwohl er im Jahr 1930 bei einem Flugzeugunglück auf dem Weg nach Schweden über der Ostsee ums Leben kam. Der gebürtige ­Milsper aus dem Traditionsunternehmen Brackelsberg im Heilenbecker Tal erfand unter Mithilfe des Ingenieurs Wilhelm Drees (Onkel des Industriemuseumschefs Prof. Dr. Reinhard Döpp) den mit Kohlenstaub befeuerten Drehtrommel-Schmelzofen. Das war damals in Fachkreisen eine Sensation.

Seit gestern erinnert das Industriemuseum an der Neustraße in Altenvoerde an den Erfinder Karl Brackelsberg. Anlässlich des Internationalen Museumstags war am Sonntag das Industriemuseum geöffnet, und während einer Feierstunde übergab Adam Dörr aus Frankenthal (bei Ludwigshafen) dem Museum das von ihm geschaffene Modell des Drehtrommelofens. Es gehört nun zum Inventar des Museums in der Klutertstadt. Adam Dörr, der eine Gießerei in Frankenthal führte, hatte mit dem Modell seinen Kunden die Arbeitsweise erklärt. Über Umwege und mit Hilfe der Technischen Universität Aachen kam das Modell nach Ennepetal, sozusagen in die Heimat seines Erfinders.

Erfindernachkomme erkrankt

Prof. Dr. Reinhard Döpp bedauerte in seinen Begrüßungsworten, dass Hans Brackelsberg aus der Erfinderfamilie wegen einer Erkrankung nicht an der Übergabe teilnehmen konnte, denn er und Uwe Drees hätten für diesen Tag wertvolle Vorarbeit geleistet. Anwesend war neben Uwe Drees auch Rainer Finke, der derzeitige Betriebsleiter der Tempergießerei J. D. Brackelsberg. Das interessierte Publikum wurde zudem Zeuge einer schönen Überraschung. Dr. Ing. Peter Bardenheuer aus Düsseldorf überreichte dem Museumschef Döpp eine Fachzeitschrift aus dem Jahr 1928, in der ausführlich über eine Tagung von Gießereifachleuten berichtet wurde, die sich mit dem „Brackelsberg-Ofen“ beschäftigten, dabei durchaus auch kritisch. Professor Döpp, der einen Kurzvortrag zur Gießereikunde hielt, wusste aber zu berichten, dass der Erfinder Karl Brackelsberg seinerzeit sogar für eine Ehren-Doktorwürde im Gespräch war. Dr. Peter Bardenheuers Vater war ein verantwortlicher Wissenschaftler beim Kaiser-Wilhelm Institut für Eisenforschung (heute Max-Planck-Gesellschaft) und beschäftigte sich auch mit der Erfindung aus Milspe.

Kulturelles Erbe

Grußworte zum „Internationalen Museumstag“ sprach der stellvertretende Bürgermeister Manfred Drabent. Nach seinen Worten vermitteln Museen ein kulturelles Erbe und leisten einen wesentlichen Beitrag für die Zukunft. Damit traf Manfred Drabent das Motto des Industriemuseums zu einhundert Prozent, das bekanntlich lautet: „Zukunft braucht Herkunft, Zukunft aus Tradition“.