Entscheidung korrigieren

Bürgermeister Dr. Fritz Textor.
Bürgermeister Dr. Fritz Textor.
Foto: Hans Hermann Pöpsel

Ennepetal..  Im Vorfeld der nächsten Ratssitzung, bei der das Thema Dr. Fritz Textor auf den Tisch kommen wird, und auch über eine Umbenennung des Dr.-Fritz-Textor-Ringes abgestimmt werden soll, meldet sich die SPD zu Wort. Nachde die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Dezember den Antrag stellte, einen neuen Namen für die Straße im Neubaugebiet am Büttenberg zu wählen, richtete der SPD-Vorstand einen Appell an alle Mitglieder des Stadtrates, dass sie der vorgeschlagenen Umbenennung zustimmen sollen.

Appell an Fraktionen

„Nach dem Abschluss der entsprechenden Untersuchungen steht für uns nunmehr als eindeutig fest, dass Dr. Textor ein bekennendes Mitglied der NSDAP und damit auch nachweislich ein überzeugter Anhänger jenes menschenverachtenden Nazi-Regimes gewesen ist, unter dessen grausamer Verfolgung seinerzeit gerade auch etliche namhafte Ennepetaler SPD-Mitglieder sehr gelitten haben“, heißt es in dem Schreiben der Sozialdemokraten.

Eine solch herausgehobene Ehrung und Würdigung, wie es die Widmung einer Straße darstelle, stehe ihm demnach nicht zu, ganz gleich, welche Verdienste sich Dr. Textor auch als erster Bürgermeister dieser Stadt erworben haben möge. Der Vorsitzende des SPD Ortsvereins Ennepetal, Christian Zink, erklärt: „Sie alle, liebe Mitglieder des Rates der Stadt Ennepetal, haben nun die Gelegenheit, Ihre damals aus Unkenntnis der politischen Vergangenheit Dr. Textors getroffene Entscheidung zu korrigieren. Wir finden, das sind wir sowohl dem künftigen Wohle unserer Stadt als auch der gebotenen Achtung vor den Opfern der Nazi-Terrorherrschaft schuldig!“

Auch Hans Hermann Pöpsel vom Arbeitskreis Ennepetaler Stadtgeschichte betonte bereits in einer Stellungnahme, dass ein „Vertreter der historisch schlimmsten Rassismusbewegung“ nicht weiter geehrt bleiben soll (wir berichteten).

Die Ratssitzung ist für Donnerstag, 29. Januar, ab 17.15 Uhr, im Haus Ennepetal vorgesehen. Im Oktober wurde ein von den Grünen in Auftrag gegebenes Gutachten vorgestellt, das die Rolle Dr. Fritz Textors, des ersten Bürgermeisters der Stadt, in der Nazi-Zeit näher beleuchtet hat. Dabei kam der Historiker Prof. Dr. Ulrich Pfeil zu dem Ergebnis, dass Textor zu den „mittleren Führungseliten gehörte, die sich in den verschiedenen Regimen dem Ethos der Pflichterfüllung verschrieben hatten“. Er beleuchtete auf 47 Seiten den Lehrer und FDP-Politiker unter dem Titel „Fritz Textor (1911-1988): Eine umstrittene Persönlichkeit mit vielen Facetten.“ Schon im Anschluss an die Vorstellung des Gutachtens hatte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Ulrich Röhder erklärt, dass er vor dem Hintergrund der Untersuchung eine Umbenennung beantragen wird.