Ennepetaler schlug Ex mit Gummihammer nieder

Foto: Kurt

Ennepetal..  Sie wollte endlich frei von ihm sein. Er kämpfte mit selbst gebastelten bunten Herzen und Liebesgedichten um sie. Aber als sie ihn zurückwies, schlug er mit einem Gummihammer zu und sperrte die bewusstlose Frau ein. Seit gestern muss sich ein 25-jähriger Ennepetaler wegen Geiselnahme vor dem Hagener Landgericht verantworten.

Der verträumt wirkende junge Mann war blass und hatte vom Weinen rot aufgequollene Augen. Dann gestand er, seine Ex-Freundin in seiner Wohnung mit einem Gummihammer attackiert und den gemeinsamen Tod geplant zu haben.

Die vier Jahre währende Beziehung des Pärchens kriselte, nachdem der 25-jährige 2013 seine Ausbildungsstelle verloren hatte. Seine Freundin (23) bemühte sich nach Leibeskräften, ihren antriebslosen Partner zu motivieren, schrieb sogar Bewerbungen für ihn. Im Februar vergangenen Jahres gab sie auf und trennte sich. Das hat der Ennepetaler nicht verkraftet, wie er gestern einräumte. Am 21. September soll er die Ex-Freundin, die eine im Haus des Ennepetalers wohnende Tante besuchte, in seine Wohnung gezogen haben. Angeblich sollte sie noch Sachen abholen, die ihr gehörten. Kurz zuvor hatte sie dem 25-Jährigen erneut mitgeteilt, dass es keine gemeinsame Beziehung mehr geben würde. Während sie vor ihm herging, trafen sie plötzlich die drei Hammerschläge.

Sie erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und eine blutende Platzwunde. Ihr linker Zeigefinger brach, als sie einen der Schläge abwehren wollte. Darauf soll der Angeklagte seine bewusstlose Freundin mit Klebeband gefesselt und sie mit einem Messer bedroht haben. Erst nach einer langen Diskussion, in der die junge Frau ihm vorspielte, dass sie zu ihm zurückkehren wolle, kam sie frei. Der Ennepetaler gab alles im Großen und Ganzen zu. „Ich hatte in dem Moment keine Kontrolle mehr. Ich wollte das nicht. Meine Freundin war mein ein und alles für mich.“

Während der junge Mann mehr seine eigene Verzweiflung in den Vordergrund stellte, schilderte die 23-Jährige eine deutlich brutalere Situation. Drei Szenarien habe der Angeklagte mit ihr ausgearbeitet: „Entweder ich käme zurück, dann würde wieder alles gut. Oder er wollte mich mit Gewalt dazu zwingen. Punkt drei war, dass er uns beide töten würde. Er sagte, er wollte mich eigentlich nicht abstechen, weil das schmerzhaft wäre. Er überlegte, mich mit einem Kissen zu ersticken.“ Dann ließ er sie einen Abschiedsbrief an ihre Mutter und ihre Freunde schreiben: „Ich wollte nicht, dass mein Leben so zuende geht. Weint nicht um mich“, stand darin. Die junge Frau hatte Todesangst. „Ich betete innerlich‚Ich will noch nicht sterben!‘“

Die Ennepetalerin leidet heute an Alpträumen und Angstzuständen. Ihr steifer, verkrümmter Finger muss bald operiert werden.