Ennepetals Engagement für Europa gewürdigt

Preiswürdiges Engagement: Die Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, Dr. Angelica Schwall-Düren, überreichte Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen am Mittwoch im Mehrgenerationenhaus die Auszeichnung „für besonders gute europäische und internationale Jugendarbeit.“
Preiswürdiges Engagement: Die Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, Dr. Angelica Schwall-Düren, überreichte Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen am Mittwoch im Mehrgenerationenhaus die Auszeichnung „für besonders gute europäische und internationale Jugendarbeit.“
Foto: WP

Ennepetal..  „Für besonders gute europäische und internationale Jugendarbeit“ ist Ennepetal gestern von der NRW-Landesregierung ausgezeichnet worden. Im Rahmen des Wettbewerbs „Europaktive Kommune“ erhielt die Stadt einen Sonderpreis im Handlungsfeld „Leben und Lernen“. Damit wird ein Projekt gewürdigt, bei dem im vergangenen Frühjahr acht Berufsschüler aus dem spanischen Saragossa ein dreimonatiges Praktikum in Ennepetaler Unternehmen absolviert hatten. Die Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, Dr. Angelica Schwall-Düren, übergab die Urkunde gestern an Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen.

Die Ministerin lobte das Engagement Ennepetals, das jungen Menschen eine Chance eröffne, „aus der Arbeitslosigkeit, die sie in Spanien erleiden müssen, auszusteigen und eine Perspektive für sich zu entwickeln.“ Man sehe mit Sorge auf die Länder in Südeuropa, deren Probleme sich auch auf die Situation hierzulande auswirken würden.

Partner in das Lob einbezogen

Es wachse eine „verlorene Generation“ heran, die sich zunehmend von der Demokratie und dem europäischen Gedanken entfremde. Dabei sei die jetzige junge Generation so gut ausgebildet wie keine zuvor. Doch gerade die jungen Menschen trügen die Hauptlast der Anpassungen, die eine schlechte Wirtschaftslage mit sich bringt. Nicht zuletzt habe die Arbeitslosigkeit in den betreffenden Ländern auch wirtschaftliche Auswirkungen auf eine Exportnation wie Deutschland.

Angesichts der fremdenfeindlichen Bewegung, die zurzeit Menschen anziehe, die verunsichert sind, gelte es, weiter das Bewusstsein zu schärfen, was Europa bedeutet, sagte Angelica Schwall-Düren. Neben Frieden und Freiheit, sei auch unser Wohlstand eine Errungenschaft Europas. Die künftigen Herausforderungen seien nur gemeinsam in Europa zu bewältigen. „Es geht um die Zukunft unserer jungen Leute“, meinte die Ministerin. Und gerade deshalb sei es wunderbar, „dass sie sich hier in diesem Feld engagieren.“ Dafür habe Ennepetal den Sonderpreis verdient.

„Je mehr Kommunen sich intensiv und qualifiziert mit europäischen Themen befassen“, betonte Schwall-Düren zugleich, „desto mehr wird die Stimme der Kommunen in Europa gehört. So wie die Kommunen Europa brauchen, braucht Europa die Kommunen.“

Die Ministerin bezog in ihr Lob für das Ennepetaler Engagement ausdrücklich die Partner – die Agentur für Arbeit, die SIHK, die heimischen Unternehmen und nicht zuletzt die Gastfamilien – mit ein. Zudem drückte sie ihre Hoffnung aus, dass man auf dem Erreichten aufbaue und das Projekt fortführe.

Bürgermeister zeigt sich stolz

Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen versprach, dass die Auszeichnung einen sehr exponierten Platz im Rathaus erhalten werde. „Das ist ein Preis, auf den wir sehr stolz sind“, sagte er. Er dankte ebenfalls allen, die das Projekt unterstützt haben. Der Bürgermeister erläuterte, dass der Erste Beigeordnete und Kämmerer Dieter Kaltenbach die Idee gehabt habe, jungen Menschen aus Krisenländern in Südeuropa nach Ennepetal zu holen – mit dem langfristigen Ziel, einem drohenden Fachkräftemangel begegnen zu können. Nach Gesprächen mit heimischen Unternehmern und der SIHK sei das Praktikumsprojekt entstanden. Ende März waren acht Spanier über Kontakte des Cuno II Berufskollegs in Hagen von der Berufsfachschule Corona de Aragon in Saragossa nach Ennepetal gekommen und hatten in heimischen Unternehmen ein dreimonatiges Praktikum absolviert. Während ihres Aufenthalts hatte die Stadt ein umfangreiches kulturelles und sportliches Programm angeboten, um die Integration zu fördern. „Wir haben den europäischen Gedanken gelebt“, so Wilhelm Wiggenhagen.

Zur Preisverleihung im Mehrgenerationenhaus waren neben vielen Projektbeteiligten auch die heimischen Bundestagsabgeordneten René Röspel und Cemile Giousouf sowie der Landtagsabgeordnete Hubertus Kramer gekommen. Für den musikalischen Rahmen sorgten Musikschulleiter Kai Stubenvoll (Gitarre) und Lehrer Martin Windhövel (Violine).

Im Jahr 2014 wurden insgesamt sieben Städte und Gemeinden in NRW von der Landesregierung als „Europaaktive Kommune“ ausgezeichnet: Bocholt, Dortmund, Duisburg, Hörstel, Kamen, Lemgo und Marl. Außerdem wurden vier Sonderpreise vergeben. Neben der Stadt Ennepetal erhielten noch Bad Driburg, Dortmund und Münster einen Sonderpreis.

INFO:

Ob es mit dem Projekt weitergeht, ist noch offen. Man habe heimische Unternehmen angeschrieben, um den Bedarf zu ermitteln, erklärte Adriane Dulk, die das Projekt auf Seiten der Verwaltung koordiniert. „Wir wollen erst den Rücklauf abwarten.“ Es sei auch möglich, das Projekt zu verändern, gegebenenfalls mit fertig ausgebildeten und studierten Kräften zu arbeiten.

Im Oktober besuchte Adriane Dulk Saragossa und traf die meisten der acht Praktikanten. Vier haben eine Festanstellung, drei studieren weiter. Nur einer ist auf Jobsuche. Mit Hilfe der Projektbeteiligten habe dieser sich auch bei einem Unternehmen in Gevelsberg beworben.

Bei der Berufsfachschule in Saragossa zog man schon eine Lehre aus dem Projekt: Bei der Vorbereitung eines derartigen Auslandsaufenthalts soll noch mehr Wert auf praktische Sprachkenntnisse gelegt werden.