Entzweit der Kunstrasen jetzt die Vereine?

Die Rennbahn entzweit die Schwelmer bei der Frage: Wo sollen die Kunstrasenplätze entstehen?
Die Rennbahn entzweit die Schwelmer bei der Frage: Wo sollen die Kunstrasenplätze entstehen?
Foto: www.blossey.eu

Schwelm.. So langsam wird es sogar für die härtesten Insider schwer, beim Thema Kunstrasen in Schwelm den Überblick zu behalten. Der Finanzausschuss wird sich mit zwei Anträgen zu diesem Thema beschäftigen, derweil wächst die Ungeduld in den Vereinen, endlich einen Fortschritt bei dem überlebenswichtigen Projekt zu sehen. Vor allem der Antrag der SPD sorgt für Fassungslosigkeit. So ist der Stand der Dinge:

SPD übt Druck auf Vereine aus

Die Frage aller Fragen lautet weiterhin: Wo sollen die beiden dringend benötigten Plätze überhaupt entstehen? Die Variante, diese an der Rennbahn zu bauen und den Sportplatz Rote Berge für die Leichtathleten herzurichten, trifft auf breite Zustimmung des VfB Schwelm, einem großen Teil der Politik sowie der Umweltverbände Nabu und AGU. Skepsis herrschen jedoch bei Bürgermeister Jochen Stobbe, der SpVg Linderhausen, der Linkspartei sowie der SPD. Die Sozialdemokraten stellen einen entsprechenden Antrag an ihren Bürgermeister, der diese Haltung unterstreicht.

Kern des Schreibens: Die Stadt soll die Flächen für den weiterhin diskutierten Sportpark Nord in Linderhausen erst ankaufen, wenn eine rechtsverbindliche Erklärungen des VfB sowie der Spielvereinigung Linderhausen vorliegt, dass der Sportplatz am Brunnen verkauft wird und der Erlös komplett für die Errichtung der Kunstrasenplätze am Sportpark Nord eingesetzt wird. In der Begründung schriebt Fraktionsvorsitzender Gerd Philipp: „Angesichts dieser jüngsten Diskussionen ist nunmehr ein rechtsverbindliches Bekenntnis der Fußballvereine zum Standort ,Schwelm Nord’ erforderlich, bevor die Stadt Schwelm ihr Ankaufsrecht für die angedachte Fläche ausübt, um Planungssicherheit für alle Beteiligten zu gewährleisten.“

Ankaufsrecht nicht verlängert

Damit setzt die SPD den Vereinen die Pistole auf die Brust, denn die Stadt kann ihr Ankaufsrecht nur noch bis zum 30. Juni ausüben. Eine von der Verwaltung erbetene Verlängerung lehnten die Besitzer ab. Das stößt vor allem bei den Verantwortlichen des VfB Schwelm sauer auf. „Ich halte diesen Antrag für vollkommen unnötig. Was wir brauchen, ist endlich eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Parteien, der Verwaltung, der beiden Vereine sowie dem Planer Uwe Hugendick, um zügig zu klären, was relevant ist und wie wir nun die nächsten Schritte angehen.“

Der VfB favorisiert ganz klar die Lösung an der Rennbahn unter Einbeziehung der Roten Berge als Leichtathletikanlage. Dazu schreibt die SPD: „Wesentliche Probleme, etwa hinsichtlich der Hochspannungsleitung sowie des inzwischen noch verschärften Lärmschutzes, sind jedoch weiterhin nicht beseitigt.“ Uwe Hugendick, der diese Lösung konzipiert hat, ist da anderer Auffassung. Die Hochspannungsleitung und die benötigten Mindestabstände stellen in seiner Varianten kein Problem dar. „Einzig der Lärmschutz muss bedacht und erfüllt werden“, sagt Michael Starke.

Verwaltung soll beides prüfen

Dementsprechend sieht er den gemeinsamen Antrag von CDU, Bürgern, Grünen, FDP sowie SWG/BfS als „sinnentsprechend“ an. Das Quintett will die Verwaltung beauftragen, das bereits von Starke geforderte Gespräch einzuberufen und beide Varianten unter folgenden Gesichtspunkten zu prüfen und gegenüberzustellen: Rechtliche Rahmenbedingungen, genehmigungs- und aufsichtsrelevante Anforderungen, Kosten für die Errichtung, sonstige zu berücksichtigende Kosten wie Ankaufskosten für die Grundstücke, Kosten für Erdbewegungen, Entwässerung, verkehrliche Erschließung und so weiter, sowie finanzwirtschaftliche Auswirkungen auf die Haushalte 2016 bis 2021.

„Auch wenn ich die Linderhausener Lösung als nicht realisierbar ansehe, werden wir am Ende dieses Prozesses sehen, wo die Reise hingeht“, sagt VfB-Vorstandsmitglied Michael Starke, der auf die zahlreichen Probleme zum Beispiel in Bezug auf eine gesicherte Finanzierung hinweist.

Die sieht die Linkspartei nicht. Fraktionsvorsitzender Jürgen Feldmann teilt mit: „Eventuelle Probleme, die im Zusammenhang mit einem Sportpark Nord in Linderhausen genannt worden sind, sind nach Ansicht der Linken durch die Verwaltung ausgeräumt worden.“

Damit dürfte er offene Türen bei der SpVg Linderhausen einrennen. Denn im Linderhausener Sportverein ist die Stimmung arg gekippt. „Wir hätten noch in diesem Jahr den Spatenstich an der Gevelsberger Straße machen können. Diejenigen, die neue Lösungen haben, hätten diese auch ruhig etwas früher präsentieren können“, sagt der 1. Vorsitzende, Uli Sack. Wäre die Rennbahn von Anfang an diskutiert worden, ist er sich sicher, dass seine Mitglieder dahinter gestanden hätten. Er glaubt allerdings nicht an die Zustimmung der SpVgler für diese Lösung zum jetzigen Zeitpunkt. Ebenso sieht er damit die geplante Fusion der beiden Schwelmer Fußballvereine in weite Ferne gerückt.

Bleibt die Hoffnung, dass sich diese vertrackte Situation schnell entwirrt.